2025 Juni – Norwegen, Südkap
Tag 1 – Samstag, 7. Juni 2025
Abfahrt: 14.20 Uhr Tachostand: 58.878 km Reichweite: 1077 km
Nordkap hatten wir schon. Westkap auch. Ostkap? Gibt’s nicht in Norwegen. Aber das Südkap. Also, nichts wie hin! Aber natürlich nicht nach dem Motto „Zack hin – abhaken – wieder zurück“. Statt Luftlinie mit Fähre von Hirtshals/Dänemark nach Kristiansand/Norwegen wählen wir daher unsere bewährte Brücken-Route über Schweden. Doch weil wir diesmal nicht so viele Langstrecken-Etappen einlegen wollen, bleiben wir am ersten Reisetag hübsch auf dem dänischen Festland. In diesem Fall: Christiansfeld, von unserem Ort aus etwas über fünf Stunden entfernt, von Flensburg und der deutschen Grenze aus eine gute Stunde. Am frühen Abend entern wir den auch für Wohnmobile geeigneten Busparkplatz an der Lindegade unweit des Zentrums. Unser Navi führt uns natürlich mitten durch den Puppenstuben-Ort. Dabei wäre es auf der großen Außenkurve (ausgeschildert mit Bus-Parkplatz-Hinweis) viel bequemer und nicht viel weiter gewesen. Auf dem Platz gibt es ein Toilettenhäuschen und ein Entsorgungsbecken für die WC-Kassette plus Wasser-Zapfhahn (kostenlos). Zwei britische und ein niederländischer Wohnmobil-Fahrer haben es sich bereits gemütlich gemacht. Aber es ist noch ordentlich Platz übrig. Gleich nebenan liegt auf der einen Seite eine große Arla-Fabrik, auf der anderen Seite neben einer Ingo-Minitanke noch ein kleiner, aber gut sortierter Netto-Markt (geöffnet täglich von 7 bis 22 Uhr). Den testen wir später noch. Da es aber gerade Bindfäden regnet, stärken wir uns erst mal mit Nudeln in Tomatensoße mit Gurke. Das geht immer! Der Regen stoppt pünktlich mit dem Vertilgen der letzten Nudel. Jetzt können wir im Netto unser noch leeres Tiefkühlfach auffüllen. Hinein wandern panierte Hähnchen-Schnitzel und Eis am Stiel. Danach: Beine hoch zum Ausklang.
Tag 2 – Sonntag, 8. Juni 2025
Abfahrt: 13.25 Uhr Tachostand: 59.307 km Reichweite: 447 km
Wenn wir schon am Sonntag in einer Herrnhuter-Stadt erwachen (immerhin deshalb auch Unesco-Weltkulturerbe), dann könnten wir auch mal gucken, wie so ein Gottesdienst abläuft. Um 10.30 Uhr wäre jeder willkommen, hieß es auf der Gemeinde-Seite. Also wandern wir entlang der historischen „Yellow Brick“-Häuser (wieso bloß spukt uns jetzt Elton John im Kopf herum?) zum Kirchsaal der 1773 gegründeten Brüdergemeine. Geschrieben tatsächlich ohne d – so wie das Original aus dem sächsischen Herrnhut. Am Eingang der Kirche treffen wir prompt auf den Pfarrer und fragen vorsichtshalber noch mal nach, ob wir als interessierte Urlauber teilnehmen dürfen. Der Pfarrer, der auch prima Deutsch spricht, bejaht. Der Gottesdienst selbst ist natürlich auf Dänisch. Aber es wird viel gesungen. Gestützt von einem kleinen, aber stimmkräftigen Chor. Zwischendurch lassen wir die Blicke schweifen. Der Saal ist schon interessant gestaltet. Hell und licht, die Kirchenbänke in langer Reihe nebeneinander, der Holzfußboden mit Sand bestreut. Das Abendmahl wird ganz selbstverständlich an alle ausgeteilt. Jeder bekommt dazu einen kleinen Kelch. Nach dieser Erfahrung gucken wir uns noch ein bisschen im Ort um. Schnüstern in der Honigkuchenbäckerei zwischen Delikatessen und Herrnhuter Sternen. Bewundern ein paar Fenster weiter die dekorativen Miniaturmodelle der traditionellen Christiansfelder Kachelöfen. Drehen eine Runde über den berühmten Gottesacker, auf dem Frauen und Männer getrennt begraben sind, aber streng symmetrisch mit identischen Grabsteinen. Zurück am Wohnmobil, hauen wir uns die dänischen Schnitzelchen in die Pfanne. Dann geht es wieder auf die Piste. Anderthalb Stunden später passieren wir bei Starkregen die Große-Belt-Brücke. Noch mal eine gute Stunde später haben wir Schweden erreicht, aber noch nicht unser heutiges Tagesziel. Durch den weiterhin strömenden Regen (man kann nicht immer Wetterglück haben) steuern wir weiter ins Herz von Skåne hinein, bis wir den idyllisch gelegenen Naturparkplatz von Schloss Hovdala erreichen. Der ist ganz nach unserem Geschmack. Denn nachdem die letzten Waldspaziergäste verschwunden sind, haben wir ihn ganz für uns allein. Wenn man mal von einigen tierischen Besuchern absieht, die wir bei einer ersten Kurz-Inspektion sichten. Vor der Womo-Tür schleichen große Weinbergschnecken über den Boden. Um uns herum schnabulieren Dohlen, singen und zwitschern Amseln, Buchfinken und Rotschwänze. Am Himmel jagen Schwalben. Für einen weiträumigeren Spaziergang ist es aber immer noch zu nass. Die puscheligen Schafe auf der sanft hügeligen, fast englisch wirkenden Landschaftsweide müssen wie der Schlosspark bis morgen warten.
Tag 3 – Montag, 9. Juni 2025
Abfahrt: 10.25 Uhr Tachostand: 59.669 km Reichweite: 79 km
Am frühen Morgen werden vor unserem Fenster drei Arbeitspferde für einen Einsatz fertiggemacht, der uns noch etwas rätselhaft erscheint. Werden das „Mähpferde“? Gemächlich schreiten die Vorbereitungen voran, dann gibt’s erst mal eine Futterpause für die Pferde und ein Käffchen für ihre Menschen. Unterdessen kommt der Schäfer und mischt einmal kurz die Herde am anderen Wegesrand auf. Und wir? Machen uns nach Horred einen Spaziergang bereit. Ins Schloss hinein (samt Kunsthandwerkerladen plus Café) kommen wir leider nicht, denn das hat montags geschlossen. Stattdessen geht es einmal rund ums Gebäude und durch den Garten. Die Gärtner sind fleißig in der Orangerie zugange, wo der alte Küchengarten reaktiviert wurde. Für die Insekten wurden prima Nisthilfen installiert, sogar ein eigenes Schlosshotel im Hovdala-Stil. Und dann rücken tatsächlich die Pferde von vorhin zum ökologischen Mähen an. Wir schauen dem Spektakel noch ein bisschen zu, dann verlangt der T-Rex wieder unsere Aufmerksamkeit. Sein Tank benötigt neuen Kraftstoff. Den bekommt er bei „Ingo“ im nahen Hässleholm. So gestärkt, geht es auf die nächste Etappe: halbwegs wieder Richtung Westküste, nach Horred. Dort hat seit 1692 die immer noch familiengeführte Firma Ekelund ihren Sitz, Schwedens älteste Leinenweberei und seit 1878 Hoflieferant des Königshauses. Wir haben Glück: Neben dem Laden ist auch der museale Rundgang durch die laufende Produktion geöffnet. Weil die Maschinen ganz schön laut sind, müssen wir zwischendurch Ohrenschützer tragen. Anhand der mehrsprachigen Infotafeln lernen wir außerdem, dass Ekelund die patentierte Sechs-Farben-Pixelwebtechnik entwickelt hat, die zu einer besonders plastischen Musterung führt. Und es wird so umweltschonend produziert wie möglich. Selbst die Besucher-Toiletten werden mit Regenwasser betrieben. Vorbildlich. Da kauft man doch umso lieber ein paar textile Mitbringsel ein. Ein Café gibt es auch. Doch Tee nehmen wir später noch im T-Rex ein. Dazu müssen wir aber erst mal zu unserem heutigen Übernachtungsplatz. Da liegen noch einige Kilometer vor uns. Denn wir wollen an die Küste Bohusläns nördlich von Göteborg. Was heißt: Wir müssen einmal mitten hindurch durch den Feierabendverkehr in der zweitgrößten Stadt Schwedens (Achtung, City-Maut – aber meist nur ein Kleckerbetrag) und dann noch ein ganzes Stück weiter. Etwas mehr als zweieinhalb Stunden später rollen wir auf den Rastplatz am Weltkulturerbe Tanum. Wieder einmal haben den auch schon andere vor uns entdeckt. Und trotzdem gibt es ein freies Plätzchen für uns. Wie schön! Natürlich ist das Ganze nicht einfach nur ein schnöder Rastplatz. Der Toiletten-Pavillon beherbergt eine Info-Ausstellung zu den berühmten Felsritzungen, aber auch zum Thema Welterbe generell. Ein Skywalk führt dekorativ zu einer Aussichtsplattform mit weitem Blick. Links hinterm Pavillon geht es hinunter zu einem 1,5 Kilometer langen Kulturpfad durchs bewaldete Gelände. Und als das Sonnenlicht schwindet, leuchtet das Rasthäuschen rot.
Tag 4 – Dienstag, 10. Juni 2025
Abfahrt: 11.05 Uhr Tachostand: 60.104 km Reichweite: 483 km
Weil wir jetzt auch die echten Felsritzungen sehen wollen, kurven wir zum Vitlcke Museum, stellen uns auf den schon gut gefüllten Parkplatz, gehen aber nicht ins Museum, sondern folgen dem Pfad auf die andere Straßenseite. Dort lauern mehrere formschöne Ritzungen: Boote, Jagdszenen, ein Wal und ein irgendwie witziger frühgeschichtlicher Schlangen-Cartoon. So talpen wir kreuz und quer durch die Botanik, bis uns der einsetzende Regen in den Museumsshop und ins Womo treibt. Unsere nächste Zwischenstation heißt Grebbestad, direkt an der Westküste und im Sommer eines der populärsten Seebäder mit Garnelen- und Hummerfischer-Tradition. Mitten im Ort (=direkt am Hafen an der Tage Wikströms gata) dürfen in einem extra dafür gekennzeichneten Bereich auch Wohnmobile mit Parkscheibe eine Stunde kostenlos stehen. Wir nutzen die Zeit für einen kleinen maritimen Rundgang mit Besuch an der Dichter-Statue des populären Nationalbarden Evert Taube (1890-1976), der hier mal einen inspirierenden Sommer verbrachte, und für ein paar Einkäufe. Weil unser heißgeliebtes Wiener Bröd aber schon ausverkauft ist, steuern wir noch das Tanum-Shoppingcenter bei Tanumshede an. Das nutzt natürlich die örtlichen Felsritzungen als Werbefaktor in XXL. Das fordert unseren Spieltrieb. Aber wir haben heute ja noch mehr vor. Auf der 165 setzen wir zu einem ersten Sprung über die schwedisch-norwegische Grenze an – und landen prompt in einer mobilen schwedischen Zollkontrolle. Ob wir Alkohol oder Zigaretten dabei hätten, wird gefragt. Nein, nur Orangensaft, antworten wir, ernten vom Uniformierten ein Grinsen und dürfen passieren. Kurz darauf parken wir den T-Rex auf dem Rasteplass am Elgåfossen, sind also jetzt in Norwegen. Weil der Regen gerade eine Pause macht, spazieren wir gleich mal drauflos Richtung Wasserfall. Ein bequemer Weg führt erst über eine normale, dann über die Grenzbrücke. Denn der Bach, der vom Elgåfossen bzw. Älgafallet gespeist wird, markiert hier auch den Verlauf der Reichsgrenze. Man kann also mit dem einen Bein in Norwegen und dem anderen in Schweden stehen. Was wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Als wir später wieder im T-Rex sitzen, kommt es zu einer zweiten Zoll-Begegnung. Scheint wohl eine beliebte Schmuggel-Gegend zu sein. Diesmal rauschen die Norweger im Zivilfahrzeug an, kontrollieren aber „nur“ den rumänischen Van vor uns. Doch das reisende Paar darin hat nichts auf dem Kerbholz. Jedenfalls ziehen die Zöllner nach dem Filzen so wieder ab. Und wir können uns jetzt endlich gemütlich für den Abend einmuggeln – zum Rauschen des Wasserfalls.
Tag 5 – Mittwoch, 11. Juni 2025
Abfahrt: 10.45 Uhr Tachostand: 60.159 km Reichweite: 619 km
Weil’s so schön nah ist, geht heute noch mal zurück nach Schweden. Uns locken das Gräberfeld und die Schiffssetzung von Blomsholm (die drittgrößte Schwedens) nahe Strömstad. Vom Parkplatz aus, der auch zur Übernachtung getaugt hätte, schlängelt sich ein netter kleiner Kulturpfad durch die Landschaft. Vorbei an weiteren geschichtsträchtigen Stationen mit entsprechenden Erklärtafeln gelangen wir am Ende auf eine Waldlichtung mit zwei Menhiren (die Bretagne lässt grüßen) samt neolithischem Steinkreis. Sehr schick! Nach dem Ausflug in die Frühgeschichte betätigen wir uns erneut als Grenzgänger – diesmal auf der alten Svinesundbrücke. Den T-Rex binden wir beim alten Zollgebäude an, weil da mehr Platz für Großkaliber ist als vor dem Mini-Supermarkt und Restaurant direkt an der Brücke. Vorbei an lila blühenden Lupinen spazieren wir Richtung Norwegen – mit grandiosem Blick tief hinunter auf den Iddefjord und den Skagerrak am Horizont. Auch hier üben wir uns in der Diszplin „Ein Bein in Schweden – ein Bein in Norwegen“, fügen dem schon tüchtig mit Aufklebern gepflasterten Grenzschild noch unsere persönliche Note hinzu, genießen noch ein bisschen die Aussicht und steigen dann wieder in den T-Rex. Jetzt wollen wir richtig nach Norwegen. Eine Viertelstunde später lockt uns auf norwegischer Seite der Rastplatz am Solbergtårnet. Sieht immer noch nach einem prima Ausguck aus. Den wollen wir uns jetzt endlich näher anschauen, nachdem wir hier schon einmal waren, aber das Teil eben noch nicht fertig. Doch wir haben wieder Pech. Wegen Umbaus der Innenausstellung auf unbestimmte Zeit geschlossen. Bleibt nur ein Blick in die Outdoor-Abteilung der Ausstellung zum Oldtidsveien (Altertumsweg) und den auch hier vorhandenen Felsritzungen. Grrr! Wenigstens die supermodernen und supersauberen Toiletten sind geöffnet. Der Zwischenstopp soll sich ja auch gelohnt haben. Der nächste folgt nicht lange danach. Gegen 15 Uhr rollen wir in Fredrikstad auf den geräumigen Parkplatz gegenüber vom Friedhof (P Kongsten, Gamlebyveien 1). Dort darf man in den ersten drei Stunden gratis stehen, muss dafür aber am Parkautomaten sein Autokennzeichen registrieren (montags bis freitags 8 bis 17 Uhr, samstags 8 bis 15 Uhr). Sonntags dagegen kann man komplett frei stehen. Lohnt sich. Denn bis zur knuffigen Altstadt innerhalb der Festungsmauern sind es zu Fuß nur etwa fünf Minuten. Wir stromern erst über die Zugbrücke, dann gemütlich kreuz und quer durch den alten Stadtkern mit seinen Galerien, Lädchen, Cafés und Glasbläsereien, sagen hallo zu König Fredrik II bzw. seiner Statue, setzen uns kurz auf den kleinen bewaldeten Wall am Glomma-Fluss und gucken hinüber zum Isegran Fort. Dann kurven wir zurück zur Festungsbrücke, gucken dort noch mal Glaskunst, Tauben, Möwen und Enten und pilgern schließlich zurück zum Womo. Dort gibt‘ erst mal ein Tässchen Tee. Danach schmeißen wir zum letzten Mal an diesem Tag den Motor an. Die Hauptstadt ruft, wenn auch eher der Außenbezirk. Durch die Stadt müssen wir trotzdem. Aber wir waren schon zu schlimmeren Verkehrszeiten in Oslo. Um kurz vor 19 Uhr haben wir es geschafft: der Parkplatz am Fernsehturm Tryvannstårn ist unser! Noch ein gepflegter Abendspaziergang, dann beginnt der Turm zu leuchten und für uns geht ein reich angefüllter Tag dem Ende zu.
Tag 6 – Donnerstag, 12. Juni 2025
Abfahrt: 10.58 Uhr Tachostand: 60.356 km Reichweite: 109 km
Wo wir schon mal in der Nähe sind, wollen wir uns an neuen Holmenkollen umgucken, also der Skisprungschanze – der Berg heißt ja auch so, ist aber natürlich nicht neu. Und auch die Schanze (Baujahr 2009) hat schon wieder ein paar Jährchen auf dem Buckel. Doch als wir das letzte Mal hier waren, stand noch die alte. Die war zwar auch nicht mehr die allererste Version, aber insgesamt gilt der Holmenkollenbakken als älteste Skisprunganlage der Welt. Und weil es am Fuße der Schanze schon seit 1923 ein Skimuseum gibt, ist auch dieses das älteste der Welt. Auch dort wurde zuletzt tüchtig modernisiert. Doch bevor wir auch das näher überprüfen, machen wir noch einen kleinen Abstecher zum Panoramarestaurant Frognerseteren. Ein sehenswertes Holzgebäude, errichtet im 19. Jahrhundert im norwegischen „Bauern-Rokoko“ mit stilisierten Drachenköpfen à la Stabkirche und allem Drum und Dran. Ganz in der Nähe befindet sich auch die U-Bahn-Station der linie 1, mit der man schnurstracks in die Innenstadt von Oslo (Endstation Hauptbahnhof) fahren könnte. Wenn man denn sein Womo für längere Zeit allein lassen mag. Aber wir haben uns ja schon für das Skimuseum entschieden. Auf dem oberen Parkplatz „Kongeveien utfartsparkering“, also in Spuckweite zur Schanze, wo auch die Reisebusse ihre Fracht ausspucken, finden wir noch ein T-Rex-kompatibles Randplätzchen mit Überhang. Juju. So müssen wir erst nicht ein ganzes Stück den Berg hinunterkurven, wo in der Regel die meisten Wohnmobile zum Stehen kommen. Insgesamt ist ganz schön was los hier. Leider gibt es ausgerechnet heute Probleme mit dem Lift bis nach ganz oben, wo sonst die Sportler starten. Aber so ist das eben. Ins Museum wollen wir trotzdem- Dort kann man sich wahlreise auf die großen Polarexpeditionen stürzen, die Geschichte des Skisports mit allerlei Devotionalien und der olympischen Triumph-Ausrüstung von Biathlon-König Ole Einar Bjørndalen oder auf die sehr anschaulich aufbereiteten Auswirkungen des Klimawandels. Wieder draußen, überlegen wir, ob wir uns den Skisprung-Simulator antun. Ist uns dann doch zu teuer. Dann mal lieber ausprobieren, wie es sich so als Zuschauer in der großen Arena sitzt. Huff! Ganz schon steil und hoch! Da bekommt man ja ganz wackelige Beine, und WIR müssen NICHT da runterflitzen!!! Inzwischen haben wir Mittag, und es kommen immer mehr Besucher. Da machen wir lieber mal Platz und setzen unsere Reise Richtung Südwesten fort. Am Rastplatz Grelland finden wir nicht nur eine Shell-Tankstelle mit Latrintömning für den T-Rex, sondern auch eine norwegische Burgerbraterei der Marke „Bjørns gatekjøkken“. Hmm! Lecker! Die Autobahn lässt uns weiterfliegen, leider ohne schönen Ausblick auf „Weißen Städte“ an der Küste. Da müssten wir extra hinmäandern. Aber für Wohnmobile gibt es da nicht so viele Stehmöglichkeiten außerhalb von Camping- und anderen Bezahlplätzen. In Lillesand aber schon. Und deshalb halten wir da jetzt auch gezielt draufzu. Wobei uns das Navi kurz vor dem Ziel noch einen gehörigen Streich spielt. Anstatt auf der komfortablen Hauptstraße zu bleiben und nur einen kleinen Bogen weiter zu drehen, jagt uns das dumme Ding steil bergauf durch ein Wohngebiet mit immer engeren Wegen, bis wir beim letzten Haus oben quasi vor der Garage stehen. Nur zu Fuß oder naximal mit dem Rad würde es ab hier weitergehen. Super gemacht, Garmin – trotz Wohnmobil-Einstellung!!! Oder können Schweizer Womos einfach besser klettern?! Wir wenden mühsam, schleichen zurück auf „Los“ und starten per Google-Maps-Navigation einen neuen Versuch. Damit finden wir mühelos die richtige Schneise zum anvisierten Übernachtungsplatz „Dovre Parkering“. Warum nicht gleich so?! Der Parkplatz liegt am Rande eines offenbar für Ältere gebauten Wohnviertels mit naher Pflgeversorgung. Entsprechend ruhig dürfte die Nacht werden, wenn denn hier nicht ausgerechnet sämtliche Beatniks und Altrocker Norwegens ihren Lebensabend vebringen. Erst mal aber wollen wir noch ein bisschen was vom noch hellen Abend haben. Also, auf zum Spaziergang bergab in die Stadtmitte, die praktischerweise direkt am Meer liegt. Auch hier brauchen wir wegen der vielen verschachtelten Wohn-Stichwege ein paar Anläufe, bis wir den richtigen Pfad gefunden haben. Dafür ist alles sehr hübsch hier. Alles im weißen Holzvillen-Stil. Bis hinunter ans Wasser. Noch ein paar Infos zu Lillesand: Die kleine Stadt an der Südküste liegt, geschützt durch viele kleine Schären, unmittelbar am Skagerrak und der alten Schiffsroute Blindleia. Daher ließen sich hier im 19. Jahrhundert reiche Reeder nieder, und es gab zahlreiche Schiffswerften. Aber das war einmal. Heute kommen hier eher Freizeitkapitäne hin. Oder T-Rex-Bändiger.
Tag 7 – Freitag, 13. Juni 2025
Abfahrt: 10.25 Uhr Tachostand: 60.666 km Reichweite: 1079 km
Die Nacht war so ruhig wie erwartet. Entsprechend erholt geht es nach dem Frühstück weiter westwärts. Langsam lockt das Südkap. Zuvor machen wir aber noch ein paar Zwischenstopps. Nämlich an den Stränden von Mandal: Sjøsanden, Lillebanken und zum Schluss Kanelstranda, der die Farbe von Zimt haben soll. Naja, vielleicht mit ein bisschen Phantasie. Aber schön gelegen am Wald ist er. Allerdings muss man erst ein gutes Stück wandern, um ihn zu erreichen. Weiter geht’s nach Njervesanden zu einem schönen mittäglichen Pausenplätzchen am Spangereidvei. Mit Blick aufs Wasser. So lässt es sich mampfen. Am Nachmittag reißen wir uns los. Denn jetzt ist es nur noch ein Katzensprung bis zum südlichsten Festlandpunkt Norwegens. Eine halbe Stunde später stehen wir schon vor dem Automaten hinter dem Parkplatz am Lindesnes Fyr mit Kingsize-Womo-Abteil und füttern ihn mit 300 Kronen (rund 25 Euro) und unserem Kfz-Kennzeichen. Denn wir wollen hier auch übernachten. Das Schöne dabei: Das Parkticket gilt auch als Eintrittskarte für zwei Personen für das museale Leuchtturm-Gelände. Das wollen wir gleich mal nutzen. In der vorgelagerten Felsenhalle mit Shop, Café und Kinosaal erfahren wir an der Kasse, dass der Leuchtturm innen gerade von den ehrenamtlichen Kümmerern mit Farbe aufgefrischt wird. Aber morgen müsste alles wieder trocken und betretbar sein. Also werfen wir erst mal einen Blick ins Museum. Schön aufbereitet, mit interaktiven Elementen und mehrsprachig. An einem der Touchscreens kann man zum Beispiel das Wetter manipulieren und dem Leuchtturm mal Sonne, mal Regen, Blitz und Donner oder sogar einen reellen Schneesturm bescheren. Im Kinosaal wechseln sich diverse Infofilme und Dokumentationen zu Geschichte und Natur rund um Lindesnes ab. Aus dem Shop muss danach ein Schwung Ansichtskarten mit. An der Kasse gibt es sogar passende Lindesnes-Fyr-Briefmarken dazu. Und auch da hat man unter gleich mehreren Ausführungen die Qual der Wahl. Wer die geschriebenen Karten hier vor Ort einsteckt, sichert den Empfängern außerdem noch einen Sonderstempel. Was will man mehr? Naja, jetzt noch ein bisschen das Außengelände erkunden. Denn da gibt es noch allerlei Schauhäuschen, eine Fotoausstellung in einem Felsenbunker, den schon ikonischen Leuchtturm und eine wunderschöne Aussicht. Und weil wir davon gar nicht genug bekommen können, pilgern wir nach 20 Uhr noch mal hin. Und um Mitternacht noch mal!
Tag 8 – Samstag, 14. Juni 2025
Abfahrt: 11.16 Uhr Tachostand: 60.776 km Reichweite: 1010 km
Es windet! Ein Hauch von Nordkap am Südkap. Nach dem Frühstück werfen wir erst mal die geschriebenen Karten ein, stromern dann ein weiteres Mal treppauf zum Leuchtturm. Jaaa! Er hat geöffnet! Wir rekapitulieren: Lindesnes ist Norwegens ältestes Leuchtfeuer (ursprünglich errichtet 1656, heutiger Turm: von 1915), der südlichste Punkt Norwegens und 2518 Kilometer vom Nordkap entfernt. Außerdem trägt er das Prädikat „Nationales Leuchtturmmuseum“, ist 16 Meter hoch und bietet einen grandiosen Blick auf die Landschaft und – ja, auch hier! – ein weiteres Kapitel dunkler deutscher Geschichte. Denn hier befinden sich die Überreste eines Forts aus dem Zweiten Weltkrieg, Stichwort: Atlantikwall. Obwohl der Leuchttum heute vollautomatisch funktioniert, wird er noch täglich von den letzten beiden Leuchtturmwärtern Norwegens gewartet. Langsam müssen wir uns aber nun doch mal losreißen – und dem T-Rex neue Batterie-Ladung verschaffen. Also folgt eine längere Etappe mit Tank- und Guck-Zwischenstopp bei Flekkefjord bis nach Borrestranda. Ein bisschen hatten wir gehofft, mit dem Parkplatz ein strandnahes Nachtlager zu finden. Doch die Beschilderung ist eindeutig: Hier ist das Parken ab 20 Uhr für Wohnmobile verboten. Also machen wir nur einen kleinen Spaziergang durch die hohen Dünen zum Meer und essen einen Happen. Auch an den folgenden Strandparkplätzen blitzen wir ab. Maximal bis Mitternacht dürfte man stehen. Erst am Hålandsvatnet in Randaberg nordwestlich von Stavanger werden wir fündig. Das ist zwar nur eine Art kleiner See, aber hier darf man anscheinend über Nacht bleiben. Zwei französische Womos haben sich am Rand bereits eingemuggelt. Wir drehen eine Erkundungsrunde zu Fuß und testen die Wassertemperatur. Hui. Eher frisch. Und langsam kommen die Mücken. Aber nun bleiben wir hier.
Tag 9 – Sonntag, 15. Juni 2025
Abfahrt: 9.45 Uhr Tachostand: 61.015 km Reichweite: 1113 km
Die Sonne lacht. Sonne heißt auf Nowegisch „Sol“. Und wir wollen jetzt endlich zum Strand. Also geht’s ein Stück zurück zum Sola Beach (Solastranden), der als einer der schönsten Sandstrände Norwegens gilt, obwohl der Airport von Stavanger fast in nächster Nähe liegt. Und diesmal geht es auch wirklich hinein ins erfrischende Nass. Juhu! Die Wellen reichen zwar nicht für das erhoffte Bodyboard-Vergnügen, aber auch so ist das Wasser herrlich. Auf dem Rückweg durch die Dünen nehmen wir brav ein bisschen Fremdmüll mit. Dafür gibt es am Eingang zum Parkplatz, wo auch ein komfortables Sanitärhäuschen mit Fußdusche steht, große Sammeltonnen. Später am Nachmittag rollen wir weiter. Über Tunnel und Brücken geht es über den Hafrsfjord und von Insel zu Insel, bis wir auf Mosterøy und Klosterøy landen. Dort ist Utstein Kloster unser Ziel. Wir haben Glück: Die mittelalterliche Anlage – nebenbei die am besten erhaltene Norwegens – hat gerade noch knapp für eine halbe Stunde geöffnet. Noch mal Glück: Der freundliche Wikinger-Typ an der Kasse lässt uns so herein. Im Schnelldurchgang verschaffen wir uns dank des Plan, der er uns noch in die Hand gedrückt hat, trotzdem einen ganz guten Überblick – von der Klosterkirche über den Klosterhof und das Refektorium bis hin zum Abt-Haus mit interaktiver Ausstellung zum ersten landesweiten Gesetz Norwegens, verfügt von König Magnus VI., der deshalb den Beinamen Lagabøte erhielt. Und für einen Souvenir-Kauf im Klostershop ist auch noch Zeit. Das war mal ein effektiver Museumsbesuch. Und die Landschaft drum herum: voll die Idylle. Übernachten ist hier aber nicht drin. Zumindest schwebt uns da etwas vor, wo der T-Rex nicht ganz so im Weg ist. Dazu rollen wir über eine schmale Brücke auf das sich anschließende Inselchen Fjøløy und dort ganz bis zum Ende. Auf dem Parkplatz mit Blick auf den Fjøløy-Leuchtturm, das Meer und ein Heer von Schafen (von denen wir dann auch schnell umzingelt sind). Bäääääääh!!! Am Abend bekommen wir dann noch ein besonderes Spektakel geboten. Von der einen Seite zieht das weltweit größte Mega-Kranschiff Sleipnir vorüber, das Ölbohr-Inseln und Offshore-Windkraftanlagen installieren kann, von der anderen Seite ein Kreuzfahrtschiff. Und von hinten schubbert sich ein Schaf am T-Rex.
Tag 10 – Montag, 16. Juni 2025
Abfahrt: 13.45 Uhr Tachostand: 61.069 km Reichweite: 898 km
Wenn man an einem Montag mal ausschlafen kann, dann soll man das auch tun! Aber dann kommen wir ins Wandern: erst zum Leuchtfeuer, dann zum Fort mit einer – wie sollte es anders sein – alten deutschen Weltkriegsstellung. Alles auf schönem Naturrundpfad. Fjøløy ist echt eine kleine Perle. Aber davon warten ja noch mehr. Also fix den T-Rex klargemacht und auf zum nächsten Ziel. Dazu müssen wir Fähre fahren. Von Mortavika nach Arsvågen. Auf dieser Insel entdecken wir eine Top-Ver- und Entsorgung für Wohnmobile, auf einem Gelände direkt hinter der Bokn Kyrkje (Adresse: Kyrkjebakken/Ecke Grønnestadvegen in Føresvik). Alles ist dabei: Ablass für Grauwasser, WC-Kassetten-Ausguss und Frischwasser-Zapfhahn. Sogar an ein kleines Außen-Handwaschbecken mut Seife wurde gedacht. Und das auch noch komplett gratis. Da hat einer aber mal ein Herz für Wohnmobile gehabt! Dafür lässt das Wetter zunehmend zu wünschen übrig. Also machen wir Shoppingstation in Kopervik. Da gibt’s einen Rema-Supermarkt und unseren heißgeliebten Biltema-Auto-Bau-Indoor-und-Outdoor-Markt. So lässt sich der Regen aushalten. Später am Nachmittag ist dann auch noch der Auftakt zu unserer geplanten Karmøy-Rundfahrt drin. Drei Strand-Stippvisiten schaffen wir (Åkrehamn, Åkrasanden P1 und Åkrasanden P2), auch wenn der graue Himmel leider nicht das erhoffte Karibik-Leuchten zulässt. Dafür stehen überall kunterbunte Strandstühle, zum Teil in XXL. Auf einer Anhöhe über dem Strand Stavasanden finden wir schließlich ein prima Übernachtungsplätzchen. Und dazu voll das Meeresrauschen. Toll!
Tag 11 – Dienstag, 17. Juni 2025
Abfahrt: 12.35 Uhr Tachostand: 61.141 km Reichweite: 813 km
Regentropfen an unser Fenster klopfen… ach, wie gemütlich das klingt. Jetzt aufstehen? Och nöö! Erst gegen 11 Uhr bekommen wir Lust auf Bewegung. Da wir das Wasser praktisch vor der Nase haben, werfen wir uns erst in den Neopren-Anzug und dann ins Meer. Huiui, das kostet schon ein bisschen Überwindung, angesichts der bloß 14 Grad draußen. Aber erst mal untergetunkt, ist es gar nicht mehr so schlimm. Trotzdem belassen wir es eher beim Wellenhüpfen. Gegen Mittag sind wir soweit wieder trockengelegt, dass die Inselrundfahrt weitergehen kann. Erst mal zum kleinen Hafen und zum Seemannsdenkmal von Ferkingstad. Dann zum landschaftlich wunderhübschen Strand von Sandvesand. Einen längeren Zwischenstopp legen wir in Skudeneshavn an der Südspitze von Karmøy ein. Wir parken bequem am stillgelegten Fährhafen in der Kaigata. Von dort ist es nur noch ein kurzer Spaziergang zur Altstadt. Den Stadtpark lassen wir zunächst rechts liegen, lassen uns aber am Eingang von der „Dame im Stein“ begrüßen. Dann spazieren wir vorbei an vielen verschachtelten weißen Holzvillen, die jede für sich eine Augenweide sind. Man merkt: Die, die hier leben, sind unheimlich stolz auf ihren Ort. So liebevoll dekoriert sind Fenster und Eingänge. Und das gerade nicht der Fall ist, wird erst noch renoviert. Allerdings ist hier noch nicht Saison. Deshalb hat „Das kleinste Café der Welt“ (Verdens Minste Kafé) leider geschlossen. Stattdessen drehen wir noch eine Runde über die Mini-Insel Korneliusholmen und auf dem Rückweg eine weitere durch den Park, der fast schon ein Wald ist und einen kleinen erhöhten Ausguck auf den Ort und die vorgelagerten Inselchen bietet. Dann schicken wir den T-Rex wieder auf die Bahn, um die Insel-Rundfahrt komplettzumachen. Weitere Stopps im Südteil von Karmøy bieten sich aber nicht an. Wir rauschen daher weiter nach Norden und dann links ab nach Visnes. Dort gibt es ein Grubenmuseum, dahinter einen kleinen Parkplatz (Camping verboten). Dort machen wir ein schönes Päuschen im wieder einsetzenden Regen – mit Blick auf die Freiheitsstatue. Also nicht, dass wir von hier aus bis ganz nach Amerika gucken könnten. Auch wenn wir hier praktisch schon auf einen Zipfel Atlantik blicken. Aber: Hier steht tatsächlich eine Kleinausgabe der berühmten Kupferfigur von New York. Das hat auch seinen Grund. Denn das Kupfer stammt – tadaa! – aus der Grube von Visnes. Nachdem wir fertig pausiert und gefuttert haben, geht es wieder zurück und quer durch zum östlichen Inselende nach Avaldsnes. Dort ist die Kirche mit der Nähnadel der Jungfrau Maria unser Ziel. Erstere steht dekorativ über der Landschaft, mit aktueller Ausgrabung und Nordvegen Historiecenter gleich nebenan. Letztere ist ein langer schmaler „Hinkelstein“, der sich dicht ans Kirchengemäuer heran neigt. Wenn die Spitze die Wand berührt, geht der Sage nach die Welt unter. Zur Vorsicht hat daher irgendwer mal den obersten Teil der Felsnadel abgebrochen. So, nun brauchen wir aber mal so langsam einen Übernachtungsplatz. Wir suchen uns durch zum Lie Badeplatz, eine halbe Stunde Autofahrt weiter Richtung Nordosten nahe der E134. Schönes Plätzchen, ab 0.00 Uhr aber für Wohnmobile verboten. Also wird es diesmal wohl ein schnöder Rastplatz direkt an der Europastraße. Wir finden einen 40 Minuten später hinter Håfoss. So trist ist der dann aber gar nicht. Wir haben einen schönen Blick in ein welliges grünes Tal mit mehreren Höfen samt Kühen. Ein Gebiet, das laut Erklärtafel auch schon in der Eisenzeit landwirtschaftlich genutzt wurde.
Tag 12 – Mittwoch, 18. Juni 2025
Abfahrt: 11.10 Uhr Tachostand: 61.233 km Reichweite: 716 km
So! Nach einer erstaunlich ruhigen Rastplatz-Nacht liegen nun 61 Kilometer bis zu unserem ersten Fotostopp vor uns: dem Langfossen-Wasserfall. Der gehört mit einer Fallhöhe von 612 Metern zu den höchsten Wasserfällen der Erde. Nur 23 sind höher. Aber das ist heute ja erst der Anfang. Der nächste Wasserfall lauert nur 25 Minuten später am Wegesrand. Låtefossen ist zwar „nur“ 165 Meter hoch, dafür aber ein doppelter. Hui! Das braust und gischtet! Quer über die Fahrbahn. Wir haben Glück und ergattern die vorerst letzte lange Lücke zum Parken. Können also ausgiebig fotografieren. Kurz danach kommt es schon zu hektischem Gekurve und Geknäuel, weil immer mehr Busse, Vans, Wohnmobile und Touri-Pkws dort Halt machen wollen. Wenigstens für ein Foto. Da können einem die normalen Alltagsfahrer schon leidtun. Was müssen die einen Hals haben – oder einen Geduldsfaden in XXL. Wir erbarmen uns und machen unsere Lücke (mit freundlicher Herauswinkhilfe einer englischen Stehnachbarin) für das nächste Mobil frei. Kurz vor Odda gibt es nämlich schon einen weiteren Guckpunkt. Und der ist noch ein Geheimtipp. Wir parken bequem hinter der Brücke Vasstunbru beim Gesellschaftslokal der örtlichen Lions und gönnen uns einen etwas zugewucherten, aber durchaus schicken ersten Überblick über den Opo-Fluss samt Stadtpanorama. Dann stürzen wir uns mit dem T-Rex hinein. Jetzt nicht in die Wellen, aber ins Zentrum der heimlichen Hauptstadt am Tor zum Nationalpark Hardangervidda. Als Erstes nutzen wir die kostenlose Entsorgung am weniger kostenlosen offiziellen Wohnmobilstellplatz „Camp Lothepus“ direkt am Sørfjord, einem Nebenarm des Hardangerfjordes. Dann stellen wir uns auf den nahen Parkplatz an der Kirche. Denn wir wollen uns zwar im Ort ein bisschen umgucken, aber nicht mittenmang übernachten. Also schlendern wir los, vorbei am Denkmal für das Hardangerpferd, dem schicken Smeltehuset-Restaurant und einem lustigen Streetfood-Karren, der „Potatoes great again“ machen will, zu den Schnüster-Lädchen am Fjord und zum Netflix-Stein. Den gibt’s hier wirklich! Warum, müssen wir uns allerdings selbst erst anlesen, denn wir haben kein Netflix. Aber Internet. Und das weiß: In Odda wurde die Streamingserie „Ragnarök“ gedreht. Dort heißt der Ort aber Edda, weil in der Serie Elemente aus der nordischen Mythologie eine Rolle spielen. Und deshalb ist der Netflix-Stein auch einem Runenstein nachempfunden. Am späten Nachmittag lassen wir den T-Rex vor die nordwestlichen Tore Oddas traben. Auf dem etwas erhöht liegenden Wanderparkplatz Folgefonna mit Blick aufs Wasser richten wir unser Quartier ein. Keine Minute zu früh. Kaum kommen wir zum Stehen, fängt es an zu pladdern. Ansonsten hätte man von hier aus zur etwa sieben Kilometer entfernten Schutzhütte Holmaskjer (1565 Meter über dem Meer) wandern können. Wir belassen es beim Fjordgucken und Klönen mit deutschen Steh-Kollegen. Als später doch wieder die Sonne herauskommt, werden wir noch mit einem doppelten Regenbogen belohnt. Was für ein schönes Finale!
Tag 13 – Donnerstag, 19. Juni 2025
Abfahrt: 10.46 Uhr Tachostand: 61.332 km Reichweite: 687 km
Heute erkunden wir die Obstlandschaften und Orte am Hardangerfjord. Einen ersten Vorgeschmack (buchstäblich) bekommen wir am Rastplatz Sekse. Der ist kreisrund, klein und durch drei polnische Wohnmobile schon ordentlich voll. Doch wir können uns noch gerade so dahinterquetschen. Denn wir wollen doch mal sehen, was die kleine Hofladen-Bude am Platz zu bieten hat. Und das ist vor allem: Apfelsaft. Für uns ja genau das Richtige (freu)! Zumal die aktuelle Apfelsaison am Fjord von der Ernte noch ziemlich weit entfernt ist. Aber die Früchtchen entwickeln sich, wie man bei der Weiterfahrt entlang der Apfelgärten gut erkennen kann. Kurz darauf gelangen wir nach Lofthus, wo wir nahe des Mini-Supermarktes Bunnpris (trotz Baustelle) ziemlich gut parken können. Zu Fuß geht es durch den niedlichen Ort bis zum Hotel Ullensvang, das einen schicken Oldtimer in seinem Schaupavillon stehen hat. Auf dem Rückweg drehen wir noch eine Runde durch die Gjenbruk- und Systova „Muligheten“ (Second-Hand-Laden mit Nähstube), bekommen einen Kaffee angeboten und plauschen in einem gehörigen Mischmasch aus Englisch-Schwedisch-Norwegisch ein bisschen mit der freundlichen Besitzerin. Bis wir weiterwollen. Kurs Kinsarvik. Dort platzieren wir uns zunächst auf dem Rastplatz neben der langen Parkfläche an der Sandvikbukti und gehen dann auf Erkundung Richtung Fähranleger. Der Aushang verrät uns, dass die nächste Abfahrt nach Utne in einer guten Stunde ist. Die Route ist gratis. Ein Auto steht schon in der einzigen Fahrspur, die nahtlos an den Parkplatz anschließt. Also schnell zurück zum T-Rex und schon mal an die zweite Stelle gestellt. Die Wartezeit überbrücken wir mit einem Teepäuschen. Und dann geht es aufs Wasser. 28 Minuten dauert die kleine Hardanger-Kreuzfahrt. In Utne ist noch puppenstubiger als Kinsarvik. Keine Ahnung, wo wir den T-Rex lassen könnten, sollten wir vor dem Hardanger Folkemuseum keinen Platz finden. Wir tasten uns das finale und vor allem schmale Stück Weg den Hang hinauf und – juhu – können uns die letzte geeignete Lücke sichern. Dem Museumsbesuch (Eintritt: 120 nok/10,21 Euro pro Person) steht also nichts mehr im Wege. Und der lohnt sich wirklich! Wir fangen draußen im Freilicht-Hüttenbereich an, schwelgen in der schönen Aussicht inklusive Apfelbäumchen, erfahren einiges über das karge und doch produktive Leben Ende des 19. Jahrhunderts und errätseln die norwegischen Dichterworte am Wegesrand. Drinnen im Museum warten gleich mehrere Ausstellungen: Hardangertrachten mit kostbaren Brautkronen, Handarbeiten, Musikinstrumente (natürlich vor allem die Hardangerfiedel – mit Hörbeispielen) und Holzschnitzkunst von Lars Kinsarvik (1846-1925) im volkstümlichen Drachenstil. Das helle, aber etwas nüchterne Museumscafé reizt uns nicht, der Shop mit viel Kunsthandwerk und lokal-kulinarischen Mitbringseln umso mehr. Doch langsam fängt die Uhr an zu ticken. Wir wollen ja mit der Fähre wieder zurück. Am frühen Abend sind wir wieder in Kinsarvik und eine Stunde später am Wasserfall Tvindefossen, der von seinem felsigen Erscheinungsbild einem Karl-May-Roman entsprungen sein könnte. 2000 Meter weiter finden wir einen prima Picknickplatz zum Übernachten.
Tag 14 – Freitag, 20. Juni 2025
Abfahrt: 11.05 Uhr Tachostand: 61.438 km Reichweite: 1062 km
Wir brauchen Gas. Daher fahren wir ein Viertelstündchen zurück Richtung Voss zum gleichnamigen Gashändler (Strandavegen 169, Skulestadmo), der gestern schon geschlossen und auch die 24-Stunden-LPG-Tanke außer Betrieb hatte, weil das Zahlen per Internet Mucken macht. Diesmal aber ist unsere Gas-Mission erfolgreich. Beobachtet von einigen Gleitschirmfliegern am Himmel. Unser weiterer Weg führt an einem Touri-Hotspot vorbei, den wir so gar nicht auf dem Schirm hatten: Gudvangen am Nærøyfjord. Schon von Weitem sieht man, dass da eine grandiose Landschaft lockt. Dann schließen wir uns mal an, stellen den T-Rex am Rastplatz mit Tanke, Joker-Laden, Wikingerland, Souvenirshop und diversen Lokalen ab. Über eine geschwungene Holzbrücke geht es dichter ran an den Fjord. Dort kann man zwischen mindestens acht verschiedenen Fjordkreuzfahrt-Anbietern wählen. Wir genießen den Blick vom Ufer aus – zusammen mit Besuchern aus aller Herren Länder. Im Joker jagen wir noch frisches Wiener Bröd, dann sind wir bereit zur Weiterfahrt. Und die führt nun durch den Lærdalstunnel. Der ist mit 24,51 Kilometern der längste Straßentunnel der Welt und empfängt uns mit farbig illuminierten Abschnitten. Schon eine coole Atmosphäre, die auch ihren Sinn hat. Denn das sind die Stellen, wo man am Rand halten dürfte. Eine halbe Stunde später haben wir den nächsten Fotostopp erreicht: die Stabkirche von Borgund, erbaut um 1180. Rein kommt man aber nur mit Eintrittskarte (gute 10 Euro pro Person), die man sich vorher im Besucherzentrum holen muss. Das Besondere an Borgund: Sie gilt neben derjenigen von Heddal als besterhaltene Stabkirche mit den meisten Teilen im Originalzustand. Ein Dreiviertelstündchen Fahrt später legen wir ein Picknick-Päuschen am Wasser ein. Dazu bietet der Rastplatz am Vangsmjøse bei Vang i Valdres die passende Naturkulisse. Nun sind es noch knapp 180 Kilometer bis Lillehammer. Die schaffen wir auch noch. Am frühen Abend sind wir da. Parken erst einmal auf dem bewährten Platz an der Håkonshalle. Wir müssen doch nachsehen, was aus den ikonischen Fackelläufern von den olympischen Winterspielen 1994 geworden ist. Beim letzten Besuch wurde der Grünstreifen, auf dem sie standen, kräftig umgewühlt. Und die beiden XXL-Männchen im Stile von bronzezeitlichen Felsritzungen lagen traurig danieder. Doch jetzt – hurra! – stehen sie wieder. Und das in besserem Schick als je zuvor! Es folgt unser obligatorischer Spaziergang zu den benachbarten Sportstätten, wo irgendwie immer gerade Fußball gespielt wird. Wir genießen die Abendstimmung und parken später noch einmal um (weil man ja beim Håkon nachts nicht stehen soll). Diesmal stellen wir uns einfach an den nahen Straßenrand (Sigrid Undsets veg), weit genug weg von der nächsten Holzvilla und mit heruntergelassenen Jalousien, um keinen zu stören. God natt!
Tag 15 – Samstag, 21. Juni 2025
Abfahrt: 9.05 Uhr Tachostand: 61.820 km Reichweite: 643 km
Am nächsten Morgen klappern wir erst mal ein paar Sportgeschäfte ab. Unter anderem im Shoppingcenter Strandtorget, wo man mit dem Wohnmobil doch etwas besser stehen kann als zuvor am Einkaufszentrum Rosenlund im Stadtnorden. Nach erfolgreicher Jagd nehmen wir jetzt wieder Kurs auf Schweden. Bis dahin ist es aber noch ein Stückchen, und ohne ein paar letzte Zwischenstopps in Norwegen soll es auch nicht abgehen. Der erste steht kurz vor Magnor auf der Liste. Und zwar mitten im Wald. Dort steht „The Plus“, eine Möbelproduktionsstätte in Plus-Form. Das Unternehmen Vestre ließ sie 2022 dort errichten – als nachhaltigste Möbelfabrik der Welt. Denn eigentlich sollte dort ein riesiges Gewerbegebiet entstehen, was das Ende des Kiefernwaldes bedeutet hätte. Aber wer Spezialist für innovative Draußen-Stadtmöbel ist, weiß so etwas zu verhindern. Und so fügt sich das Gebäude jetzt wie selbstverständlich in die 30 Hektar Wald ein, in dem verschiedene Spazierpfade zu künstlerischen Installationen, teils basierend auf den eigenen Outdoor-Möbeln, und zu Tafeln mit Gedichten von Hans Børli führen. Zu bestimmten Zeiten kann man wohl als Besucher auch ins Gebäude. Jetzt ist gerade geschlossen. Doch durch die großen Glasfenster kann man auch von außen in die einzelnen Fabrikationsabteilungen gucken. Und zwei große Außentreppen – eine vorne, eine hinten – führen hinauf aufs Dach. Und das rund um die Uhr. Da gehen wir doch gleich mal gucken. Oben wartet nicht nur ein grüner Rundumblick auf Baumwipfelhöhe, sondern eine schicke Terrasse mit Vestre-Möbeln zum Ausspannen, einer keinen Eistruhe zum Selbstbedienen und der höchsten Wendelrutsche Norwegens (wenn man nicht zu Fuß wieder hinunter will und eine schützende Matte für den Popo dabei hat). Apropos hinunter. Eine weitere Treppe (ebenfalls „wendelnd“) führt in der Plus-Mitte in einen kleinen Innenhof. Echt schön gemacht! Hier kann man es aushalten. Ein bisschen wollen wir aber noch durch den Wald. Und eine weitere „Grenzerfahrung“ wartet auch noch. Die erleben wir in Morokulien, einem sechs Hektar großen Gelände beidseits der norwegisch-schwedischen Grenze – deklariert als skandinavische Friedensrepublik. Ein eigenständiger Zwergstaat ist Morokulien aber nicht. Seinen Namen erhielt der Peace Park, der sich rund um das Friedensmonument von 1914 erstreckt, im Jahr 1959. Er setzt sich zusammen aus dem norwegischen Wort „moro“ für Spaß und seinem schwedischen Pendant „kul“. Heute gibt es hier einen schönen schattigen Rastplatz, einen Campingplatz, eine Amateurfunk-Hütte (leider heute zu), Kapelle, Infozentrum, und die kürzeste Brücke der Welt. Mit einem Bein in Norwegen und dem anderen schon in Schweden traben wir zurück zum Womo. Denn in Charlottenberg (Schweden) wollen wir beim Biltema noch Köttbullar essen, bevor die dort die Schotten für die samstäglichen Mittsommer-Nachfeiern dichtmachen. So, fertig gespachtelt! Jetzt hoffen wir mal, dass wir an „unserem“ See (eigentlich eine Bucht) vom letzten Mal in Arvika noch einen wassernahen Platz bekommen. Der Gratis-Stellplatz (ohne alles) war da nämlich gerade von Norwegern gut besucht. Und jetzt am Wochenende… Tatsächlich ist ganz schön viel los am Zielort. Wir stellen uns also erst mal auf einen der auch schon schwindenden Plätze Richtung Straße (Spårgatan) und setzen schon mal ein Tee auf. Wenig später bricht eines der Ufer-Womos seine Zelte ab und macht eine Lücke für uns frei. Juhu!
Tag 16 – Sonntag, 22. Juni 2025
Abfahrt: 11.56 Uhr Tachostand: 62.084 km Reichweite: 586 km
Heute lassen wir es langsam angehen. Ob wir uns kurz vor dem Mittag mal ins Wasser wagen? Um das zu klären, rollen wir ein Stückchen weiter in den Süden der Bucht. Nach Ingestrand. Dort finden vor allem Familien ein kleines Freizeitparadies vor, mit schattigen Liegeplätzen, WC- und Duschhäuschen, Disc- und Minigolf. Letzteres kombiniert mit Goldschürfen, Eiscafé-Vergnügen und Hamburger-Bräterei. Wir gucken eine Weile zu, ziehen dann aber weiter. Kurs Süden. Am Rastplatz Norsälven bei Kil finden wir eine Entsorgungshütte und gleich gegenüber den größten Spaten der Welt. Irgend wodurch muss man ja auffallen! Nach Tank- und Shoppingstopp beim ICA Kvantum in Säffle beginnen wir am späteren Nachmittag nahe Uddevalla mit der Quartierssuche, blitzen aber sowohl am Kleinboothafen Rödön/Lindesnäs (kostenpflichtig) und am Parkplatz von Landbadet (Womos unerwünscht) ab. Am nächsten Womo-Stellplatz Bodele gleich um die Ecke ist es uns zu „sardinig“ fürs bezahlte Stehen. Ein vierter Versuch führt nach Ljungskile, eine Viertelstunde weiter südlich. Der Parkplatz im Grünen am Ulvesundsvägen ist allerdings doch etwas winzig fürs T-Rex-Kaliber. Und dazu noch etwas zu sehr auf dem Präsentierteller, von der nahen Neubausiedlung aus gesehen. Also kurven wir ein Stück zurück und platzieren uns auf dem erstaunlich geschützt und ruhig liegenden Rastplatz von Ljungskile, wo es am anderen Ende auch noch eine „Laxbutik“ und ein Eiscafé gibt. Pünktlich zum Feierabend fängt es an zu regnen. Wie schön, dass unser Womo so gemütlich ist.
Tag 17 – Montag, 23. Juni 2025
Abfahrt: 11.10 Uhr Tachostand: 62.348 km Reichweite: 876 km
Wo wir schon mal in der Gegend sind, wollen wir noch einmal Gratisfähre nach Lysekil fahren. So wie schon bei unserer allerersten Wohnmobil-Tour 2014. Damals noch mit dem Mietmobil und der alten Spiegelreflex-Kamera. Die Erinnerungen an diese Reise gibt es also nur auf Papier (sprich: im guten alten Fotoalbum). Und auch in Lysekil selbst hat sich ein bisschen was verändert. Dort wurde nämlich inzwischen ehrenamtlich von einem Verein die Västerhavspromenade gebaut. Ein ganz toller Spazierpfad aus Holz im Nordwesten Lysekils – direkt auf und an der Felsküste mit Sitzbuchten und Sprungturm, mit Schautafeln zu Flora und Fauna und mit tollen Ausblicken aufs Meer. Da waren teilweise echte Künstler am Werke. Am besten findet man, wenn man das Womo auf dem kostenlosen Parkplatz Lilla Långevik och Ålevik an der Norra Hamngatan lässt. So denn eine geeignete Lücke frei ist. Wir haben (mal wieder) Glück gehabt. Jippieh! Am frühen Nachmittag bringt uns „Neptunus“ – so der Name unserer gelben Gratisfähre – über Gullmarn (Schwedens einziger Fjord) zurück nach Skår. Von dort nehmen wir wieder Kurs auf die E6 und auf dieser schnurstracks nach Süden. So lange, bis uns die hohen Antennen der historischen Radiostation Grimeton bei Varberg von der Autobahn locken. Der Längstwellensender wurde 1924 errichtet und ist seit 2007 Welterbe der Unesco. Für Wohnmobile gibt es inzwischen einen eigenes Parkabteil. Wer hier übernachten will, zahlt 100 Kronen (19 bis 8 Uhr – Internet-Payment). Wir wollen nur mal gucken, aber leider sind wir außerhalb der Öffnungszeiten da. Anzuschauen gibt es trotzdem was: unter anderem das gerade im Bau befindliche neue Welterbezentrum (Eröffnung im Sommer 2025). Aber auch den einen oder anderen Blick durchs Fenster der historischen Gebäude erhaschen wir. Schon fertiggestellt ist der neue Abenteuerspielplatz, der natürlich auch mit Spielereien für Mini-Funker aufwartet. Und umgeben von platter, aber schön grüner Landschaft. Da müssen wir wohl noch mal herkommen, wenn alles fertig ist. Unser Nachtquartier wollen wir jetzt aber ein Stückchen weiter südlich aufschlagen. Am Rande von Falkenberg, wo das Textilwarengeschäft Engelsons einen großen Wohnmobil-Parkplatz eingerichtet hat. Der ist erstaunlicherweise schon ziemlich belegt. Aber der Platz ist groß genug. Ein paar Minuten hat der Laden nich geöffnet. Also fix hineingehuscht und einen Katalog besorgt. Zum Vorgucken für morgen.
Tag 18 – Dienstag, 24. Juni 2025
Abfahrt: 12.05 Uhr Tachostand: 62.618 km Reichweite: 570 km
Auf, auf, zum fröhlichen Jagen! Mit unserem Einkaufszettel im Anschlag geht es hinein in den Sport- und Outdoor-Modetempel. Das braucht seine Zeit. Auch, weil wir bei Weitem nicht die einzigen hier sind. Doch irgendwann haben wir alles Gewünschte beisammen oder zumindest anprobiert. Die Einkäufe verstaut, und dann geht’s weiter Richtung Skrea Strand. Unterwegs passieren wir die Falcon-Alkoholfrei-Arena (das ist doch mal ein Statement!). Auf dem Parkplatz davor, an der Kristineslättsallén, stehen einige Wohnmobile. Könnte also mal eine künftige Übernachtungsplatz-Alternative sein. Wenn denn gerade kein Fußballspiel stattfindet. Oder Eishockey. Denn die Eishalle liegt gleich gegenüber. Uns gelüstet es jetzt aber nach Meerluft. Also weiter zum Klittervägen, der parallel zu den Dünen und etwa zwei Kilometer feinstem Sandstrand verläuft. Hier gibt es viele Randplätze, die meisten aber für Womos eher nicht geeignet. Also fahren wir einmal durch bis zum Ende, wo ein roter Londoner Doppeldecker-Bus Aufstellung genommen hat, um Fish und Chips zu verkaufen. Baked Potatoes gibt’s auch. Hunger haben wir aber noch nicht. Wir wollen ans Meer. Also stellen wir uns quer auf dur kurzen Parkplätze. So, wie man es eigentlich nicht soll. Doch hier am Hundestrand ist ja gerade nicht viel los. Also sollte ein kleiner Strandspaziergang drin sein. Jou! Ganz schön sandig. So, dass es zwischen den Zähnen knirscht. Aber wir wollten es ja so. Doch auch das schönste Knirschen muss einmal ein Ende haben. Vor allem, weil der T-Rex eine Entleerung auf der einen Seite und eine neue Füllung auf der anderen braucht. An der Raststätte Snapparp Väst finden wir das nötige „Latrintömning“-Abteil, an der Circle-K-Tankstelle die nun noch fehlende Wasserzapfstelle. Mit unseren Gardena-Adaptern kommen wir allerdings nicht zum Zuge. Aber wir haben ja diesmal extra eine brandneue Gießkanne mitgenommen. So: Und wer Snapparp sagt, der muss auch Laholm sagen oder besser: Mellbystrand, das hauseigene Strandparadies am Meer. Wobei das mit dem Paradies offenbar jetzt nur noch Besuchern ohne motorisierten Untersatz zugute kommt. Das Befahren der weiten Sandflächen mit dem Auto oder Wohnmobil wurde inzwischen von höchst umweltbehördlicher Stelle untersagt. Was gar nicht im Sinne der Kommune war, weil die dadurch jahrzehntelang ein touristisches Alleinstellungsmerkmal hatte. Aber natürlich fällt so etwas heutzutage aus der Zeit und ist nun mal besser für die schöne Natur. Deshalb freuen wir uns, dass wir vorher noch ein paar mal von der früheren Regelung profitieren konnten und stellen uns zunächst probehalber auf den brandneuen Womo-Stellstreifen in dritter Reihe ohne Meerblick (Södra Strandvägen/Kolonivägen). Denn den Spaziergang hier am Wasser gönnen wir uns trotzdem. Wollten wir auf dem neuen Platz übernachten, müssten wir für zwölf Stunden 120 Kronen zahlen, für 24 Stunden 240 Kronen. Preislich okay, aber wir haben da noch ein anderes Plätzchen im Sinn. Ein Stückchen weiter zurück Richtung Norden gibt es noch ein paar versteckte kleine Parkplätze direkt an der Düne. Nicht auf allen darf man über Nacht stehen. Wegen der Anwohner. Aber wenn man sucht, findet man doch noch was.
Tag 19 – Mittwoch, 25. Juni 2025
Abfahrt: 7.20 Uhr Tachostand: 62.690 km Reichweite: 498 km
Die Heimat ruft. Im Brännborn-Einkaufszentrum in Ängelholm legen wir einen letzten Einkaufsstopp für kulinarische Mitbringsel ein. Dort gibt es auch ein großes gläsernes Salatzucht-Labor zu bewundern. In dieser Größe haben wir so etwas auch noch nicht gesehen. Auf dem Rastplatz Erikslund (immer noch bei Ängelholm) legen wir eine Frühstückspause ein. Gut, dass wir hier nicht übernachten wollten. Zu eng und ungemütlich. Nach dem Mümmeln heißt es nun fahr’n-fahr’n-fahr’n auf der Autobahn. In Dänemark darf der T-Rex auf dem Rastplatz Karlslunde noch mal Ballast (Grau- und Schwarzwasser) abwerfen. Dann geht es weiter stramm Richtung Deutschland. Am Nachmittag noch ein Essensstopp an der A7. Am Abend sind wir wieder zu Hause.
