2020 Mai – Kleine Corona Tour

Corona-Tour an die Weser

Statistik:
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Womo T334
Tage: 4 (vom 19. Mai bis 22. Mai 2020)
Kilometer: 525 km
Tanken: etwas mehr als 60 L
Fahrzeit: 6,5 Stunden "on the Road"
Gasverbrauch: ca. 12 L
Parkgebühren: 0,00 Euro
Gesamt-Ausgaben: --- Euro

Vorwort:

Fällt coronabedingt diesmal aus 😉

 

Tag 1 – 19. Mai:
Nachdem uns die Corona-Pandemie einen Strich durch die ursprünglich geplante Mai-Tour durch Schweden gemacht hat, dann aber zumindest erste Lockerungen in Niedersachsen und NRW eine Minifahrt ermöglichen, lassen wir in der letzten Woche unseres Urlaubs den T-Rex doch noch aus dem Stall. Wir starten gemütlich gegen 14 Uhr Richtung Sande, um bei unserem Wohnmobil-Händler Wasser zu fassen und die Kassetten-Toilette zu präparieren. Weiter geht’s auf die A 29 -grobe Richtung Weser.

 

Um 16.15 Uhr rollen wir auf den hinteren Parkplatz am Wolfscenter Dörverden. Das hat am Dienstag geschlossen, aber bei einem ersten kleinen Erkundungsgang sehen wir durch mehrere Gitterzäune in der Ferne schon mal zwei weiße Wölfe faul auf einem kleinen Hügel liegen. Tierisches gibt es auch gleich nebenan – in Lorenzos Land – zu sehen. Dort mampfen gerade fünf bis sechs Alpakas in einträchtiger Runde an der Futterstelle. Zwei weitere traben dicht am Zaun vorbei Richtung Gemeinschaftstrog. Das erinnert uns daran, dass ja auch gerade beste Teezeit ist. Also erst mal zurück zum Womo, einen Pott Tee aufgebrüht und dazu eine Portion Butterbrote verspachtelt.

 

 

Danach ist ein zweiter Spaziergang fällig. Auf der einen Seite lockt ein Waldstück, auf der anderen ein ehemaliges, aber inzwischen wieder wildes Kasernengelände, auf dem bis auf eine Firma noch keine weitere Gewerbeansiedlung stattgefunden hat. Das Gelände versprüht einen ordentlichen Hauch von asphaltierter Lüneburger Heide. Allerdings wächst hier kein Heidekraut, stattdessen blüht der Ginster gelb vor sich hin. Nach einigen Kurven und Abzweigungen auf dem nach und nach wieder verwucherten Areal stoßen wir auf Wohnmobilisten aus dem Hochtaunuskreis, die sich dort ein ruhiges Fleckchen gesucht haben, um ihre drei betagten und ganz schön wolligen Huskys frei laufen lassen zu können, ohne die Wölfe zu irritieren. Wobei die Huskys lieber gerade kreuz und quer auf dem Weg herumliegen. Nach einem netten Schwatz (mit Herrchen und Frauchen – nicht mit den Huskys / und natürlich mit Corona-Abstand) schlendern wir zurück zum T-Rex.

Dort hat eine alleinreisende Camper-Fahrerin aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis (mit Wachhund im Gefährt) Klön-Bedarf. Wir erfahren, dass sie und einige der anderen Mobile (zwei, drei stehen außer uns noch dort) schon ein paar Tage hier stehen und man abends durchaus mit einem Wolfgeheul-Konzert rechnen darf. Wie aufs Stichwort kommt Husky-Frauchen mit den drei Wollis an uns vorbei, platziert sich am Eingang zu den Gehegen und stimmt einen Wolfsgesang an, den die Huskys aufnehmen und dadurch wiederum einen Wolf nach dem anderen im dahinter liegenden Waldgebiet in Gang setzen. Was für ein Hörerlebnis. Später am Abend wiederholt sich das Konzert noch einmal, klingt ein bisschen wie Sirenen-Geheul, aber mehrstimmig. Mit diesem speziellen Natur-Feeling fallen wir in die Koje.

 

 

Tag 2 – 20. Mai:
Der neue Tag beginnt, wie der alte geendet hat – mit Wolfsgeheul. Gegen 6.30 Uhr erklingt die erste Runde, dazu gibt es ein Vogelzwitschern aus dem Wäldchen, wie wir es so laut lange nicht mehr gehört haben. Wir bleiben liegen und genießen, dösen wieder ein und bekommen zwei Stunden später noch eine Zugabe. Um 9.30 Uhr geht es dann aber raus aus den Federn. Müsli-Frühstück (ohne Wölfe, dafür mit Blick durchs Fenster auf die zurückgekehrten Huskys). Dann zieht es uns mit dem T-Rex weiter.

 

Um 11.50 Uhr erreichen wir den offiziellen Wohnmobilstellplatz in Petershagen (schon Nordrhein-Westfalen, aber trotzdem an der Weser). Dieser befindet sich am Sportplatz und ist schon gut gefüllt (immerhin nähert sich das lange Himmelfahrts-Wochenende, und wer schlau ist und frei hat, fährt schon einen Tag vorher los). Für zehn Mobile gibt es gepflasterte Plätze, neun sind belegt. Der einzige frei liegt aber versteckt in der Ecke, also stellen wir uns auf den freien Sandplatz vor dem Pflasterbereich (schließlich ist der gesamte Platz mit einem P für Wohnmobile beschildert). Fast umgehend machen wir uns danach zu Fuß auf den Weg in die nahe Innenstadt. Vor dem Alten Amtsgericht findet gerade ein Hochzeitsspalier statt, die Standesbeamtin schließt schon ab. Sie fangen wir ab, um uns nach der Touristen-Information zu erkundigen. Sie lotst uns mit zum nahegelegenen Rathaus. Dort erhalten wir am Empfangsschalter eine Petershagen-Tasche mit tüchtig Info-Material darin – im Gegenzug erhält die Mitarbeiterin von uns Auskunft über die gute Belegung des Womo-Platzes.

Auf dem Rathaus-Vorplatz, der mit lustigen bunten Figuren (darunter Frau Peters und Herr Hagen) bevölkert ist, nehmen wir Platz und studieren Pläne und Broschüren. Am Ende „gewinnt“ das Faltblatt „Stadtrundgang“. Wir fangen gleich bei Punkt 3 der Empfehlungen an: dem Weserrenaissance-Schloss. Der innere Hof ist allerdings mit einer Bake verstellt – offenbar aber nicht wegen Corona, sondern weil das Schloss aktuell gar kein Hotel/Restaurant mehr ist, obwohl noch so im Faltblatt vermerkt. Wir interpretieren das mal als Zufahrtsverbot für Autos und schlendern eine kurze Runde über den Schlosshof. Danach steuern wir die kleine Fachwerk-Altstadt an, landen in der Bäckerei Bertermann in der Hauptstraße und decken uns mit einer Platte Apfel-Butterkuchen und einer Aachener Apfeltarte ein. Dazu kommt noch ein „Newcomer“-Baguette (bestrichen mit Salz-Pfeffer-Öl).

Damit wir über den morgigen Himmelfahrtstag mit allem Notwendigen eingedeckt sind, zieht es uns im Anschluss in den örtlichen und sehr gut sortierten Edeka-Laden nahe der Storchen-Skulptur auf dem Straßenrondell (Petershagen bezeichnet sich als Storchenstadt). Dann machen wir den Rundkurs um den Sportplatz komplett und erreichen „von hinten“ wieder den Womo-Stellplatz. Kurze Mümmel-Pause (das Baguette), dann noch einmal Blick ins Info-Material – und auf geht’s zum Spaziergang Nummer zwei.

Erneut streben wir zum Alten Amtsgericht, um es hochzeitfrei zu fotografieren – und entdecken dabei ein belegtes Storchennest auf dem Dach des direkt angrenzenden ehemaligen Gefängnisses. Dieses ist heute Unterkunft für Radtouristen („Rast im Knast“), Gaststätte und Kulturzentrum in Einem, steht wegen Corona aber derzeit zur Einkehr nicht zur Verfügung. Wir mäandern weiter zur Weser und zum alten Fähranleger mit „Aussicht“ auf das Eon-Kohlekraftwerk und ein paar alte Weser-Höfe. Wir legen eine Sitzpause ein, während unzählige Schwalben kreuz und quer über uns hinweg düsen und ein Einheimischer sein kleines Motorboot „Hauki“ zu Wasser lässt (für eine Vatertagstour mit Freunden und schwimmender Übernachtung auf der Weser, wie er uns erzählt). Ein Plausch mit einem älteren Gassi-Geher ist auch noch drin, dann schlängeln wir weiter entlang der Weser mit Abzweig zur Mühle mit Holzofen und schickem, aber Corona-bedingt leerem Festgelände am Weser-Radweg.

Zurück am Stellplatz, muss der Tee-Durst gestillt und der Apfel-Butterkuchen verspeist werden. Nach einer Ruhestunde nutzen wir das anhaltend gute Wetter, holen die Stühle raus, lesen und beobachten die nahe Sportplatz-Natur (turnende Meisen, hoppelnde Amseln, ein grasendes Kaninchen und kauende Rindviecher auf dem Nebenfeld). Dann ruft der Hunger und verlangt nach einer Chili-con-Carne-Zubereitung mit Reis.

 

 

Tag 3 – 21. Mai:
Gegen vier Uhr weckt uns überraschend lauter Vogelgesang, obwohl hier gar kein Wolfswald in der Nähe ist. Kurze Wachphase gegen 6 Uhr – das Konzert ist weiter in vollem Gange. Ab 8 Uhr: langsames Wachwerden. Nach dem Frühstück Abfahrt gegen 10.25 Uhr. Das Ziel lautet Rinteln, aber unterwegs sehen wir das Kaiser-Wilhelm-Denkmal von Porta Westfalica idyllisch am Berg kleben. Spontan entscheiden wir uns zu einer Routen-Ergänzung. Wir kurven bis zum letzten Parkplatz hoch, wo es tatsächlich zwei Stellflächen für Wohnmobile gibt. Ankunft am Zwischenziel: 10.51 Uhr.

Wir drehen noch schnell das dazugehörige Schild richtig herum – denn sonst müsste man nach „behördlicher Anweisung“ auf dem Kopf parken. Dann fix zum Parkautomaten. Der gibt laut Anzeige gerade kein Wechselgeld deshalb ist das Parken (Tagespauschale sonst fünf Euro) kostenfrei. Wir freuen uns und spazierwandern zum Denkmal mit wunderschöner Panorama-Aussicht auf das nördliche Weserbergland. Bis ganz nach oben aufs Denkmal sind es 97 Stufen. Neu ist, dass es im Plateau darunter jetzt ein Restaurant und davor ein kleines Infozentrum gibt. Letzteres hat aber corona-zu.

Nachdem wir aus dem Quetschmünzen-Automaten alles herausgequetscht haben, was geht, reißen wir uns vom Panorama wieder los und setzen unseren Weg (Abfahrt: 11.45 Uhr) fort Richtung Rinteln. Doch unser favorisierter Platz auf dem Weser-Anger ist bereits um kurz nach 12 Uhr für Neuankömmlinge gesperrt. Für uns ist auf dem halb belegten Gelände (was infolge der Corona-Bestimmungen schon die Oberkante ist) kein Platz mehr. Auch hätte die Übernachtung neuerdings zehn Euro gekostet (letztes Jahr war die laut unserem Bordatlas 2019 noch gratis), weil der Betreiber gewechselt hat. So erzählt es uns die nette Dame, die uns an der Zufahrt abgefangen hat und wohl vom örtlichen Touri-Büro sein muss. Jedenfalls gibt sie routiniert Auskunft und nennt uns zwei weitere Steh-Alternativen auf nahen Parkplätzen (einmal auf der gleichen Weserufer-Seite unter der Brücke, einmal auf der anderen Seite auf dem Randparkplatz am Sportplatz (aber auch mit Blick zur Weser). Da wir den Abzweig zur Alternative 1 prompt verpassen, steuern wir Alternative 2 an – und finden eine letzte geeignete Lücke, in der wir längs und mit dem Heck an einer baumfreien Stelle über der Wiese stehen können. Der Parkplatz ist kostenlos und liegt trotz Hauptstraßennähe schön im Grünen.

Der Blick auf die andere Uferseite zeigt uns: guuuute Wahl! Unter der Brücke scheinen sich die Fahrzeuge auf dem Asphalt schon zu ballen, und gleich nebenan sorgt die Beachbar mit aufgeschüttetem Sand und Liegestuhl-Feld doch für mehr Trubel als unser lauschiger Ausflügler-Parkplatz. Wir richten uns vorläufig mal ein, rühren Götterspeise für später an und stromern gegen 13.20 Uhr los, entlang der Weser zur historischen Altstadt. Überall schön viel Fachwerk und sonstiges altes Gemäuer, ein Mehrgenerationenplatz und verwunschene Ecken säumen unseren Weg. Dann biegen wir in die zentrale Fußgängerzone ein und gönnen uns einen eisigen Zwischenimbiss vom „Kugelparadies“. Gegen 15 Uhr sind wir wieder am Womo und legen uns eine Stunde aufs Ohr. So warmes Wetter sind wir Küstenmenschen einfach nicht mehr gewohnt 🙂 …

Danach entscheiden wir uns, unseren T-Rex doch noch einmal zu versetzen. Der nahe Sportplatz (Am Steinanger) verfügt nämlich über einen großflächigeren Parkplatz, auf dem wir uns so platzieren können, dass wir trotz der hohen Bäume rundherum Satelliten-Empfang haben (für abends ja mal ganz nett). Außerdem weihen wir unsere (extra neu angeschaffte zweite WC-Kassette ein, sprich: bereiten sie für die erste Nutzung vor. Die originale ist nämlich voll und eine Entsorgung nicht so schnell in Reichweite (wenn wir nicht wieder zurück zum gesperrten Stellplatz mit Münzautomaten-System wollen). Dank unseres festeingebauten Gastanks ist für die volle Kassette ja jetzt Platz im Gasflaschen-Schapp.

Zur besten Teatime gibt es – Überraschung – Tee inklusive genüsslicher Verknusperung der Aachener Apfeltarte aus Petershagen (immer noch saftig und LECKER!). Anschließend erkunden wir ausgiebig die angrenzende Siedlung mit Park am Stadtgraben. Danach ist Küchen-Zeit: Vanillesoße für die Götterspeise wird gerührt, Gurkensalat geraspelt, Chili aufgewärmt und alles serviert, dazu läuft Pippi Langstrumpf im Fernsehen – für ein bisschen Schweden-Ersatzflair. Dann quizzen wir, bis wir müde in die Heia fallen.

 

 

Tag 4 – 22. Mai:
Ausgeruht beginnt unser Tag diesmal schon gegen 7.45 Uhr. Das Wetter ist zwar noch nicht wieder so knalleblau wie gestern, aber trotzdem gut. Wir lassen uns Zeit für Morgenwäsche und Rührei-Frühstück. Zwei Stunden später geht es auf die Bahn Richtung Heimat – allerdings nicht ohne einen Abzweig nach Bad Oeynhausen/Löhne zum ehemaligen Landesgartenschau-Gelände. Dieses firmiert heute als Aqua-Magica-Park. Gegen 10.20 Uhr kommen wir dort an (Bültestraße). Weil über dem eigentlich vorgesehenen Parkplatz eine blöde Höhenbegrenzungslatte liegt (und wir nicht ganz sicher sind, ob  wir doch noch gerade so unterdurch passen), kurven wir erst ein bisschen weiter, um uns dann nahe des Eingangs einfach beim Vorplatz an den Rand zu stellen. Aber nur, weil es nicht so aussah, als würde der Park an diesem Vormittag noch von Besuchern überschwemmt werden. Wir latschen erst einmal zum Extra-Eingang für den Wasserkrater (mit Hochseilgarten gleich gegenüber). Dieser Teil sollte eigentlich einen geringen Eintritt kosten, doch Kassenhäuschen/Kiosk sind verrammelt und verriegelt, das Gelände aber zugänglich. Ein paar Leute gehen weiter entfernt spazieren, also wagen wir uns auch hinein und gucken uns den verschlossenen Krater zumindest von außen an. Normal ist er begehbar und wartet mit Klang- und Licht-Installationen auf. Wir schlendern weiter zu den Seerosen- und Wasserspielteichen, erfahren von einem einheimischen Ehepaar mit Hund, dass der Park corona-bedingt in diesem Jahr noch gar nicht wieder für die Saison eröffnet war.

Wir machen die Runde komplett, wechseln die Straßenseite und schauen uns den übrigen, noch viel weitläufigeren Teil des Parks an, dessen einstige Schaubeete einen ziemlich verwucherten Eindruck machen. Aber die Spielplätze sind durch Mini-Kinderbetreuungsgruppen und ein paar Familien in Beschlag genommen. Es gibt nette, teils verschlungene Spazierwege, ein unter der Woche geschlossenes Wintergarten-Café und eine kleine Hängeseilbrücke.

Eine Stunde später sitzen wir wieder im T-Rex und sind gut zwei Stunden später wieder zu Hause an der Nordsee.

 

2019 Oktober / November – Zoo Osnabrück

Unsere Fahrt „2019 Oktober“ –  Zoo Osnabrück

Statistik:
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Womo T334
Tage: 3 (vom 31.10.2019 bis 02.11.2019)
Kilometer: 0000 KM 
Tanken: 000 Liter = 000 € 
Fahrzeit: 00,00 h
Gas:  00 Liter (00,00 Euro) 
Parkgebühren: -- / Standgebühren: 00,00 Euro

Gesamt-Ausgaben: 000,00 Euro

Quizfrage: Was fängt man mit einem langen Feiertagswochenende an? Antwort: Man unternimmt einen Kurztrip mit dem Wohnmobil!

Tag 1 – 31. Oktober 2019
Von Wilhelmshaven nach Hagen a. T. W.

Gesagt getan. Der Reformationstag ist da, unser T-Rex ist gesattelt. Los geht’s Richtung Osnabrücker Land. Wir haben uns vorher natürlich schon einen Stellplatz ausgeguckt. Der liegt ein Stücken südlich von Osnabrück, in Hagen am Teutoburger Wald. Am frühen Nachmittag (wir sind erst mittags losgekommen) rollen wir auf dem Platz am Kirschlehrpfad ein und stellen erfreut fest, dass außer uns bisher nur ein Wohnmobil dort Aufstellung genommen hat. Ein Plätzchen hier in naturschöner Lage ist uns also sicher.

 

Lustiges Schild am Stellplatz mit eigentlich traurigem Hintergrund
Herbststimmung im Teutoburger Wald

 

Nachdem wir uns zurechtgemuggelt haben, ist ein Spaziergang fällig. Ein netter älterer Herr, der gerade mit dem Fahrrad auf dem Platz vorbei schaut, empfiehlt uns eine Runde durch das nahe Wäldchen und den Ort. Und so machen wir es auch…

Nach einer knappen Stunde Gehen, haben wir uns einen heißen Kakao aus der Bordküche verdient. Und dann: einfach Entspannen mit einem guten Schmöker, DVD und Co. Der nächste Tag kann kommen.

 

Tag 2 – 1. November 2019
Von Hagen a. T. W. nach Osnabrück – und zurück nach Hagen.

Nach dem Frühstück starten wir durch nach Osnabrück. Nicht ganz eine Viertelstunde später treffen wir auf dem Zoo-Parkplatz ein. Der Ordner weist uns den richtigen Abzweig zu jenem Platzbereich, auf dem auch Wohnmobile stehen können. Dann sind es nur noch zwei, drei Minuten zu Fuß bis zum Zoo-Eingang. Wir bekommen 30 Prozent Anfahrtsrabatt (gegen Nennung unserer Postleitzahl) und entern die Tierwelt.

Zuerst mäandern wir durch den Unterirdischen Zoo, dessen Gänge schon ganz halloween-like von Spinnen, Gespenstern und Geisterfäden durchzogen sind. Am besten gefallen uns aber die (echten) Flattermänner: die nicht mal handtellergroßen Spitzmaus-Langzüngler-Fledermäuse, die im hinteren Bereich eine eigene Grotte mit Mondscheinlicht für ihre Luftakrobatik zur Verfügung haben.

Irgendwann müssen wir uns aber dann doch losreißen. Unser Zoobesuch hat ja schließlich erst angefangen. Vorbei an der Insel der Klammeraffen geht es zunächst einmal den Ohren  nach. Da brüllen doch die Löwen? Tasächlich scheinen die gerade auf ihr Futter zu warten. Eine Löwin „klopft“ schon am Schieber an… Die anderen tigern (hmm…) auch schon etwas unruhig umher. Aber die Zubereitung in der Futterküche hinter dem Freigelände dauert wohl noch eine Weile. Deshalb stromern wir weiter. Erneut nach Gehör.

 

Wahrscheinlich hat sie Hunger wie ein Löwe

 

Diesmal sind es witzigerweise die wässrigen Verwandten, die ordentlich Laut geben: die Seelöwen. Die bekommen gerade auch wirklich etwas in den Magen, müssen dafür aber auch ein paar Runden durchs Becken toben. Von der Tribüne aus lässt sich das prima und bequem mitverfolgen.

Wir schlappen weiter Richtung Affen- und Tigertempel. Zu Fuß nach Angkor Wat – das geht wohl nur in Osnabrück… Die Orang-Utans machen sich zwar im Moment etwas rar, lassen sich dann aber doch mal kurz draußen blicken. Immerhin. Es ist eben heute ein regnerisch-kalter Novembertag…

 

In Osnabrück kann man zu Fuß nach Angkor Wat gehen

 

Jetzt packen wir aber doch mal den Lageplan aus, den wir an der Kasse bekommen – mitsamt eines Faltblattes, in dem die Fütterungs- und Erklärzeiten aufgeführt sind. Davon gibt es eine ganze Menge. Da wir keine besonderen Vorlieben haben, gehen wir ab jetzt den nummerierten Pfaden nach und nehmen die Fütterungen, wie sie kommen. Dabei begegnen wir immer wieder auch einigen tierischen Leuchtfiguren, die eigentlich erst abends erst – im Rahmen der „Zoo-Lights“ – leuchten sollen. Aber (wieder) die Löwen tanzen etwas aus der Reihe.

 

Da leuchten die Löwen

 

Zunächst stoppt uns aber ein kleiner „Baumwipfelpfad“ über unseren Köpfen, der offenbar nicht für Menschen gedacht ist. Drei niedliche Augenpaare auf einer Baum-Plattform bestätigen unseren Verdacht: Hier tanzen die Nasenbären den Besuchern auf den Köpfen herum – allerdings nicht bei diesem Wetter. Da kuschelt man sich besser zusammen und reckt nur ab und zu die namensgebende Schnuppernase in die Luft.

 

Ihr seid vielleicht so Nasenbären!

 

Auf der Takamanda-Anlage – die etwas abgetrennt vom Hauptgelände über eine erhöhren Holzpfad zu erreichen ist – haben wir einen kleinen Lauf, was die Fütterungen anbelangt. Bei den Rotbüffeln, Drills, Pinselohrschweinen, Mantelaffen und Servalen bekommen wir ordentlich was zu sehen.

 

Hier geht es nach Afrika
Pinselohrschwein am Wühlen
Dösende Servale vor der Fütterung

 

Durch die nordamerikanische Tierwelt Manitoba schlendern wir weiter, gönnen uns zwischendurch Crêpes von der Backstube am Affentempel, warten ein bisschen Regen ab und erkunden dann die weiteren Bereiche, unter anderem das Aquarium, wo es aber auch Axolotls gibt und Blattschneiderameisen in durchsichtigen Laufröhren unterwegs sind.

 

Begegnung mit den Axolotln

 

Jetzt brauchen wir was Deftiges. Zum Glück ist das Restaurant Sodexo gleich um die Ecke…

Hinter dem Tal der grauen Riesen betreten wir – satt und aufgewärmt – die hölzernen Hochstege durch das Kajanaland, sehen Rentiere, müde zusammengekuschelte Silberfüchse, herumtollende Vielfraße. Ein Waschbär guckt kurz aus seiner Hütte, taxiert das Wetter und zieht den Kopf gleich wieder zurück ins Warme.  Hybridbär Taps (Vater Eisbär, Mutter Braunbär) hat sich leider komplett verkrochen.

 

Den Silberfüchsen ist auch kalt
Dieses Rentier scheint schon aufs Christkind zu warten

 

Wir kreiseln zurück zum Eingang, machen aber noch einen Abstecher ins Giraffenhaus und beobachten die langhalsigen Wesen mit den Monsterwimperm beim Futter und Kauen. Nach einer Stippvisite im höchst plüschtierlastigen Zoo-Shop erklären wir die Tierwelten für erkundet, schnappen uns den T-Rex und lassen ihn zurück nach Hagen zum Kirschlehrpfad galoppieren.

Dort stehen mehr Wohnmobile als am Vortag, aber für uns ist trotzdem noch Platz. Wir klinken uns an den Stromkasten und finden (im Gegensatz zum ersten Tag) diesmal eine Position, an der die hohen Bäume rund herum nicht unseren Sat-TV-Empfang stören. Zeit fürs Einmuggeln mit Tee und Co.

Tag 3 – 2. November 2019
Von Hagen a. T. W.  zurück nach Wilhelmshaven

Heute morgen wir schön ausgeschlafen, bevor wir uns ein leckeres Kakao-Frühstück gönnen. Gaaanz sutje machen wir uns startklar. Heute mal etwas altmodisch: Frau wäscht ab, Mann kappt den Strom und klönt draußen mit den Platznachbarn. während der Fahrt: „keine besonderen Vorkommnisse“…

 

Touren

 

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2019 September – D, B, F

Unsere Fahrt „2019 September“ – Deutschland / Belgien / Frankreich

Statistik:
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Womo T334
Tage: 17 (vom 31.08.2019 bis 16.09.2019)
Kilometer: 3806 KM 
Tanken: 339 Liter = 446 € 
Fahrzeit: 71,35 h
Gas:  38 Liter (21,02 Euro) 
Parkgebühren: -- / Standgebühren: 32,60 Euro

Gesamt-Ausgaben: 499,62 Euro

Vorwort:
Es geht wieder auf Reisen mit dem T-Rex. Auch diesmal haben wir Frankreich im Visier, diesmal allerdings den Norden und die Küste. Mal sehen, ob wir es bis in die Bretagne schaffen. Knapp drei Wochen hätten wir Zeit. Aber zunächst tummeln wir uns noch in deutschen Landen. Wenn der Beginn des Caravan Salons in Düsseldorf schon mit unserem Reisebeginn zusammenfällt, muss man das einfach verknüpfen. Auch, wenn wir unser Womo ja schon haben und das auch erst seit knapp einem Jahr…

 


Tag 1 – 31. August 2019
Abfahrt in Wilhelmshaven: 15.40 Uhr
Ankunft Messeplatz Düsseldorf: 18.50 Uhr
Ankunft Stellplatz Düsseldorf-Lohausen (Schützenplatz): 19 Uhr

Über die entsprechenden Autobahnen steuern wir schnurstracks südwestwärts Richtung Düsseldorf und Caravan Salon. Wir kommen gut durch und versuchen mal auf gut Glück, ob die uns doch noch auf den Messe-Stellplatz  (GPS: N 51° 15′ 58″ / E 06° 43′ 33″) lassen. Natürlich haben wir vorher im Internet mal geguckt – alles rot, sprich: reserviert. Aber bei 800 verfügbaren Plätzen könnte ja vielleicht doch ein Lückchen frei sein. Wir fahren an der Info vor und bekommen die Auskunft: Eigentlich ist alles voll. Aber wir könnten noch mal bis zum Check Point links herum fahren und dort noch mal fragen. Für den Fall, dass es wirklich keinen Platz mehr gibt, drückt uns die freundliche Dame eine kleine Broschüre mit Ausweich-Stellplätzen in Messe-Nähe in die Hand.

Wir tun, wie uns geheißen. Der Check Point entpuppt sich als menschliches Duo mit gelben Westen. Die beiden Männer sind sehr freundlich, haben aber keinen Platz mehr für uns. Dafür gibt es die gleiche Broschüre noch einmal, aber mit der Zusatz-Info, dass nur noch ein einziger Ausweichplatz geöffnet hat, dieser aber auch am nächsten dran liegt und nur 15 Euro (anstatt der 30 Euro für den Messeplatz) kostet. Der eine führt offenbar genau Strichliste, wie viele er dort noch hinschicken kann. Wir dürfen noch in Ruhe vor Ort die Adresse in unser Navi tippen, bedanken uns für den guten Rat und rollen stimmgesteuert zum Schützenplatz in Düsseldorf-Lohausen (Lohauser Dorfstraße 22).

Der Platz liegt ortsnah, idyllisch im Grünen und ist zwar schon ordentlich gefüllt, hält aber noch ein schönes Plätzchen mit Blick auf den „Dorfplatz“ (Imbissbude und Getränkestand mit kleinem Biergarten) für uns bereit. Und dann saust und braust es auf einmal über uns hinweg. Was ist da los? Der nahe gelegene Flugplatz entlässt seine startenden Flieger genau in unsere Richtung. Aber wir sind trotzdem froh, hier gelandet zu sein. Denn laut Broschüre fährt direkt vom Stellplatz ein kostenloser Pendelbus zur Messe. Wie cool ist das denn?! Wir freuen uns – und zahlen bei der Kassiererin, die gerade vorbeischaut, die Standmiete (gilt bis Montag, 2. September, 9 Uhr).

Währenddessen parkt gleich neben uns ein zum Camper umgebauter Lieferwagen in die noch verbliebene Lücke ein. Mit dem in etwa gleichaltrigen Ehepaar darin (aus der Nähe von Frankfurt) kommen wir gleich ins Gespräch, denn die beiden liebäugeln mit dem Kauf eines Carados (wenn auch eine Nummer größer als unserer). Nebenbei bekommen wir noch ein paar „Verhaltenstipps“ für die Messe (lieber gleich früh um 10 Uhr hingehen, weil ab Mittag die Massen strömen). Nachdem wir noch eine ganze Weile Erfahrungen über Womo-Reisen und den Straßenverkehr im Allgemeinen austauschen, „bollern“ weitere Flieger zum Greifen nah über uns hinweg. Ganz schön laut, aber später merken wir: Das Ganze geht nur bis 23 Uhr. Danach ist es ruhig am Himmel.

Nachdem wir uns ausgequatscht haben, gehen die Platznachbarn im Ort was zu essen jagen, und wir konsultieren den Platz-Imbiss (Currywurst und Pommes spezial mit Zwiebeln gehen immer). Außerdem wartet der Platz mit einem Toilettenhäuschen (Nutzung:  50 Cent) auf, Müllcontainern und Dixi-Klos zum Entleeren der WC-Kassetten. Der Sat-Empfang ist auch gut, also noch ein bisschen ferngesehen. Aber schnell fallen uns die Augen zu. Außerdem wollen wir ja am nächsten Morgen zeitig zur Messe. Also: Gute Nacht!

 


Tag 2 – 1. September 2019
Messetag Düsseldorf

Um sechs Uhr sausen uns wieder die Flugzeuge um die Ohren. Wenn man so im Womo bei offenen Fenstern auf den Betten liegt, klingt das zuerst schon ein wenig beängstigend, denn wir befinden uns wirklich direkt unter den kreuzenden Fliegern. Dass mal nur keiner abstürzt… Aber man gewöhnt sich. Und so schälen wir uns doch erst um 8 Uhr aus den Laken.

 

Um 9.20 Uhr sitzen wir im Pendelbus, der alle 15 Minuten zur Messe fährt. Gegen 9.30 Uhr sind wir vor Ort. Drinnen gondeln wir noch ein bisschen in der „Wartehalle“ herum. Ab 10 Uhr heißt es dann Ständegucken (einige dekadente Angebote sind auch dabei – siehe Bild)

und bloß nicht zu viele Kataloge einsacken, wir wollen ja nicht viel Ballast mit uns führen. Aber am Ende mussten auf jeden Fall noch zwei Klapp-Hochlehner-Stühle zum Messepreis mit. Wir rechnen mit ordentlich Sitzbedarf auf der weiteren Reise, die uns ab Oostende immer an der Küste entlang (oder zumindest in Wassernähe) führen soll. Am Nachmittag geht es aber erst einmal mit dem Pendelbus zurück zum Stellplatz.

Obwohl wir hier noch einmal übernachten könnten (bezahlt ist ja), verlassen wir Düsseldorf um 17.30 Uhr, um ins nahegelegene Viersen zu fahren. Dort haben wir nämlich Montag früh einen Termin bei Wynen Gas (dem Chef haben wir auf der Messe schon kurz Hallo gesagt). Der Einbau eines Gastanks steht an. Hoffentlich klappt alles. Damit wir gleich vor Ort sind, stellen wir uns gegen 18.10 Uhr auf einen der drei Stellplätze (mit Stromanschluss) auf dem Firmengelände. Nachdem wir uns zurechtgemuckelt haben, ist noch Zeit für einen Abendspaziergang mit Abendbrot.

 


Tag 3 – 2. September 2019
Werkstatttag Viersen

Heute müssen wir noch etwas früher aus den Federn, denn um 8 Uhr macht die Werkstatt in Viersen auf. Da vor uns noch ein Kunde mit einer Gasprüfung dran ist, müssen wir uns aber nicht ganz so beeilen. Gegen 8.30 Uhr geht es aber auch bei uns los. Einfahrt in die Halle, noch einmal kurz alles durchgesprochen, dann machen sich der Chef und sein Team an die Arbeit und wir uns zu Fuß auf in die Innenstadt zur Landbäckerei Stinges für ein ausgiebiges Frühstück (besonders lecker: die Roggenbrötchen). Wie lassen ein paar kleinere Einkäufe folgen und stromern dann durch den Skulpturenpark am Kreishaus, der zu den bedeutendsten seiner Art in Deutschland gehört. Ein Teil ist durch einen lauschigen Platanen-Tunnelweg eingerahmt.

Hinter dem Kreishaus spazieren wir weiter zur Generatorenhalle, einem renovierten Jugendstilgebäude, 1905 vom Viersener Architekten Franz Kreutzer für das örtliche Elektrizitätswerk errichtet – und schon von außen ziemlich schick anzusehen. Innen drin scheint es noch besser zu sein. Das würden wir uns gern näher ansehen und laufen – vorbei an einem imposanten Brunnen aus technischen Bauteilen – zum Haupteingang des kommunalen Versorgers NEW. Der freundliche Mann an der Info schaut kurz nach, ob der Hausmeister in seinem Büro sitzt. Der könnte uns aufschließen und hineinführen. Leider ist das Büro verwaist, der Mann irgendwo auf dem großen Gelände unterwegs. Also leider keine Chance.

Wie marschieren weiter – wieder zurück Richtung Innenstadt, passieren das ebenso schöne Gebäude des Stadtbades und durchqueren den Casinogarten, landen später am Rande des Lyzeumgartens mit britischer Bücher-Telefonzelle, schauen bei der klassizistischen Festhalle vorbei, in der jedes Jahr das Viersener Jazzfestival stattfindet. Auch ein ziemlich stattliches Gebäude. Man merkt, in der Vergangenheit muss es wohlhabende Bewohner gegeben haben.

Gegen 13 Uhr bekommen wir runde Füße und kehren zu Wynen Gas zurück, lümmeln uns in die Kaffeeecke, blättern in Wohnmobilzeitschriften und schielen ab und zu durch die Fenster in die Werkhalle, wo unser T-Rex noch in Bearbeitung ist. Gegen 15 Uhr ist er fertig ausgerüstet. Wir bekommen eine kurze Einweisung, sämtliche nötigen Papiere, die Adresse für den TÜV, der den ordnungsgemäßen Einbau des Gastanks noch begutachten muss – und Wynen Gas bekommt unser Geld abzüglich zehn Prozent Messerabatt (da hat sich der Besuch des Caravan Salons noch einmal extra gelohnt).

Danach rollen wir gleich nach Mönchengladbach los, um (über-)pünktlich beim TÜV Rheinland einzutreffen. Rund eine Stunde früher als zur vereinbarten Zeit (15.30 statt 16.30 Uhr). Eher kommen wir allerdings trotzdem nicht dran, weil ein Oldtimer-Mercedes und seine offenkundigen Wehwehchen die ganze Aufmerksamkeit des Prüfers fordern. Aber wir haben zumindest in unserem Womo einen Logenplatz und können das ganze Spektakel mitverfolgen. Unsere Begutachtung geht danach ganz fix. Um 17.10 Uhr können wir schließlich richtig in den Urlaub starten. (Zu Hause muss es dann allerdings auch noch einmal bei der Zulassungsstelle in den Fahrzeugschein eingetragen werden…) Aber Richtung Belgien kommen wir heute nicht mehr. In Grefrath testen wir kurz den offiziellen Stellplatz auf dem Kirmesplatz Niers-Perle Oedt (GPS: N 51° 19′ 22″ / E 06° 22′ 35″), wo zwar keine Kirmes, dafür aber Schützenfest im Zelt ist. Ein Blick auf die Auskunfttafel zeigt uns: Selbst am Montag wird abends noch gefeiert mit Gala-Umzug der Schützendamen und anschließendem Gala-Ball im Zelt. Schade, der Stellplatz hätte uns gefallen: gratis Stehen im Grünen, innenstadtnah und mit der Option, gegen Münzeinwurf Strom zu zapfen. Aber da Remmidemmi mit „Atemlos“ und anderer wenig erträglicher Musik zu erwarten ist, fahren wir lieber zum Alternativplatz, den uns die Stellplatz-App im Navi vorschlägt: den hinteren Parkplatz an den Krickenbecker Seen in Nettetal (Adresse: Krickenbecker Allee hinter dem Infocenter, dem Seebad und einem Restaurant, das montags und dienstags Ruhestag hat) – GPS: N 51° 20′ 42″ / E 06° 15′ 27″. Ein paar andere Womos stehen auch schon da, aber schön verteilt, so dass man sich nicht auf den Füßen steht.

Die schöne sonnige Abendstimmung verleitet uns noch zu einem längeren Spaziergang an die Seen und bis zum (sehr versteckt und leider auf einem zugesperrten Gelände liegenden) Schloss Krickenbeck. Auf den Seen tummeln sich Enten, Reiher, Schwalben, eine Lachmöwe, Haubentaucher und Co. Tolle Gegend mit spürbarer Nähe zur niederländischen Grenze (alle Schilder sind auch auf niederländisch betextet, und einige der Radfahrer, die uns überholen, sind hörbar von jenseits der Grenze). Dann müssen wir uns losreißen und zurück zum Womo. Diesmal gibt es ein selbstgemachtes Abendbrot: Bauernfrühstück aus frisch zubereiteten Pellkartoffeln. Jamjam!

 


Tag 4 – 3. September 2019
Nettetal – Venlo (NL) – Oostende (B) – Bergues (F)

Jetzt geht es richtig auf Reisen! Naja, fast! Da unser rotes Lämpchen am WC leuchtet, müssen wir einen Abzweig zu einer Entsorgungsstation einplanen. Von den Krickeberger Seen aus starten wir also gegen 10.10 Uhr Richtung Venlo (NL). Da müssen wir sowieso längs. Und die App auf unserem Navi behauptet, dass am Yachthafen Venlo Ver- und Entsorgung auf dem Bezahl-Stellplatz (GPS: N 51°23’31“ / E 06°08’55“) möglich ist. Also hin. In der Haltebucht am Eingang binden wir den T-Rex kurz an und besuchen den Hafenmeister in seinem Büro. Der spricht fließend deutsch und gibt sofort das Okay für uns. Ein ehrenamtlicher Helfer (ein Deutscher, der Mitglied in dem Verein ist, der den Yachthafen und das Gelände in Schuss hält) lotst uns durch das hintere Tor zum Toilettenhaus, hinter dem sich ein edler Ausguss für die Camper-Klos befindet. Vorne am Haus können wir Trinkwasser zapfen. Währenddessen erzählt der Helfer, dass der Yachthafen-Verein etwa ein Fünftel deutsche Mitglieder hat und eine gemischte Rentnergang das Gelände betreut inklusive blühender Bepflanzung. Alles superschön gepflegt in toller Lage – und für 15 Euro Standgebühr ist auch der Strom inklusive. Aber wir wollen ja nur entsorgen (der Grauwasser-Abschlag ist direkt am Weg außerhalb des Geländes) und Wasser zapfen. Wir lassen drei Euro für die Kaffeekasse da, bedanken uns für den supernetten Service und fahren gegen 11.05 Uhr wieder Richtung Autobahn.

Der T-Rex rollt brav, wie er soll. Und schon um 13.44 Uhr landen wir auf dem Maritiem Plein in Oostende an, wo wir trotz Bauarbeiten einen Gratis-Parkplatz im Lkw-Bereich finden. Ein paar Schritte zu Fuß sind es dann noch bis zum Anleger der Gratis-Fähre hinüber zum innenstadtnahen Visserskaai. Nach wenigen Gehminuten erreichen wir dann auch den Zeeheldenplein, wo die letzten Tage des diesjährigen Sandskulpturenfestivals (bis 8. September) laufen. Hinter dem Kassenbereich (Eintritt: zehn Euro pro Person) beginnt ein Holzplankenpfad kreuz und quer über das eingezäunte Gelände mit imposanten Sandschlössern, lustigen Karikaturen und kunstvollen Sandgemälden und -figuren: von Popeye bis zum Disney-Hai aus „Findet Nemo“, von Louis de Funès bis Picasso, von Notre Dame bis zum VW-Bus. Dazwischen kann man sich in Oostende-Klappstühle fallen lassen, um die Szenerie auf sich wirken zu lassen. Vor den Schlössern und Kathedralen sind – ganz stilecht – Thronsessel aufgebaut. Und weil das Wetter an der Küste ja nicht immer das beste ist, flankiert ein Zeltdach-Gang mit Draußen-Sofas das Gelände, damit man auch bei Regen gemütlich gucken kann.

Wir haben jedoch Glück. Es ist zwar bedeckt und windig, aber ansonsten angenehm mollig warm. Deshalb gehen wir danach noch ein paar Schritte weiter zum Strand und genießen die tolle, gischtige Seebad-Atmosphäre. Unseren Ausflug garnieren wir mit einer Belgischen Waffel vom Eisstand – lecker! Dann geht es wieder zurück zur Fähre und zum Maritiem Plein.

Abseits der Autobahnen – dafür entlang eines Kanals – fahren wir weiter nach Frankreich und treffen um 17.45 Uhr auf dem Gratis-Stellplatz von Bergues  (GPS: N 50° 57′ 56″ / E 02° 26′ 10″) ein, gleich zwischen Stadion und Stadtmauer samt Wallanlagen. Der Platz ist groß, aber auch schon ziemlich voll – mit Wohnmobilisten aus Frankreich, Belgien, Großbritannien, Deutschland, Österreich und den Niederlanden. Trotzdem finden wir im hinteren Teil noch eine schöne Lücke für unseren T-Rex. Kurz danach rollt – man kann es kaum glauben – ein Campervan aus Emden auf den Platz. Niedersachsen ist außerdem mit Brake und Diepholz vertreten (am nächsten Morgen sehen wir auch noch ein Womo aus Osnabrück). Ob das wohl mit dem Film „Willkommen bei den Sch’tis“ zu tun hat, der hier in Bergues gedreht wurde? Das ist mehr als anzunehmen. Denn nur deshalb sind ja auch wir hier gelandet.

Um zu überprüfen, was wir vielleicht wiedererkennen, brechen wir gegen 18 Uhr zu einem kleinen Rundgang durch den Ort auf. Begleitet vom Glockenklang des Belfrieds, der alle 15 Minuten mal kürzer, mal länger ertönt, schlängeln wir uns durch die Stadtmauer zum zentralen Place de la Republique mit just dem erwähnten Glockenturm, der genauso eine Rolle in dem Film spielt wie das Postgebäude und die Frittenbude (die jetzt aber ein stationärer Imbiss am Platz ist und wo wir ein rustikales Grillteller-Gericht mit großzügiger Salatblatt-Garnitur zu uns nehmen. Das ebenfalls angebotene Potjevleesch (ein flämisches Aspik-Gericht) war uns nicht so geheuer – vermutlich zu Unrecht, aber sei’s drum… Nach Hacksteak vom Original flämischen Rind mit Spiegelei & Co. spazieren wir weiter zu den beiden Türmen des ehemaligen Klosters St. Winoc, die sehr pittoresk auf einer 22 Meter hohen Anhöhe stehen.

Danach kratzen wir die Kurve zurück Richtung Stadtmauer und gehen – immer an der Wand lang – zurück zum Stellplatz. Ankunft: 19.50 Uhr – höchste Tee-Zeit! Aber vorher schaut noch der Emder auf einen Plausch vorbei und erzählt, dass er und seine Frau Ihr  Haus verkauft haben, um vorerst nur noch mit dem Camper unterwegs zu sein. Bis Spanien und Portugal soll die Reise gehen. Bis Weihnachten, dann geht es zur Familie nach Emden zurück. Und dann… mal sehen. Mutig.

Nach Tee mit TV und ein bisschen Karten-Studium für den morgigen Tag fallen wir hundemüde in die Federn.

 


Tag 5 – 4. September 2019
An die Opalküste

So schön kann man aufwachen: Zum Klang des Belfrieds von Bergues fällt das Aufstehen um 8.15 Uhr irgendwie gar nicht schwer. Außerdem bekommen wir Lust, noch vor dem Frühstück die Stadtmauer samt den drei Wällen davor noch einmal in anderer Richtung zu erkunden. Wir entdecken dabei die Kleingärten von Bergues, begegnen Joggern und Gassigehern (samt Hund natürlich) und stromern treppauf, treppab, durch Tunnel und Durchgänge. Da könnte man sicher noch Stunden mit zubringen, aber nun setzt sich doch der Hunger durch – also zurück zum Womo.

Gegen 11.15 Uhr sind wir bereit für die Weiterfahrt – zunächst auf schneller Autobahn-Strecke über Dünkirchen nach Calais. Am Stadtrand (mit Stadtstau) legen wir gegen 12 Uhr einen Tank-Stopp ein. Wir haben die Autobahn inzwischen verlassen und befinden uns nun auf der Küstenroute. Tolle Ausblicke aufs Meer und die Dünenlandschaften der Opalküste! Das Cap Blanc-Nez nähert sich, aber auch ein fieses Regengebiet. Aus dem bisherigen Nieseln wird immer mehr ein reeller Dauerregen. Weil der von uns angestrebte kleine Wanderparkplatz am Hubert-Latham-Denkmal zum Stehen doch nicht so geeignet ist, wir auf die Schnelle keine Alternative finden und es – wie gesagt – jetzt dauerregnet, fahren wir weiter und nehmen mit dem imposanten Blick auf Cap und Obelisk zu Ehren der britischen Dover Patrol des Ersten Weltkrieges aus dem Autofenster vorlieb.

Beim Cap Gris-Nez sind wir erfolgreicher. Der Regen ist nur noch ein punktuelles Tröpfeln, und wir mäandern uns bis zum grandiosen Bus-Parkplatz durch (ohne Busse, dafür aber schon mit einigen Womos belegt) – GPS: N 50° 52′ 06.02″ / E 01° 35′ 12.06″ . Über die angelegten Wege spazieren wir zu den verschiedenen Aussichtsplattformen, sehen die weißen Klippen von Dover, noch einmal das Cap Blanc-Nez und dazwischen viele große Pötte am Horizont. Mehrsprachige Infotafeln machen uns schlauer, was zum Beispiel den alten Zöllnerpfad, die regelmäßig passierenden Zugvögel, die kriegerische Vergangenheit und den Leuchtturm, vom dem aus der gesamte Schiffsverkehr auf dem Ärmelkanal von der französischen Seite aus überwacht wird.

Eine ganze Stunde bringen wir dort zu. Um 14 Uhr fahren wir weiter entlang der Küste, um nur zehn Minuten später auf einem kleineren Wanderparkplatz kurz vor Audresselles (GPS: N 50° 49′ 45.07″ / E 01° 35′ 28.07″) zu landen. Das ist die Gelegenheit, erstmals auch unten am Wasser herumzulaufen. Wobei wir auch hier erst einmal auf die Dünen klettern, um auf die kleine Bucht herunterzugucken. Auch das macht Hunger: Ein kleiner Zwischenimbiss im Womo folgt, dann setzen wir die Fahrt fort. Next Stop: die Dunes de la Slack kurz vor Wimereux.

Hier befindet sich ein Hot Spot für Kitesurfer. Aber auch wir haben unseren Spaß beim Spazieren am Strand. Und Meerkohl wächst hier auch en masse, von dem ich dank des Emder Ökowerks nun weiß, dass er zu den salztoleranten Pflanzen gehört, die man auch kulinarisch verwerten kann. Wir lassen das mit dem Pflücken trotzdem mal. Stattdessen gehen wir wieder auf die Piste – durch Wimereux und Boulogne-sur-Mer nach Stella-Plage (GPS: N 50° 28′ 29″ / E 01° 34′ 38″).

Dort treffen wir gegen 16.30 Uhr ein und finden im Abschnitt des Cours des Champs Elysees zwischen den Dünen, der für Wohnmobile vorgesehen ist, noch einen freien Platz am Rand. Schnell merken wir, wie fein der Sand hier ist – denn er ist dank des unermüdlich wehenden Windes überall. Beim Gang über die Dünen zum Strand hinunter fühlen wir uns schier gesandstrahlt. Peeling für Fortgeschrittene! Unten am Strand ist alles wieder zahm – bis aufs Meer. Das rauscht in großen Wellen an den Strand. Klar, dass auch hier einige Kite-Surfer unterwegs sind. Weil inzwischen die Sonne wieder die Überhand hat, wagen wir den ersten Barfuß-Gang ins Wasser. Zumindest bis zu den Knien. Auf Baden sind wir noch nicht eingestellt. Erfrischend. Man könnte tatsächlich mehr wagen, aber wegen der hohen Wellen belassen wir es bei der Kneippkur.

Zur Abendbrot-Zeit sind wir wieder am T-Rex und schütteln uns den Sand aus allen Poren (gefühlt) bzw. von den Füßen, aus den Schuhsohlen, von den Beinen, aus dem Nacken, den Haaren und sogar den Nasenlöchern und Ohrmuscheln. Nachdem auch der Magen besänftigt ist, gehen wir noch eine kurze Runde zur eigentlichen Strandpromenade – hier ist im September unter der Woche schon Totentanz (was Gastronomie, Geschäfte und Badewacht anbelangt). Aber auch diese Atmosphäre bei untergehender Sonne hat was!

 


Tag 6 – 5. September 2019
Von der Opalküste zurAlabasterküste

Nach einer morgendlichen Ehrenrunde mit T-Rex an der Strandpromenade von Stella-Plage starten wir gegen 8.30 Uhr durch – weiter westwärts und möglichst nah an der Küste oder was sich sonst so an Wasser bietet. Nach einer Stunde Fahrt halten wir zur Frühstücksrast auf einem Parkplatz an der D940, direkt an der Baie de Somme. Offenbar ist die Bucht ein beliebtes Vogelkundler-Gebiet; jedenfalls stapft uns aus der Ferne der Marschlandschaft ein eben solcher entgegen – gummiert und mit professionell optischer Ausrüstung. Rechts am Rand blicken wir auf die Stadt Le Crotoy, der Ort schräg links vor uns muss St. Valery-sur-Somme sein. Tolle Landschaft, schöne Aussicht, dekorativ am Horizont platzierte Orte.

Nach der gut halbstündigen Rast rollen wir gegen 10.30 Uhr auf das Seebad Cayeux-sur-Mer zu. Entlang der Strandpromenade mit einer schier endlosen Reihe von Badekabinen rollen wir bis ganz ans Ende. Wenigstens ein paar Minuten Fotostopp sind ein Muss. Schließlich „winken“ links von uns die ersten Kreidefelsen der Alabasterküste. Bevor wir den Ort wieder verlassen, bemerken wir eine Zufahrt ins Naturgebiet, das noch ein Stück näher an die Klippen auf der anderen Seite der Bucht reicht. Über eine steinige Buckelpiste kämpfen wir uns im Schrittempo voran, passieren ein historisches Seezeichen, kommen tatsächlich an einem ausgewiesenen Rand-Parkplatz (schon komplett mit Womos belegt) vorbei und stellen uns kurz in einer zweiten Parkbucht schräg dahinter ab, um auch diesen Teil von Cayeux zu inspizieren und zu fotografieren. Danach holpern wir wieder zurück und steuern den Ort Ault oberhalb der Kreidefelsen an. Um 11.30 Uhr finden wir – nach allerhand Bergauf-Gegurke – nahe der Rue Léon Blum einen Parkplatz, auf den der T-Rex locker drauf passt. Wir marschieren zum Aussichtspunkt, bannen die Klippen aufs Bild und marschieren durch relativ leere Straßen und vorbei an geschlossenen Cafés (in der Sommersaison dagegen steppt hier vermutlich der Bär) zurück zum Womo.

Gegen 12.30 Uhr wartet schon der nächste Fotostopp mit schöner Aussicht auf uns – und zwar in Le Tréport, wo wir uns kurz auf den vorderen der beiden zusammengehörigen Bezahl-Stellplätze an der Standseilbahn mogeln (GPS: N 50° 03′ 29.00 / E 01° 21′ 45.08″). Stehen und Übernachten kosten 6,40 Euro (Ver/Entsorgen kostet extra), dafür wäre die Benutzung der Funiculaire hinunter in die Stadt, die eingezwängt zwischen Meer und Felsen am Ärmelkanal und an der Mündung der Bresle liegt, kostenlos. Nicht schlecht, aber wir wollen weiter. Ach, übrigens: Wir haben mit dieser Station offiziell die Normandie erreicht.

Nun ist uns nach einem Abzweig in etwas baumreicheres Gebiet. Bei Varengeville-sur-Mer schlängeln wir uns durch hübsche, teils reich mit Blumen bepflanzte, teils aber auch verwitterte Mini-Orte zum Manoir d’Ango (GPS: N 49° 54′ 02.07″ / E 00° 59′ 54.07″). Dabei handelt es sich um den zwischen 1530 und 1544 erbauten Landsitz des Reeders und Freibeuters (!) Jehan d’Ango. Wir platzieren uns in einer der Stehlücken zwischen hohen Bäumen und nähern uns dem Tor. Das geschlossene Kassenhäuschen davor verrät uns allerdings, dass wir in der Mittagspause hier angelandet sind. Um 14 Uhr würde die Anlage wieder öffnen. Doch wir wollten uns den Eintritt von 5,50 Euro pro Person sowieso sparen und nur einen Blick von außen auf den Bau-Mix aus italienischer Renaissance und Regionalstil schmeißen – obwohl im Innern das größte und vielleicht auch schönste Taubenhaus Frankreichs auf uns warten würde. Aber man kann nicht immer alles haben.

Nun steuern wir Sotteville-sur-Mer an, genau gesagt: den dortigen Strandparkplatz (GPS: N 49° 53′ 13.05″ / E 00° 49′ 47.02″). Durch enge kurze Straßen hinter der örtlichen Kirche erreichen wir diesen. Der größte Teil ist allerdings wegen der Höhenschranke für uns nicht nutzbar. Und die wenigen Plätze davor durch vier Womos schon belegt. Daher schummeln wir uns an die Seite – halb vor die Höhenschranke (so, dass die Pkws trotzdem noch gut durchkönnen) und halb vor den großen Abfallcontainer. Der Spaziergang zur Küstenkante bestärkt uns: Die Entscheidung, sich nicht gleich abschrecken zu lassen, war richtig. Vor uns öffnet sich der Blick tief hinunter in die Bucht – mittendrin: eine steile Betontreppe, die unbedingt benutzt werden will. Sie führt uns hinunter zu einem fast magischen Klickerklacker-Strand am Fuße der Kreidefelsen. Jetzt sind wir definitiv an der Alabasterküste! Wie schlafende Giganten ragen die Klippen hinter uns auf. Vor uns schmeißt jemand das Meer mit voller Wucht gegen den Strand. Dann entdecken wir auch noch einen versteinerten Seelöwen. Klar, dass ein Ritt gewagt und fotografisch festgehalten wird. Und ein paar skurril geformte Steine als Souvenir wollen auch mit.

Flugs ist eine Stunde herum. Um 15 Uhr rollen wir wieder vom Platz. Die Rückfahrt gestaltet sich jedoch unerwartet schwierig. Am Ende des Pfades, den wir anstelle des Weges genommen haben, den wir gekommen sind, ist die Durchfahrt an der Kirche vorbei zugeparkt. Es nützt nichts wir müssen ein ganzes Stück rückwärts rangieren und eine Einfahrt zum Wenden finden. Unter viel Mühe mit dem passenden Fingerspitzengefühl (und unter Beobachtung des dazugehörigen Hausbesitzers sowie eines französischen Wohnmobilisten, der offenbar bereits vor uns gestoppt worden war, aber eine Bucht zum Warten gefunden hatte) gelingt es. Puh! Auf dem Originalweg kommen wir besser durch (obwohl auch dort – wohl wegen einer Veranstaltung in der Kirche mit Fahnen und allem drum und dran – die Wege durch parkende Autos enger geworden sind).

Auf nicht viel größeren Straßen geht es nun zum Übernachtungsplatz in St. Jouin-Bruneval. Auf dem oberen Stellplatz (GPS: N 49° 39′ 02.09″ / E 00° 09′ 45.04″) wird noch kurz entsorgt (Grauwasser und WC). Dann kurven wir in eleganten Schwüngen hinunter zum zweiten Stellplatz am Fuße der Kreidefelsen (GPS: N 49° 39′ 04.05″ / E 00° 09′ 16.09″). Gegen 16.50 Uhr sind wir am Ziel, kurven allerdings noch ein bisschen auf dem Platz herum, bis wir neben den schon platzierten Wohnmobilen unser bevorzugtes Plätzchen gefunden haben – mit der Schnauze zur Kreidefelsen-Bucht.

Dann geht es auf zum Strand. Auch der ist voller Klicker-Klacker-Steine, die von mittelgroßen Brechern ordentlich herumgewälzt werden. Die Strand-Infrastruktur (Strandwachthaus, Toiletten, Duschen, sechs Badehäuschen) scheint noch ziemlich neu zu sein, dem modernen Holz-Design nach zu urteilen. An den Wänden ist eine Outdoor-Foto-Ausstellung zu bewundern, die großformatige und ausdrucksstarke Aufnahmen von einheimischen Strandnutzern, Fischern, lokalen Künstlern usw. zeigt. Bei näherer Begutachtung der Toiletten und Co. sind allerdings leider auch schon gravierende Abnutzungsschäden zu sehen: eingedetschte Klinken, Löcher in den Sperrholzwänden und andere Hinweise darauf, dass nicht jeder pfleglich mit der hübschen Strandstadt umgegangen ist. Schade. Das Ganze macht sonst echt einen guten Eindruck. Auch wenn diese Saison wohl schon weitgehend abgeschlossen ist. Die Spielgeräte und Picknicktische, die auch noch zur Anlage gehören, haben dafür rund um die Uhr geöffnet.

Gegen Abend kommt unerwarteterweise dann noch einmal richtig Leben an den Strand. Stand-Up-Paddler, Windsurfer und Co. entern das Wasser. Und im Strandrestaurant am Rand der Bucht werden fleißig frittierte Miesmuscheln aus den Emaille-Töpfen vertilgt. Auf dem Platz geht derweil der vorhin schon herrschende Trubel weiter – in Gestalt von miteinander herumtobenden Hunden von diversen Wohnmobilisten und Campern. Ein Bild für die Götter.

Wir dagegen toben nicht, sondern backen Pfannkuchen, um das ausgefallene Mittagessen (haben wir gar nicht gemerkt vor lauter schönen Ausblicken) zu kompensieren. Danach weihen wir die neu erworbenen Messe-Stühle ein, drehen – als es zu kühl zum Sitzen wird – noch ein paar Runden Richtung Wasser und über den Platz und kommen mit den Besitzern (vom Niederrhein) eines umgebauten alten Feuerwehrfahrzeugs (aus dem Allgäu) ins Gespräch. Der Umbau ist noch lange nicht abgeschlossen, erfahren wir. Doch wir sind jetzt schon beeindruckt von den bereits umgesetzten sowie den noch geplanten technischen Einbauten und wünschen den beiden viel Erfolg bei der weiteren Umsetzung.

Unser Tag endet mit Ostfriesen-Tee aus der Kanne und der Vorplanung für den nächsten Tag (Sollen wir Deauville nun mit einplanen oder nicht? Wählen wir die Route mit Maut-Autobahn oder ohne?). Wir entscheiden uns am Ende dafür, das Hauptziel (Bayeux) direkt ins Navi einzugeben und morgen entsprechend anzusteuern. Mal sehen, über welche mautfreie Route uns das Gerät morgen führt. Wir lassen es auf uns zukommen…

 


Tag 7 – 6. September 2019
Nach Bayeux und an die Landungsstrände

Wie geplant, lassen wir uns ab 9.40 Uhr vom Navi auf mautfreier Schlängelstrecke Richtung Bayeux führen. Das Frühstück holen wir beim Zwischenstopp an einem Carrefour-Markt in Pont-Audemer nach – mit frisch eingekauftem Baguette. Das Verstauen der weiteren Lebensmittel und das Mümmeln des „Spätstücks“ dauert eine Weile, aber wir sind ja nicht auf der Flucht.

Zur Mittagszeit rollen wir wieder los. Dabei passieren wir unter anderem das wunderhübsche, mit viel Fachwerk aufwartende Pont l’Evèque sowie Ranville mit der legendären Pegasus-Bridge und dem Café Gondree (das erste von den Alliierten befreite Haus in Frankreich). Gegen 14.30 Uhr kommen wir auf dem innerörtlichen Stellplatz von Bayeux (Rue Pierre Trébucien – GPS: N 49° 16′ 36.04″ / W 00° 42′ 45.07″) an. Bis 17 Uhr dürfen wir frei stehen, danach kostet der Übernachtungsplatz vier Euro, ab 8 Uhr darf wieder gratis geparkt werden. Da kann man echt nicht meckern!

Nachdem wir uns kurz sortiert haben, machen wir uns zu Fuß in die Innenstadt auf. Bis zur Kathedrale sind es etwa zehn Minuten. Die lassen wir aber links liegen, weil wir zum Musée de la Tapisserie wollen (das sind noch mal vier Minuten drauf). Der Eintritt kostet regulär 9,50 Euro pro Person, dafür ist der Audioguide (auch auf deutsch) inklusive. Und der ist super, denn er führt einen von Abschnitt zu Abschnitt des berühmten Teppichs von Bayeux. Dass der satte 70 Meter lang ist, war uns gar nicht so bewusst. Von der überwältigenden Dimension der gestickten Bildergeschichte aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts bekommt man allerdings gleich beim Betreten des Präsentationsgangs einen guten Eindruck. Dort ist der gesamte Teppichstreifen hinter Glas ausgebreitet.

Bekanntlich zeigt der Teppich (seit 2007 Weltdokumentenerbe der Unesco) die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer und seine Normannen in der Schlacht von Hastings – aber eben auch die Vorgeschichte mit Spionage, Verrat und allem Drum und Dran inklusive des Halleyschen Kometen. Dieser erscheint als unheilverkündendes Vorzeichen für Harold, Earl of Wessex, der Wilhelm die Thronnachfolge streitig machen will. Die vielen  verschiedenen Szenen, Details und Besonderheiten werden während des Vorbeiflanierens anschaulich über den Audioguide kommentiert und erklärt.

Im Stockwerk darüber folgt eine ebenfalls gut verdauliche Ausstellung zum Teppich, die verschiedenen Theorien über seine Herkunft und die Einordnung in die Zeit des Hochmittelsalters, als außer den Mönchen in den Klöstern nur wenige Menschen des Lesens mächtig waren. Noch eine Etage darüber wartet ein Kinosaal mit einem Erklärfilm, der auch in Englisch gezeigt wird. Nach einer kurzen Ehrenrunde durch den großen Museumsshop verlassen wir den Ort des gestickten Comicbuches.

In den nahen Touri-Nepp-Shops fragen wir nach Briefmarken, werden aber an die Post (zum Glück nur zwei Gehminuten entfernt) verwiesen. So können wir endlich ein paar Kartengrüße nach Hause schicken. Pünktlich um kurz vor 17 Uhr sind wir wieder am Stellplatz, schmeißen den T-Rex an und fahren ins nahe Arromanches-les-Bains an die Küste. An der Adresse des innerörtlichen Gratis-Stellplatzes (den wir in mehreren Stellplatz-Führern und -Apps gefunden hatten) lassen allerdings Höhen-Schranken keine Wohnmobile (mehr) durch.

Wir lassen dann auch den kommunalen Bezahlplatz mit Aussicht ein Stück außerhalb des Ortes vorerst links liegen und versuchen unser Glück am Juno Beach nahe des kanadischen Memorial-Museums in Courseulles-sur-Mer (GPS: N 49° 20′ 13.01″ / W 00° 27′ 54.02″). Doch dort sind schon alle Plätze belegt. Also Manöver zurück und mal gucken, wie teuer der Platz mit Aussicht (GPS: N 49° 20′ 21.02″ / W 00° 36′ 52.02″) ist. Sechs Euro steht auf dem Schild, das Container-Büro an der Einfahrt ist aber nicht mehr besetzt (wir haben bereits 18.15 Uhr). Wir vermuten, dass die Nachzügler morgens abkassiert werden, und rollen daher guten Mutes auf das schon ordentlich gefüllte Terrain. Und das Glück ist uns hold. Wir finden tatsächlich noch eine freie Lücke in der ersten Reihe mit unverstelltem Blick aufs Wasser.

Ein Erkundungsspaziergang schließt sich an. Schließlich befinden wir uns oberhalb des Gold Beach, der wie Juno Beach zu den Landungsstränden des Zweiten Weltkrieges gehört. Wir sehen hinunter auf die Überreste des künstlichen Hafens Mulberry B (in England vorgefertigt, zerlegt über den Ärmelkanal geschleppt und vor Ort montiert), erblicken links unten den Badeort Arromanches-les-Bains und hinter uns auf der Kuppe des Belvédère das 360-Grad-D-Day-Kino (Eintritt: 6,50 Euro, aber heute schon geschlossen) mit Aussichtsterrasse und Boutique (noch gerade so geöffnet). Schräg davor befindet sich eine moderne Kunstinstallation zum D-Day und eine über allem „schwebende“ Marienstatue. Daneben gibt es noch eine separate Aussichtsplattform und Teile einer Landungsbrücke.

Wir bekommen langsam Hunger und kehren zum T-Rex zurück. Herd angeworfen und Hackbraten mit Kartoffelbrei und „Gemüschen“ gezaubert. Als Verteilerflüssigkeit dient wieder der traditionelle Ostfriesen-Tee.

 


Tag 8 – 7. September 2019
Weiter entlang der Landungsstrände

Entgegen unserer Vermutung, ist das Kassenhäuschen frühmorgens noch nicht besetzt. Wir rollen aus der Stellzone und nutzen erst einmal den Ver- und Entsorgungsbereich (Wasser zapfen kostet hier zwei Euro). Um 7.30 Uhr ist immer noch keiner zum Abkassieren da. Etwas irritiert über unser Glück fahren wir los zu unserem ersten Etappenziel des neuen Tages: Omaha Beach.

Wir versuchen es zunächst am amerikanischen Soldatenfriedhof. Auf dem Gelände soll ein Parkplatz im Grünen sein, der für Wohnmobile passt und von dem aus man den gesamten Strandabschnitt zu Fuß hätte erkunden können (GPS: N 49°21’24.04″/ W 00°51’07.00″). Hätte! Denn das Gelände öffnet erst um 9 Uhr. Wir haben es gerade mal 8 Uhr. Auch hinten herum ist nichts zu wollen. Zum Strand kommt man hier offenbar nur über das Ami-Gelände. Der Rest sind abgezäunte Weiden und Felder. Auf einer Wiese grasen ein paar neugierig herüberblinzelnde Kühe – immerhin ein Fotomotiv!

Aber wir haben ja noch mehr Beach-Points auf der Liste. So auch den (Bus-)Parkplatz am Omaha Beach, der an der Avenue de la Liberation in Saint-Laurent-sur-Mer liegt (GPS: N 49° 22′ 14.06″ / W 00° 52′ 50.01″). Am Strand ragt eine große Skulptur auf, die irgendwie an ein gestrandetes Schiff erinnert – wenn man das Werk „Les Braves“ aus dem richtigen Winkel betrachtet. Ein Heldendenkmal oben auf der Promenade und das obligatorische D-Day-Museum gibt es auch hier.

An der Promenade rollen wir weiter Richtung Pointe du Hoc. Das Kalkplateau aus der Jurazeit markiert den westlichen Rand des Omaha Beach und bietet eine grandiose Aussicht. Soweit das Ganze aus Naturliebhaber-Sicht. Aber auch hier gibt es natürlich eine kriegerische Seite. Im Zweiten Weltkrieg hatten sich dort die Deutschen in Bunkern verschanzt. Das Zweite Bataillon der US-Rangers hatte den Auftrag, diesen strategisch wichtigen Punkt noch vor der Landung der Alliierten in der Normandie zu erobern. Zwei Tage tobte der Kampf, bei dem die Amerikaner versuchten, die vorspringenden Klippen mit speziellen Leitern und Steighilfen zu erklimmen. Die Marineartillerie gewährte ihnen vom Wasser aus Feuerschutz. Trotzdem waren die Verluste hoch. Das Unternehmen gelang aber. Pointe du Hoc wurde eingenommen.

Heute erinnern zerborstene Bunker, betonierte Schützengräben, grasbewachsene Trichter und weitere Überbleibsel der Stellung in der hügeligen Landschaft an diese blutige Schlacht. Auf einem Pfad mit Infotafeln und Aussichtspunkten kann man sich tiefer in die Geschichte hineinfühlen. Einige Bunker kann man auch von innen erkunden.

Am Eingang zum frei zugänglichen Gelände befindet sich außerdem ein Besucherzentrum. Unseren T-Rex haben wir übrigens auf dem vordersten Parkplatz gleich rechts an der Zufahrt geparkt (GPS: N 49° 23′ 31.05″ / W 00° 59′ 24.02″). Der ist am womo-tauglichsten, wenn man sich nicht mit auf den Bus-Parkplatz (weiter links gelegen) schmuggeln will. Das Parken ist dort überall kostenlos.

Unser nächstes Ziel ist La Cambe, der größte von sechs deutschen Soldatenfriedhöfen in der Normandie (GPS: N 49° 20′ 35.05″ / W 01° 01′ 32.05″). Im multimedial modern ausgestatteten Informationszentrum (Eintritt gratis) kann man einigen Einzelschicksalen exemplarisch näher auf den Grund gehen, bevor man den schlicht gehalten Friedhof betritt. Von dem Hügel (mit Kreuz und Steinfiguren ) in der Mitte aus bekommt man ein eindrückliches Gefühl von der Weite des Geländes, auf dem fast 22.000 gefallene deutsche Soldaten zur letzten Ruhe gebettet sind. Dem ganzen Wahnsinn des Krieges setzt der Friedenspark mit einer Allee aus 1200 Ahornbäumen die Hoffnung entgegen, dass die nachfolgenden Generationen daraus ihre Lehre ziehen.

Nach so viel bedrückenden Impressionen brauchen wir etwas Stimmungsaufhellendes. Wir steuern den T-Rex nach Isigny-sur-Mer zur Boutique der dortigen Karamellbonbon-Fabrikation (GPS: N 49° 18′ 35.075″ / W 01° 06′ 05.07″). Letztere könnte man theoretisch auch besichtigen. Der Eintritt in die gläserne Manufaktur kostet 3,30 Euro pro Person. Doch an diesem Samstag (wir haben es übrigens gerade 12.20 Uhr) ruht die Produktion. Man müsste mit Filmchen und Schautafeln vorlieb nehmen. Wie entern daher lieber gleich das Geschäft, probieren den Unterschied zwischen Caramel (hart und „anhänglich“) und Caramel fondant (weich und schmelzend), erkunden in den Regalen die Vielfalt der Geschmacksrichtungen und Verpackungen (vom schlichten Klarsichtbeutel über die Camembert-Spanschachtel bis zur Schmuckdose) und bekommen einen Eindruck, was es hier sonst noch für typische regionale Spezialitäten gibt. Ein paar Mitbringsel hüpfen wie von selbst in den Einkaufskorb.

Den nächsten Halt (13.15 Uhr) legen wir in Saint-Côme-du-Mont (Gemeinde Caretan) im Multimedia-Museum D-Day-Experience ein (GPS: N 49° 19′ 47.02″ / W 01° 16′ 03.03″). Der Eintritt mit allem Drum und Dran (Museum, Simulator und 3-D-Kino) kostet regulär 19 Euro. Wir beginnen an der Dead Man’s Corner, einem Häuschen an der Kreuzung, wo sich der ehemalige Kommandoposten der Grünen Teufel des Majors von der Heydte befand. Es ist noch in etwa so eingerichtet wie damals. Statt Menschen bevölkern jedoch richtig gut hergerichtete „Schaufensterpuppen“ die Räume und veranschaulichen einige Situationen, als die Schlacht um Caretan losbrach. Zurück im Hauptgebäude stromern wir ein bisschen durch die dortige Ausstellung im Erdgeschoss, die mit einer Vielzahl an originalen Alltags- und Kriegsgegenständen aller Kriegsparteien aufwartet: vom Erste-Hilfe-Set bis zu Eisenhowers Lederjacke.

Jetzt nähert sich langsam das Boarding wir für unseren für 14 Uhr „gebuchten“ Simulator-Flug. In der Wartezone entdecken wir vorher noch den „Rupert“, eine Fallschirmpuppe aus Sackleinen, die – in Massen abgeworfen – die Aufmerksamheit der deutschen Feinde in die falsche Richtung lenken sollte. Aus der Ferne und im diffusen Licht war schließlich nicht zu erkennen, dass es nur kleine Menschenattrappen waren, die Richtung Boden segelten. Es wurde wirklich mit allen Tricks gearbeitet…

Aber nun geht es für uns in den Briefing Room. Ein virtueller Offizier weist uns ein, wie wir uns als Fallschirmspringer bei der Landung in der Normandie verhalten sollen. Dann dürfen wir in die Maschine, rollen ruckelnd über das Startfeld, heben ab, geraten in Luftlöcher und kurz darauf unter schweren Beschuss. Es kommt, wie es kommen muss – nämlich zur Bruchladung. Rauch zieht durch die Maschine… Aber wir dürfen zum Glück weiterleben und die zweite Etage der Ausstellung erkunden. Auch hier werden einige Szenen mit menschengroßen Puppen dargestellt, darunter die Befreiung von Cherbourg (wenn wir die Schilder richtig deuten). Eine große Rolle spielt in der Ausstellung auch die 101. US-Luftlandedivision, deren Abzeichen ein schreiender Adler ist.

Uns ist jetzt aber nach Kino. Um 15 Uhr betreten wir (ausgerüstet mit 3-D-Brillen und „Horchlöffeln“, die uns später simultan zum französischen Original den englischen Text aufs Ohr donnern) den Saal. Zwei Filme werden zur geschichtlichen Einbettung des bisher Angeschauten gezeigt. Action ist auch mit drin, aber es bleibt einigermaßen erträglich. Viel befremdlicher erscheint uns, was man alles zu Liebhaberpreisen an Kriegssouvenirs kaufen kann…

Wir brauchen das nicht und besteigen wieder den T-Rex, der uns ohne Knurren und Murren nach Barfleur transportiert. Gegen 17.10 Uhr treffen wir am Gratis-Stellplatz ein (GPS: N 49° 40′ 27.06″ / W 01° 15′ 54.09″), der schon gut belegt ist (gut 20 Womos haben dort Platz), uns aber trotzdem noch eine schöne Lücke bietet. Wir können sogar noch hinter unserem Gefährt die Klappstühle platzieren und auf den rückwärtigen schilfbewachsenen Damm ausrichten. Auf der Vorderseite trennt eine teilweise zwei Meter hohe Mole den Platz am Straßenrand vom felsgesäumten Strand. Auf der Mole kann man bequem spazieren gehen und hat einen superschönen Blick zum Leuchtturm von Gatteville.

Nach dem Molengang lassen wir uns auf den Stühlen nieder. Die Sonne scheint warm auf uns herab, das Schilf raschelt, eine Ente watschelt an unseren Füßen vorbei und begutachtet die Fahrräder der niederländischen Platznachbarn… Entspannung pur!

Nach dem Abendessen folgt ein kleiner Verdauungsspaziergang in grober Leuchtturm-Richtung – bei traumhaftem Abendlicht. Die ganzen sechs Kilometer dorthin und wieder zurück sparen wir uns jedoch. Dafür gehen wir später (gegen 21.30 Uhr) noch einmal los, diesmal in Richtung des Ortes, der nur 577 Einwohner, aber eine trutzige Kirche und einen schmucken kleinen Hafen mit Fischerbooten und einladend leuchtenden Lokalen hat.

 


Tag 9 – 8. September 2019
Von Barfleur nach Cherbourg

Heute pulen wir uns mal etwas später aus den Federn. Das Meer rauscht immer noch, wenn auch nicht mehr ganz so heftig wie in der Nacht, und die Sonne lacht uns auffordernd entgegen, während sich einige Wolken höchst dekorativ über den blassblauen Himmel verteilen. Trotz der Wohnmobil-Reihe bayeux-teppich’schen Ausmaßes herrscht – wie schon in der Nacht – eine himmlische Ruhe. Hier hat offenbar keiner einen Hund dabei – und wenn doch, muss der von mucksmäuschenstiller Natur sein.

Um kurz nach 11 Uhr brechen wir dann aber doch auf. Eine Viertelstunde später halten wir für ein Abschiedsfoto am Phare de Gatteville (GPS: N 49° 41′ 40.01″ / W 01° 16′ 02.06″), und dann geht es geradewegs nach Cherbourg.

Eine Stunde danach sind wir schon in Cherbourg. Leider ist der von uns vorgesehene Stellplatz (Allée du Président Menut, kostenlos, mit Ver- und Entsorgung) trotz der gut 30 verfügbaren Stehflächen schon komplett voll (GPS: N 49° 38′ 33.01″ / W 01° 37′ 04.00″). Schräg gegenüber schließt sich aber ein Parkplatz-Bereich an, der etwas geschützter an der Promenade gegenüber des Yachthafens liegt. Und wo auch schon etliche Wohnmobile (zu 98 Prozent Franzosen) hin ausgewichen sind. Also gesellen wir uns dazu und ergattern eine Position mit Sonne und Schatten (Baum!) zugleich – plus Aussicht auf das Mastenmeer der Bötchen auf der einen Seite und auf das „Heck“ der Cité de la Mer auf der anderen Seite.

Letztere ist heute unser Hauptziel. Untergebracht ist die Meeresstadt im ehemaligen Transatlantischen Bahnhof gleich neben dem Fährhafen (Stena Line und Co. lassen grüßen). Die Eingangshalle an sich ist schon beeindruckend. Aber wenn man 19 Euro Eintritt zahlt, bekommt man noch viel viel mehr (Meer) zu sehen. Wir beginnen mit dem Aquarium – supermodern mit tollen Beleuchtungseffekten und interaktiven Möglichkeiten, mehr über das Meer, seine Bewohner und Erforscher zu erfahren. Im Streichelbecken warten Rochen, Katzenhai und Pfeilschwanzkrebse auf Körperkontakt. Die Haut des Katzenhais fühlt sich wie Samt an, der Panzer des weißen Pfeilschwanzkrebses wie Hartgummi. Den Rochen haben wir lieber mal ausgelassen. Dafür haben wir in einem anderen „Schaufenster“ Nemo gefunden – und natürlich noch andere Schwimmtiere.

Über mehrere Etagen erstreckt sich dieser Bereich der Cité de la Mer. Anderthalb Stunden kann man hier locker zubringen. Wir kürzen etwas ab (man muss ja nicht jeden Knopf drücken, jedes Filmchen gucken und jede Lauschmuschel ans Ohr drücken) – und wechseln im Erdgeschoss zum U-Boot „Le Redoutable“ hinüber.

Bei diesem handelt es sich um das erste französische Atom-U-Boot (die Reaktioren sind aber zum Glück ausgebaut worden), das gleichzeitig das größte öffentlich ausgestellte Museums-U-Boot der Welt ist. Die Audioführung lotst uns auch hier passgenau (und auf deutsch) durchs Innere. Man kann auf einer Extra-Route auch außen um das U-Boot herum gehen und wird dort per Erklärtafeln erleuchtet (das machen wir später auch noch…).

Jetzt aber müssen wir zur vorgebuchten Zeit am Schalter sein, um an der simulierten Tauchbootfahrt auf dem Grunde des Meeres teilzunehmen. Ähnlich wie im Disneyland werden die Mitfahrenden in separate Reihen aufgeteilt. Damit jeder weiß, zu welcher Expeditionsgruppe er gehört, bekommt man zudem Plaketten mit einem bestimmten Meerestier umgehängt. Dann wird Reihe für Reihe in die Vorbereitungskammern belotst, wo ein virtuelles Forscherteam die Expeditionsteilnehmer einweist (für Nicht-Franzosen gibt es den Englisch-Audioguide aufs Ohr). Unter anderem wird die eigene „Seegängigkeit“ erprobt und das Einmaleins der Unterwasserkommunikation einstudiert. Dann geht jede Gruppe in seine Taucherglocke und blubbt virtuell unter Wasser – und taucht dann rasant ab bis in die tiefsten und dunkelsten Tiefen der Tiefsee. Cool gemacht, mit Interaktion der Besucher, die streckenweise auch fotografiert und gefilmt werden (was am Ende noch eine Rolle spielt). Denn nach dem Wiederauftauchen gibt es noch eine Abschlussbesprechung samt Film über die gerade vollendete Expedition (und natürlich mit den eingefügten Bildern und Sequenzen – zum Kringeln).

Im Anschluss entern wir den Kino-Saal. Dort sehen wir nacheinander einen Film über die Normandie und das Meer sowie einen Film über die Befreiung Cherbourgs 1944 an (beides englisch untertitelt). Danach schauen wir kurz in die gigantische Abfertigungshalle für die Passagiere und Auswanderer. Im Anschluss huschen wir noch durch die Titanic-Ausstellung (die lief Cherbourg auf ihrer Jungfernfahrt an), werfen einen Blick in die exemplarisch aufgebauten Kabinen der dritten bis ersten Klasse und sonstigen Räume. Für die Panoramaschau zur Eisberg-Kollision haben wir allerdings keinen Nerv mehr (wir wissen ja, wie es ausgeht). Stattdessen stöbern wir in der Museumsboutique. In der Eingangshalle will auch noch ein Fünf-Cent-Stück hübsch zerquetscht und in einer Mini-Plakette mit einem Nemo-Fisch darauf verwandelt werden.

Fast sind wir schon wieder draußen aus der Cité de la Mer, da entdecken wir zwischen den verschiedenen Meeresforscher-Fahrzeugen in der Eingangshalle noch eine kleine Sonderschau über die Befreiung Cherbourgs. Die nehmen wir auch noch mit. Dann hopsen wir in unseren T-Rex für eine Pause, bevor es um 18.30 Uhr zu Fuß in die Innenstadt geht. Wir entdecken unter anderem einen Eck-Bäcker (Maison Toulorge), der noch geöffnet hat. Dort decken wir uns mit Baguette, Croissants, Pain au Chocolat und Tarte aux Poires ein. Auf dem Rückweg entdecken wir noch die Manufaktur der berühmten Regenschirme von Cherbourg. Eine Stunde später sind wir wieder am Wohnmobil. Abendbrot-Zeit!!! Yam-yam!

 


Tag 10 – 9. September 2019
Durch Klein-Irland

Zeitig brechen wir auf, um auf dem regulären Stellplatz die Ver- und Entsorgung zu nutzen, bevor das vielleicht auch alle anderen gleichzeitig wollen. Sowohl das Trinkwasser-Zapfen als auch Brauchwasser-Ablass und Kassetten-Entleerung sind gratis. Daneben stehen auch noch geräumige Abfallcontainer zur Mülltrennung (schön anschaulich bebildert, damit jeder weiß, was wo hineinkommt – könnten die in Deutschland auch mal machen).

Dann heißt es „Tschüs Cherbourg“ und „Willkommen auf der Route des Caps“. Letztere führt uns durch einen urwüchsigen Teil der Normandie, der auch Klein-Irland genannt wird. Und das zu Recht! Gelber Ginster, Schafe auf den Wiesen, graue „Cottages“ und grandiose Klippen säumen den Küstenweg, der sich an der Westseite der Contentin-Halbinsel herunterschlängelt. Im Dunst des regnerischen Tages lassen sich außerdem Schemen der Kanalinseln unter britischer Krone erkennen. Am besten zu sehen ist Alderney.

    

Einen ersten Kurz-Zwischenstopp legen wir am Wanderparkpatz Landemer ein (GPS: N 49° 40′ 46.00″ / W 01° 46′ 11.01″). Hier eröffnet sich in idyllischer Waldeinsamkeit ein prima Ausblick auf die Küstenlinie bis zur Pointe de Jardeheu. Den hat offenbar schon der Maler Jean-François Millet (1814 bis 1875) geliebt. Jedenfalls hat er ihn in dem Landschaftsbild „Les Falaises de Gréville“ verewigt, wie die Schautafel am Ausguck es abbildet. Heute finden sich hier auch Picknicktische (wo frühere Besucher es sich offenbar haben schmecken lassen, wie ein übrig gebliebene Austernschale vermuten lässt).

Wir selbst bekommen auch langsam Hunger und suchen uns als Frühstücksplatz die Bucht Saint Martin bei Digulleville aus (GPS: N 49° 42′ 37.00″ / W 01° 52′ 05.042″), wo uns der französische Steh-Nachbar zur Begrüßung enthusiastisch aus seinem Womo zuwinkt und stolz seine beiden Minidackel im Cockpit präsentiert. Putzig.

  

Am Stellplatz Auderville-Goury halten wir kurz, um zum Phare de Goury zu blicken (GPS: N 49° 42′ 50.04″ / W 01° 56′ 04.08″). Es folgt vor Jobourg eine Stippvisite am Wegesrand mit tollem Blick auf die Baie d’Écalgrain und die schon erwähnten Kanalinseln (GPS: N 49° 41′ 53.01″ / W 01° 56′ 19.06″). Weitere Panoramen folgen entlang der Route des Caps. So oft kann man gar nicht anhalten und fotografieren. Den Belvedere du Thot (vor Biville) steuern wir wegen der vorgelagerten Dünenlandschaft aber trotzdem für einen Zwischen-Foto-Stopp an (GPS: N 49° 37′ 08.02″ / W 01° 50′ 06.06″).

        

Aber es gibt hier ja nicht nur Küste zu sehen. In Flamanville lassen wir uns vom Navi zum gleichnamigen Schloss am Ortsende leiten (GPS: N 49° 31′ 35.08″ / W 01° 52′ 02.04″). Auf der recht geräumigen Parkbucht gegenüber lassen wir den T-Rex stehen und betreten den frei zugänglichen Landschaftspark des Chateaus. Der ist 24 Hektar groß. Wir entscheiden uns für einen kurzen Gang entlang des Wassergrabens und wenden uns dann noch einmal um, weil in der Gegenrichtung der Dahliengarten ausgeschildert ist. Und die Dahlien sollten ja jetzt wohl blühen. Wir gehen durch ein kleines Tor in der Steinmauer und stoßen auf ein Riesenfeld mit den unterschiedlichsten Sorten (und Farben) der mexikanischen Schönheit. Ein Schild an der Mauer informiert darüber, dass hier wohl die größte Dahlien-Sortensammlung Frankreichs gehegt und bewahrt wird.

           

Weiter geht es zum Cap de Carteret. Als wir auf dem Parkplatz (GPS: N 49° 22′29.04″ / W 01° 48′ 12.02″) eintreffen, tut das auch der Regen. Und der ist gekommen, um erst einmal zu bleiben. Also machen wir uns eine große Portion Dosen-Eintopf auf. Etwas Warmes braucht der Mensch… Danach ziehen wir die Gummistiefel an und gummieren uns auch obenherum und marschieren den restlichen Weg hinauf zum Leuchtturm. Wir checken den kleinen Touri-Shop unten im Gebäude, sparen uns aber (wegen des Wetters) die drei Euro für die Turmbesteigung. Stattdessen talpen wir ein bisschen um den Leuchtturm herum, doch der Regen treibt uns schnell wieder zurück zum Wohnmobil.

Angesichts der Nässe sehen wir von weiterem Küstengucken ab und fahren so direkt wie möglich nach Avranches. Leider sind wir etwas spät dran. Alle 15 Plätze des kommunalen Womo-Stellplatzes (GPS: N 48° 41′ 11.02″ / W 01° 22′ 05.03″) sind bereits besetzt. Hmmm… 2013 sind wir schon mal in dem Ort abgeblitzt. Da waren wir zwar mit dem normalen Pkw unterwegs, aber damals war wegen der Tour de France kein Hotelzimmer mehr zu bekommen (auch nicht im Etap-Hotel). Nun ist es, wie es ist. Von der Stellplatz-App des Navis lassen wir uns zur nächsten Alternative weiterleiten: auf den Gratis-Stellplatz von Ducey, gleich neben dem Boulodrome, aber auch schräg gegenüber eines Industriegebietes (was aber zum Glück von hohen Bäumen einigermaßen abgeschirmt wird) – GPS: N 48°37’30“ / W 01°17’39“. Außerdem müssen sich die Womos den Platz mit den Lkws teilen. Wahrscheinlich gäbe auf der weiteren Route doch noch ein paar schönere Plätze. Aber nach dem vielen Fahren haben wir an diesem Abend keine großen Sprünge mehr vor. Und von hier aus ist es immerhin nur noch ein Katzensprung bis zum Mont St. Michel, den wir am nächsten Tag anpeilen. Unsere Strategie: Wenn wir am späteren Morgen auf den großen Bezahl-Parkplatz rollen, können wir das 24-Stunden-Ticket, das man dort lösen muss, voll ausnutzen und müssen am Abreisetage auch nicht allzu früh aus dem Bett purzeln…

Also muggeln wir uns in Ducey ein, schlürfen Tee und mümmeln die Tartes aux Poires (Birnentörtchen) aus Cherbourg. Leeeecker!!!

 


Tag 11 – 10. September 2019
Mont St. Michel

Die Nacht war bis zum frühen Morgen ziemlich durchregnet. Gegen 4 Uhr landete dann auch noch ein schwerhöriger Lkw-Fahrer samt lauter Musik an. Trotz dieser Schlafunterbrechungen sind wir am Morgen aber dennoch so ausgeruht, dass wir uns über den wiedergekehrten blauen Himmel freuen können (auch wenn seit mindestens 7 Uhr schon einiges an Lkw vorbeigerauscht ist). Bevor wir den Stellplatz verlassen, ist aber noch ein Abschiedsfoto von der rosa angepinselten Kühl-Gefrierkombination fällig, die nahe des Toilettenhäuschens steht. Beide Schapps sind mit Büchern zum Gratis-Mitnehmen vollgestopft.

Nun heißt es jedoch Kurs auf den Mont St. Michel. Gegen 10.10 Uhr rollen wir auf den für Wohnmobile vorgesehenen Parkplatz P8 (GPS: N 48°36’30.02″ / W 01°30’28.01″). Ab jetzt dürfen wir 24 Stunden hier stehen bleiben – für 17,60 Euro, zahlbar irgendwann zwischendurch an einem der vielen Automaten oder bei der Ausfahrt direkt an der Schranke mit Karte. Wir schnüren den Rucksack und die Schuhe, stiefeln zur Haltestelle mit den kostenlosen Shuttlebussen und reihen uns in die (diverser Reisebus-Gruppen sei „Dank“) schon ordentlich lange Warteschlange ein. Schritt für Schritt geht es jedoch voran, bis auch wir einen (Steh-)Platz im Shuttle gefunden haben. Am Ende des Gezeitendammes spuckt uns der Bus wieder aus.

     

Dort herrscht gleich Foto-Stopp-Stau, weil alle den (nun zum Greifen nahen) Klosterberg auf einmal ablichten wollen. Er könnte ja sonst weglaufen… Aber Himmel und Sonne zeigen sich und den Berg im Watt gerade von seiner schönsten Seite. Also wollen wir nicht meckern und drücken ebenfalls auf den Auslöser.

      

Am Tor zur Inselfestung beginnt der Strom durch die enge Geschäftsgasse (Grande Rue), mit dem wir ebenfalls ein paar Meter mitschwimmen. Dann aber schießen wir quer, um zum Touri-Büro mit integrierter Poststelle zu gelangen. Neue Briefmarken müssen her und zwei schon geschriebene Karten eingesteckt werden. Danach überlassen wir uns wieder dem Sog, taxieren im Vorbeischwimmen das kulinarische und andenkentechnische Angebot und treiben immer höher und immer näher auf die Treppen zur Abtei auf der Bergspitze zu. Für zehn Euro gibt es Einlass.

 

Von der großen Terrasse aus hat man einen einfach nur traumhaften Blick auf die Bucht samt Mini-Wandergruppen im Schlick, die grüne Polderlandschaft und zur nördlich gelegenen Nachbarinsel Tombelaine. Zutrauliche Möwen hocken statuenhaft auf der steinernen Balustrade und schauen einem tief in die Augen (wahrscheinlich hoffen sie aber einfach nur auf einen Keks oder so etwas). Von alledem kann man sich eigentlich kaum losreißen. Wir tun es trotzdem, um die Abteikirche zu besichtigen.

  

Die erscheint – dank der exquisiten Lage – noch einmal extra lichtdurchflutet. Das muss man auf sich wirken lassen. Und da in wenigen Minuten (um 12.15 Uhr) sowieso eine Messe beginnt, bleiben wir einfach in den Bänken sitzen und werden Zeuge, wie einer der Mönche höchst publikumswirksam das lange Seil im Gang betätigt, um die Glocke hoch-hoch-hoch über uns zu läuten. Weitere Mönche und Nonnen (die Brüder und Schwestern der Gemeinschaft von Jerusalem) nehmen kniend und auf kleinen Hockbänken vor dem Altar Platz. Die Messe selbst ist natürlich auf Französisch und vieles wirkt – bei manchen Gemeinsamkeiten mit deutschen Gottesdiensten – doch sehr anders. Die Gesänge zum Beispiel klingen eher nach Art von Taizé. In der Predigt geht es um St. Aubert, dem als Bischof von Avranches im Jahr 708 der Erzengel Michael im Traum erschien. Danach sah Aubert es als seinen Auftrag an, eine Andachtsstätte auf dem 78 Meter hohen Felskegel im Meer zu gründen.

     

Nachdem wir mit Hilfe des deutschsprachigen Faltblattes auch noch die anderen öffentlich zugänglichen Räume, Kreuz- und Wandelgänge erkundet haben, machen wir uns wieder an den Abstieg. Einen kurzen Schwenk hat allerdings noch die Festungsmauer verdient, die man auf einem Extraweg erwandern kann. Dann müssen noch ein paar Ansichtskarten und Souvenirs ausgewählt werden. Ein weiterer Abstecher folgt zur Pfarrkirche St. Pierre, die von Johanna von Orléans gut bewacht wird und in der ein silbernes Abbild des goldenen Erzengels auf der Glockenturmspitze der Abtei zu bewundern ist.

   

Im „Chapeau Rouge“ finden wir außerdem einen kleinen freien Zweiertisch im vorderen Bereich der urigen Lokalität, wo wir uns Crepes mit Zucker und gesalzener Butter munden lassen. Einfach, gut und lecker! Gemütlich schlendern wir anschließend zurück zum Busplatz, quetschen uns ins nächste verfügbare Vehikel und entern um 15.30 Uhr wieder den T-Rex, um ein bisschen zu entspannen, irgendwann Abendbrot zu essen, einen Abendspaziergang zu machen, „Dr. Who“ (Start der neuen Staffel) zu gucken und noch einen Abendspaziergang zu machen (diesmal in Begleitung einiger jagender Fledermäuse und bei der Rückkehr begrüßt von einer freudig (?), naja, auf jeden Fall lautlos auf uns zuschwebenden Eule.

 


Tag 12 – 11. September 2019
An die bretonische Küste (Côtes d’Armor)

Pünktlich vor Ablauf unserer 24-Stunden-Parkzeit (also gegen 10.10 Uhr) verlassen wir den Platz am Mont St. Michel. Nun will die Bretagne erobert werden. Diesmal sparen wir uns aber das Klein-Klein-Küstengekurve. Auf schneller Strecke geht es westwärts, wobei wir das 1966 erbaute Gezeitenkraftwerk Usine marémotrice de la Rance passieren und gegen 12 Uhr am Strand von Plouha (Plage Bonaparte) landen – GPS: N 48°42’24.09″ / W 02°55’26.09″. Wir rollen durch waldiges Gebiet auf Parkplatz zu, stellen uns ganz am Ende neben zwei dort schon postierte Womos – und staunen über den wunderschönen Blick, der sich allein schon durch die Windschutzscheibe bietet.

Nach ein paar Schritten den steinigen Weg hinunter sehen wir dann auch noch einen traumhaften Strand aufleuchten. Also noch mal zurück, auf kurze Hose und Badeschuhe umgeschaltet und dann nichts wie hinunter zum Meer und zu der weiten Strandfläche davor. Der Sand ist so fein, dass er im Wasser glimmert. Eigentlich könnte man eine Runde schwimmen gehen, zumal nach dem bedeckten Tagesbeginn der Himmel jetzt immer mehr aufklart. Pittoreske Felsformation aalen sich bereits in der Sonne, einige von ihnen mit Unmengen von Miesmuscheln bewachsen. Wir dagegen haben es auf die Muschelschalen am Wassersaum abgesehen.

              

Gleich der erste Fund ist ein Knaller! Eine perfekt geformte Jakobsmuschel. Nun hat uns das Jagdfieber gepackt. Wir finden ein paar schön große gerippte Herzmuscheln – und fast ganz zum Schluss noch eine viel größere Jakobsmuschel. Und darum herum diese grandiose Landschaft. Schöner kann man gar nicht wassertreten.

Auf dem Rückweg zum Womo widmen wir dem gemauerten Tor an der Seite einen näheren Blick. Es trägt nicht nur die Inschrift „Plage Bonaparte“, sondern wartet auch mit einer kleinen steinernen Gedenktafel auf. Denn diesen Namen hat der Strand erst seit dem Zweiten Weltkrieg. Hier organisierte nämlich 1944 das Netzwerk Shelburn gemeinsam mit der französischen Résistance die Flucht abgeschossener alliierter Piloten. Sie wurden aus vielen Teilen Frankreichs hierher an den Strand (Codename: Bonaparte) gebracht und des Nachts mit Booten über den Ärmelkanal nach England gebracht. 142 Piloten und Agenten wurden so gerettet.

Nach ausgiebigem Strand-Abmessen reißen wir uns los von diesem wunderschönen Ort und fahren fix weiter nach Lannion, wo wir uns auf dem Gratis-Stellplatz nahe des Flusses Léguer (Quai de Maréchal Foch) platzieren (GPS: N 48°43’59.02″ / W 03°28’05.00″). Dort dürfte man sogar 48 Stunden am Stück stehen. Wir muggeln uns jedoch erst einmal ein, weil aus dem seit dem Nachmittag heruntersprühenden Nieselregen inzwischen Bindfäden geworden sind.

Als der Regen kurz mal nachlässt, wagen wir einen Spaziergang (mit Einkaufsabsichten) ins rund 600 Meter entfernte Stadtzentrum. Dabei kommen wir an der Gebäudebox des Touristenbüros vorbei und gehen kurzentschlossen hinein. Prompt werden wir von einem netten Mitarbeiter angesprochen. Wir radebrechen die Frage, ob es auch Informationsmateriel auf deutsch gibt. Sofort wechselt der Herr (der dem Zungenschlag zufolge aus dem Flandrischen stammen könnte) in ein nahezu makelloses Deutsch über, versorgt uns mit Karten und Broschüren – und gibt uns anhand einer der Faltkarten, die er fleißig mit Kreuzen und Notizen versieht, enthusiastische Tipps für eine kleine Womo-Rundtour entlang der Rosa-Granit-Küste. Er vergisst dabei auch nicht zu erwähnen, dass auf der kleinen Insel vor Ploumanac’h das Schloss von Dieter Hallervorden steht. Da haben wir am nächsten Vormittag ja einiges vor!

    

Wir bedanken uns (erfreut über so viel Begeisterung) für die Beratung und stromern weiter Richtung Innenstadt, wo ein paar hutzelige Fachwerkhäuser auf uns warten, dazu ein Bäckereibesuch (zwei Baguettes müssen mit) und eine Fleischervisite (das von uns erbetene Steak haché wird direkt vor unseren Augen von einer Spezialmaschine in Form gebracht – oben kommt das Stück Rind hinein, unten kommt es „gehäckselt“ als dicke Hamburgerbulette wieder hinaus). Zur Komplettierung der Einkäufe drehen wir noch eine Runde im örtlichen Carrefour-Minimarkt, dann geht es im Eiltempo (der Nieselregen hat wieder zugelegt) zurück zum T-Rex. Es soll ja noch ein bisschen was gekocht und gebraten werden…

 


Tag 13 – 12. September 2019
Von der Côte de Granit Rose ins Finistère

Vor der Abfahrt aus Lannion müssen wir dringend entsorgen und könnten auch neues Frischwasser gebrauchen. Also steuern wir den zweiten Stellplatz der Stadt (Rue de Roud ar Roc’h) an, der etwa zwei Kilometer vom Zentrum entfernt liegt, aber eben eine Ver- und Entsorgungsstation hat (GPS: N 48°43’28.01″ / W 03°27’01.00″). Im Anschluss an die Pflicht picken wir uns ein paar der Tipps heraus, die man uns im Office de Tourisme ans Herz gelegt hat. Also halten wir uns zunächst Richtung Trébeurden und erreichen mit der Pointe de Bihit unseren ersten Haltepunkt. Vom Parkplatz am Ende der Straße La Roche Mignonne sind es nur noch ein paar Schritte bis zum Aussichtspunkt (GPS: N 48° 45′ 36.02″ / W 03° 34′ 39.05″). Dort eröffnet sich uns ein malerischer Blick auf Klippenformationen und eine Bucht mit Schiffchen. Wir wagen eine kurze Wandertour mit ein bisschen Steine-Überklettern um die kleine Erhöhung auf der Landspitze.

     

Dann fahren wir zum nächsten auserwählten Kringel auf der Karte: auf die Île-Grande. Wir fahren bis ganz unten an die äußerste Spitze, wo im Hafen von Saint-Sauveur gerade an einem kleinen Stand frischer Hummer und Fisch verkauft wird. Darum herum scharen sich örtliche Abnehmer. Wir dagegen machen nur ein Foto (oder zwei) und spazieren ein bisschen am Strand herum, wo Leute mit Harke und Eimern dem „Fußfischen“ (Pêche à pied) frönen. Zu Fuß könnte man nun auch die Insel einmal umrunden. Das wären sieben Kilometer, was nach Einschätzung des Touri-Mannes zweieinhalb Stunden dauern würde. Wir steuern lieber mit dem T-Rex (den wir an der breiten Zufahrt zum engen Hafenparkplatz an der Rue de Molène geparkt hatten) das nächste Ziel an: Trégastel.

      

Wir finden einen geräumigen Parkplatz am Ende des Ortes, wo auch gleich eine Surf- und Tauchschule Posten bezogen hat (GPS: N 48°49’44.08″ / W 3°31’26.05″). Auf einem kleinen Dünenweg gelangen wir zum Strand. Und der Mann aus dem Office de Tourisme hat nicht gelogen: Die Szenerie dort ist einen Abstecher wert! Tolle Felsen türmen sich vor uns im Wasser auf, schimmern rosa in der Sonne und sind so glatt geschliffen wie skandinavische Schären. Prima zum Daraufherumlaufen. Was wir natürlich tun. Auch hier wäre eine schöne Badestelle, wenn wir nicht noch weiter wollten – nach Ploumanac’h.

    

Nach den Schilderungen „unseres“ Touristikers ist man nicht an der Côte de Granit Rose gewesen, wenn man diesen Ort nicht besucht hat. Wir rollen in den Ort und hätten vermutlich gleich am ersten Hafengelände auf dem Parkstreifen am Rand stehen bleiben und zu Fuß weitergehen sollen. Aber unser Navi verspricht uns noch einen richtigen Parkplatz. Dazu müssen wir uns durch ein Gewirr enger Straßen fummeln, die noch dazu voller Touristen sind, die vermutlich den gleichen Muss-Tipp wie wir zu hören bekommen haben. Am Ende finden wir den Groß-Parkplatz, müssten aber sechs Euro (für die Übernachtung, die wir ja gar nicht wollen) zahlen. Wir haben diesmal keine Lust, dem näher auf den Grund zu gehen oder uns zum Hafenparkrand zurückzuschlängeln. Man sollte sich ja auch immer was fürs nächste Mal übriglassen… Und immerhin haben wir ja vorher schon einige imposante rosa Felsen gesehen und sind zumindest einmal quer durch den Ort, den man gesehen haben muss.

Nun ist uns nach Sport(-Geschäft). Unsere letzte Rundfahrt-Etappe führt uns zur Decathlon-Großboutique kurz vor Lannion. Unsere Badeausrüstung will vervollständigt werden, da das Wetter immer besser wird. Wir erledigen diesen Punkt mit Erfolg.

Die komplette Umrundung der Bretagne werden wir in diesem Urlaub zwar nicht mehr schaffen, aber der westlichste Festland-Punkt – der ist machbar. Also los zur Landzunge Pointe de Corsen (GPS: N 48°24’53.08″ / W 04°47’38.00″). Dort veranschaulicht eine Keramiktafel in Windrosen-Form auch einige andere Enden der Welt.

  

Wir genießen das Gefühl, nun ganz wahrhaftig im Finistère angekommen zu sein. Ab hier geht außerdem der Ärmelkanal in den Atlantik über.
Nun aber wollen wir die Neuerwerbungen testen (Neopren-Shorties und ein Body Board, sprich: Surfbrettchen). Dazu probieren wir einen der Hausstrände von Brest aus, den Plage des Blancs-Sablons bei Le Conquet.

Wir platzieren uns auf dem P6-Parkplatz (GPS: N 48°21’55.06″ / W 04°45’58.02″), wo Womos im vorderen Bereich nicht durch eine „Teppichstange“ ausgeschlossen werden, ziehen uns um und gehen ein paar Steinstufen hinunter zum Sandstrand. Und schon auf den ersten Blick erkennt man, dass wir nicht mehr am Ärmelkanal sind. Hier rauscht der Atlantik mit voller Wucht über den Sand – ein Paradies für (Bauch-)Surfer, die jetzt am frühen Abend immer mehr werden. Am Ende zählen wir um die 50 Feierabend-Sportler plus wir zwei (einmal mit Brett, einmal ohne – man kann ja statt Wellengleiten auch Wellenhüpfen üben).
Nass, salzig und glücklich klettern wir wieder hoch zum T-Rex und legen uns trocken.

    

Unsere letzte Tages-Etappe führt uns nun zur Pointe St.-Mathieu, wo uns eines der beliebtesten Postkarten-Motive der Bretagne empfängt: ein Leuchtturm-Ensemble und eine verfallene Abtei, beides dramatische 30 Meter über dem Meer gelegen. Der Leuchtturm hat zwar schon seit 18.30 Uhr geschlossen, dafür bietet die Ruine den Vorteil, buchstäblich ständig offen zu sein. Wir genießen die besondere Atmosphäre inmitten der malerisch-kaputten Mauern und natürlich auch die grandiose Aussicht aufs Meer.

  

Wir finden es so schön hier, dass wir wieder ein paar hundert Meter zurückrollen und uns in eine der größeren Natur-Parkbuchten stellen, wo auch schon zwei andere Womos stehen (GPS: N 48°20’04.08″ / W 04°46’17.03″). Aber es ist genug Freiraum für alle da, so dass wir bequem läng zur schönen Aussicht einparken können. So kann der Sonnenuntergang kommen…

     

 


Tag 14 – 13. September 2019
Magical Mystery Tour von der Bretagne zurück zur Normandie

Wir lassen den Tag geruhsam angehen – mit einem Frühstück samt Aussicht aufs Meer (auch wenn die heute eher grau ist; Leuchtturm und Klosterruine sind sogar vom Nebel verhüllt). Während wir so vor uns hin schauen und kauen, sehen wir merkwürdige Bewegungen im Wasser. Nessie? Hier? Das verlangt einen Griff zum Fernglas.

Was wir sehen, ist dann doch kein Seeungeheuer. Stattdessen schnorchelt da einer, taucht ab und zu ab und fuchtelt dabei mit den Flossen in der Luft herum. Und: Er wird dabei beobachtet. Nicht nur von uns, sondern auch von ein, zwei, später auch drei grauen Köpfen, die dümpelnd aus dem Wasser gucken und ganz offensichtlich zu drei Seehunden gehören.

Als wir uns satt gegessen und gesehen haben, starten wir durch zu unserer ersten Rückreise-Etappe – auf der schnellstmöglichen Route Richtung Mont St. Michel. Ungefähr in der Mitte machen wir aber noch mal Zwischenstation auf einem Wanderparkplatz (GPS: N 48°00’21.02″ / W 02°17’11.02″) am Ortseingang von Tréhorenteuc im Waldgebiet von Brocéliande. In diesem Zauberwald nahm die Legende von König Artus ihren Lauf. Und das wird in dem kleinen Dorf auch konsequent ausgekostet. Alles steht im Zeichen von Merlin, Morgana, Lancelot und Co. – an den Gebäuden, in den Gebäuden, sogar in der kleinen Kirche. Dem kunstbeflissenen Abbé Henri Gillard ist es zu verdanken, dass das aus dem 17. Jahrhundert stammende Kirchlein (mit Beteiligung von zwei deutschen Kriegsgefangenen) in den Jahren zwischen 1942 und 1963 zur sogenannten Kappelle des Grals wurde. Die Kirchenfenster erzählen von dem heiligen Kelch und der Tafelrunde.

Im Ort wird darüber hinaus Lancelot-Bier und allerlei Hexen- und Kelten-Tand und -Kunsthandwerk angeboten. Für jeden Fangeschmack etwas.

   

Wir sausen weiter, erreichen relativ zeitig am Abend die Straße, die so malerische Ausblicke auf den Mont St. Michel bietet – suchen uns diesmal aber eine Gelegenheit zum freien Stehen. Die gibt es trotz der hohen Dichte an Bezahlplätze hier tatsächlich immer noch. Wir gesellen uns zu zwei Freicampern auf einem grünen Wall zwischen einem Maisfeld und einer Schotterpiste (vermutlich ein Parallelweg zum Parkplatz-Gelände des Mont St. Michel). Die Aussicht ist eindeutig besser als auf dem Bezahlplatz von der Hintour. Aber natürlich ist der Freiplatz viel weiter weg von den Gratis-Shuttlebussen zum Berg. Letzteren haben wir dafür nun direkt vor der Nase. So können wir hautnah mitverfolgen, wie der schwindende Tag den Mont St. Michel in fast schon lichtshowmäßig wechselnde Farb- und Leuchtstimmungen versetzt. Schööööööön!

       

 


Tag 15 – 14. September 2019
Morgens Einkaufen am Mont St. Michel – abends Kieselzählen an der Küste

Erst Frühstück de luxe mit Aussicht auf den Klosterberg, dann wir erst einmal ordentlich eingekauft. Zuerst im Atelier St. Michel am Wegesrand mit Café (GPS: N 48°36’51.03″ / W 01°29’54.07″), wo es normannische Butterkekse in allen möglichen Varianten, Tüten und Dosen, aber auch noch einige andere Leckereien gibt – dann fahren wir weiter nach Pontorson und besuchen eine Armor-Lux-Direktverkauf-Station mit weiteren regionalen Spezialitäten textiler (vorzugsweise maritim-geringelte Bekleidung) und kulinarischer Natur (GPS: N 48°33’36.07″ / W 01°30’29.6″). Auch dort werden wir fündig.

     

Und wieder starten wir durch, weil wir Strecke machen wollen. Einen kurzen Fotostopp legen wir bei Saint-Samson-de-la-Roque nahe der Seine-Mündung ein: zu Füßen der großen weißen Inlandsklippen mit dem Phare de la Roque in 50 Meter Höhe obendrauf – einem alten Leuchtturm, der heute als Aussichtspunkt dient (GPS: N 49°26’38.02″ / E 00°25’29.07″). Hätten wir vorher gewusst, dass man von dort einen wunderschönen Blick auf die Flussmündung, die Brücke der Normandie und die Städte Le Havre und Honfleur haben soll, hätten wir sicher noch einen Schlenker hinauf gemacht. Naja, hinterher ist man immer schlauer.

Beim Intermaché in Tôtes decken wir uns noch ein letztes Mal auf dieser Reise mit Lebensmitteln aus einem französischen Supermarkt ein. Dann geht es weiter Richtung Küste und Cayeux-sur-Mer. Wir probieren kurz den offiziellen Gratis-Stellplatz in Brighton-les-Pins (mit Wald-Ambiente – GPS: N 50°11’41.05″ / E 01°31’14.04″) aus, spazieren ein wenig durch den Sommerfrische-Ort bis zum Leuchtturm, entdecken an der Querstraße dahinter (Route Blanche) einen Parkplatz mit Blick auf die Dünen und entscheiden: Hier stellen wir uns mal lieber hin. Gesagt, getan. Damit sind wir endgültig wieder zurück in der nördlichsten Region Frankreichs (ehemals Nord-Pas-de-Calais, heute zusammen mit der Picardie Teil der Region Hauts-de-France).

   

Unser T-Rex steht nun mit der Schnauze genau vor einem Bunker-Überbleibsel aus dem Zweiten Weltkrieg, der neben einer Einfahrt mit Schranke liegt (GPS: N 50°11’43.09″ / E 01°30’45.06″) Der Kiesweg dahinter führt nicht nur zu einem Kies- und Stein-Lagerplatz, sondern nach einigen hundert Metern auch zum Strand. Wobei es bis zum Wasser noch mal einige hundert Meter hin sind. Denn dazwischen liegt ein breiter steiniger Strand und dann noch mal ein breiter Wattabschnitt. Dort tummeln sich bereits etliche Menschen mit Eimer und Harke. Aha. Die Fußfischer sind wieder unterwegs. Weitere kommen nach und nach hinzu. Es geht schließlich auf Samstagabend zu, da soll sicher noch das Abendbrot eingesammelt werden. Ein tolles Panorama. Und auf dem Weg dorthin kann man links auch noch den Hauptort Cayeux-sur-Mer mit seiner Badehäuschen-Galerie am Horizont ausmachen.

     

Auch für uns steht jetzt ein Abendbrot an. Wir belassen es jedoch bei Spaghetti mit französischem Rinderhack. Dazu blinzelt uns der rotäugige Leuchtturm verschwörerisch zu…

 


Tag 16
– 15. September 2019
Letzter Zwischenhalt in Frankreich und Wiedersehen mit der Obstregion am Niederrhein

Nun heißt der Kurs: zurück nach Deutschland. Einige Kilometer und zwei Länder liegen allerdings noch dazwischen. Und ein letzter Zwischenhalt in Frankreich muss auch sein. Den planen wir am Mittag in Douai ein (Parkplatz GPS: N 50°22’32.01″ / E 03°04’33.00″) – nie zuvor von dem Ort gehört. Aber der scheint doch größeren Kalibers zu sein. Auf jeden Fall wartet er mit einer schönen Innenstadt auf und mitten hindurch fließt der Fluss Scarpe. Imposant ist der von 1380 bis 1475 erbaute Glockenturm. Er ist 54 Meter hoch und sein Carillon mit 62 Glocken ausgestattet. Wir bekommen den Viertelstunden- und Halbstundenschlag mit – klingt schon ziemlich gut. Währenddessen umrunden wir das mit dem Turm verbundene Gebäude und stellen fest, dass das ja das Rathaus ist. Echt prächtig. Sehen lassen kann sich auch die Auslage des Eckbäckers (La Mie Câline), zu dem wir jetzt zurückschlendern. Wir gönnen uns zwei Buttercroissants und zwei Tartes Poire-Amande zum Mitnehmen.

     

Die Croissants verknuspern wir sofort. Der Rest kommt mit in den T-Rex. Und weiter geht die Fahrt – durch Belgien – durch die Niederlande – bis zum Schloss Dyck beziehungsweise dem dortigen Obst(saft)verkauf unseres Vertrauens (Parkplatz GPS: N 51°08’33.00″ / E 06°33’44.07″). Der hat auch am Sonntag noch bis 19 Uhr geöffnet. Wir nutzen die Gelegenheit und decken uns mit Jonagold-Saft ein, stöbern auch noch durch die zwei benachbarten Lädchen, die ebenfalls bis zum Einlass für den heutigen Lichterzauber (20 bis 24 Uhr) auf Schloss Dyck nebenan ausharren.

Ein kurzes Familientreffen auf dem Parkplatz im Grünen (die Messe-Stühle bewähren sich ein weiteres Mal) samt Tee und Mont-St.-Michael-Keksen ist auch noch drin. Danach suchen wir uns im Kreis Viersen einen Übernachtungsplatz – nämlich genau dort, wo wir auf der Hinfahrt wegen des Schützenfestes lieber doch nicht geblieben sind: auf dem Stellplatz Niers-Perle-Oedt (GPS: N 51° 19′ 22″ / E 06° 22′ 35″). Die ausgewiesenen Womo-Stellflächen sind diesmal allerdings komplett schon besetzt. Also tun wir, als wären wir ein normales Auto und stellen uns einfach gegenüber auf, wo wir trotzdem keinen behindern. Muss auch mal gehen…

 


Tag 17
– 16. September 2019
Rückkehr an die heimische Nordseeküste

  

Noch zwei letzte Fotos vom morgendlichen Stellplatz. Dann nix wie auf die Bahn (Autobahnen aber erst noch ausgespart, was wegen diverser Unfälle auf unserer Strecke gar nicht unschlau war, wie sich später herausstellt). Ausgiebiger Mittagsstopp auf dem Stellplatz in Ochtrup (GPS: N 52°12’48.09″ / E 07°11’21.05″), dann weiter (diesmal mit Autobahn) Richtung Heimat.
Ankunft in Wilhelmshaven: 18 Uhr.

Und das war’s!

2019 April / Mai – D, F, B, L

Unsere Fahrt  „2019 April / Mai“  – Deutschland / Frankreich / Belgien / Luxemburg

Statistik:
==========
Womo T334
Tage: 17 (vom 28.04.2019 bis 14.05.2019)
Kilometer: 3087 KM 
Tanken: 340 Liter = 410 € 
Fahrzeit: 72Std. 33Min.
Gas: 3 Flaschen, ca. 60 Euro 
Parkgebühren: ?  / Standgebühren: ?

Vorwort:

Wir freuen uns – denn das wird sie nun sein: unsere erste größere Fahrt mit unserem eigenen, gerade mal 6 Monate jungen, Carado T 334 Wohnmobil – unserem T-Rex.
Ob alles passt? Ob wir alles bedacht haben? Wir hoffen zumindest, dass der T-Rex uns nicht in Stich lassen wird! Von uns bekommt er jedenfalls alles, was er braucht – in diesem Fall: Diesel 😉

Die erste Reise soll erst einmal schnurstracks in den sonnigen Süden führen – was natürlich nur bedeuten kann: in die Eifel  und nach Lothringen (und ein bisschen drumherum) 😀

 

1. Tag 2019-04-28 Strecke: 5h00min 369km
1. Tag 2019-04-28 Strecke: 5h00min 369km

Erster Tag: Emmerich – Kleve

Zu Beginn heißt es Strecke machen. Über die A29, A1 und A31 steuern wir Richtung Emmerich am Rhein. Als Stellplatz haben wir uns den Parkplatz nahe der Rheinpromenade (Kleiner Wall) ausgeguckt. Etwa fünf Wohnmobile können dort am hinteren Rand

nebeneinander stehen. Als wir ankommen, ist nur ein Platz belegt. Weitere Service-Einrichtungen für Womos gibt es nicht, dafür ist man zu Fuß in wenigen Minuten am Rhein.

Wir umrunden die St. Martinikirche und gondeln dann auf der offenbar erst vor Kurzem neu gestalteten Promenade am Wasser entlang. Viel zu gucken: die Rheinbrücke Emmerich (mit 803 m die längste

Rheinbrücke mit Schifferdenkmal

Hängebrücke Deutschlands), Lastkahn-Verkehr auf dem Wasser, grüne

Stellplatz Emmerich

Nischen mit Skulpturen, schöne Häuserzeilen mit Café und Restaurants.

Wir entscheiden uns aber für ein Eis auf die Hand beim Eiscafé Italia (lecker!). Noch eine kurze Runde durch den Rheinpark und dann durch die Innenstadt zurück Richtung Rheinmuseum und Parkplatz. Da haben inzwischen weitere Womos Station gemacht. Wir aber wollen woanders übernachten und fahren weiter.

Uns schwebt Kleve als Nachtquartier vor. Wir testen einige Vorschläge aus dem Bordatlas: Kleve-Kellen (Parkplatz der Sporthalle, okay, aber nicht unser Favorit), Kleve-Rindern (Parkplatz am Bürgerhaus, idyllisch) und Kleve-Tiergarten (von hohen Bäumen umstandener

Stellplatz Kleve-Rindern

Parkplatz – aber schon tüchtig belegt durch eine niederländische Wagenburg mit Kind und Kegel und Hunden). Nach einem Spaziergang in der historischen Gartenanlage am Tiergarten (und dem imposanten Schauspiel eines radschlagenden Pfauerichs) entscheiden wir uns für den Stellplatz im Bürgerhaus in Rindern (Drususdeich) – ebenfalls ohne Ver- und Entsorgung. Ein bisschen müssen wir rangieren, damit wir einigermaßen gerade stehen und die SAT-Schüssel zwischen den dichten Bäumen Empfang bekommt. Außerdem nutzt die Dorfjugend den Platz (mit Grillkote) offenbar gern als Treffpunkt. Aber trotzdem ist es ruhig, und kurz nach Einbruch der Dunkelheit sind wir für uns.

2. Tag 2019-04-29 Strecke: 1h30min 63km
2. Tag 2019-04-29 Strecke: 1h30min 63km

Zweiter Tag: Kleve -Xanten – Geldern

Nach dem Frühstück erkunden wir erst einmal zu Fuß die Umgebung. Schöne naturnahe Wohngegend. An den Kolken rasten Wildgänse. Vogelfreunde haben aber auch darüber hinaus viel zu gucken. Wir rollen weiter Richtung Xanten. Dort peilen wir den Archäologischen Park mit dem Römermuseum (Öffnungszeiten täglich von 9 bis 18 Uhr) an. Für Womos gibt es tagsüber massig Stellplätze auf dem Museumsparkplatz am Eingang Hafentempel (Übernachten ist hier leider nicht gestattet. Von dort könnte man )in wenigen Fußminuten sicher auch gut den mittelalterlichen Stadtkern erobern. Wir aber wollen sehen, wo die römische Siedlung gelegen hat. Dazu müssen wir erst mal ans Kassenhäuschen (Eintritt: Erwachsene neun Euro). Nach einem netten Schwatz mit der Kartenverkäuferin, die uns auch den Besuch der Therme ans Herz legt, welche natürlich ebenfalls eine Ausgrabungsstätte ist (wie wir uns schon gedacht haben, andere Besucher nach den Schilderungen der Kassiererin aber gerade eben nicht – also Handtuch und Schwimmreifen zu Hause lassen 🙂 ),  treten wir durch das Tor – und sind überwältig von der schieren Größe des Geländes. Hier breitete sich einmal die römische Stadt Colonia Ulpia Traiana aus. Jetzt liegt hier Deutschlands größtes archäologisches Freilichtmuseum und lädt zu einem Tages-Ausflug in die Geschichte ein.

Und die Zeit sollte man sich auch nehmen, um alles zu erkunden: vor allem die (angedeuteten) Nachbauten antiker Gebäude, allen voran der imposante Hafentempel mit einer Höhe von 27 Metern, die römische Herberge, das Amphitheater (mit „wildem“ Überraschungseffekt in den Katakomben) und und und…

Irgendwann müssen wir uns trotzdem trennen und ins Heute zurückkehren. Unser Übernachtungsplatz wird der Stellplatz am Sportplatz in Geldern-Veert. Ver- und Entsorgung gibt es nicht, dafür einen Blick aufs abendliche Fußballtraining. Nachts ruhig, trotz naher Gleise.

3. Tag 2019-04-30 1h47min 070km (link: Anhang Seite im Blog mit kommentarfunktion)
3. Tag 2019-04-30 1h47min 070km (link: Anhang Seite im Blog mit kommentarfunktion)

Dritter Tag:  Schloss Dyck – Schaan

Als Erstes steuern wir den Bezahl-Stellplatz von Geldern an (Reisemobilhafen Holländersee) und nutzen die Entsorgungsmöglichkeit für Grauwasser und Toilette (Wasser gäbe es für einen Euro/80 Liter).  Nächste Station danach ist das Schloss Dyck bei Jüchen (Rhein-Kreis Neuss). Vor dem Besuch versorgen wir uns noch beim Obstverkauf der Familie Kallen (Öffnungszeiten täglich, auch sonn- und feiertags, April bis Oktober: 9 bis 19 Uhr, November bis März 9 bis 18 Uhr). Dort gibt es nicht nur Äpfel und Erdbeeren, sondern einen der leckersten Apfelsäfte (Fünf-Liter-Kartons) überhaupt, dazu Honig, Pflaumenmus, Liköre und und und.

Schloss Dyck

Nun aber: Schloss Dyck (Sommersaison: Tagesticket 9,50 Euro, Abendticket gültig ab eine Stunde vor Schluss 5 Euro; Montag Ruhetag) !

Als Wasserschloss mit mehreren Vorburgen und englischem Landschaftsgarten gehört es zu den wichtigen Kulturdenkmälern im Rheinland. Gleichzeitig ist es ein Zentrum für Gartenkunst und Landschaftskultur. Im Park kann man einige Stunden zubringen, weitläufig, toll bepflanzt, Schaugärten im vorderen Teil.

 

 

Im Dorf Schaan (41363 Jüchen), das mehr oder weniger aus einer Hauptstraße und wenigen Querstraßen besteht, erleben wir das traditionelle Maibaum-Aufstellen des Heimatvereins mit. Gesungen wird auch, die Kinder tanzen um den Maibaum. Danach wird der Magen gefüllt. Ausnahmsweise dürfen wir auf einem nahe gelegenen Hofgelände übernachten.

4. Tag 2019-05-01 Strecke: 3h30min 118km
4. Tag 2019-05-01 Strecke: 3h30min 118km

Vierter Tag: Schaan – Aachen – Nideggen

Nach einem späten Mai-Frühstück nehmen wir Abschied und rollen via Bundesstraßen-Route nach Aachen. Die Suche nach einem citynahen Parkplatz, auf dem auch Womos stehen können, gestaltet sich doch ziemlich schwierig. Viel Gekurve, enge Gassen – kein Vergnügen. Doch kurz vor dem Aufgeben haben wir Glück. In der Mozartstraße schräg gegenüber von Misereor ist eine Parklücke frei (wir müssen allerdings rückwärts einpacken mit ordentlich Überhang über dem (an dieser Stelle zum Glück sehr breiten)  Gehweg. Und weil der 1. Mai ist, müssen wir auch kein Parkticket ziehen. Nach gut zehn Minuten zu Fuß sind wir beim Dom. Besuch = ein Muss! Schatzkammer (Eintritt: fünf Euro) = kann man machen, vor allem wenn man Karl-der-Große-Fan ist. Prächtige Reliquien. Bei der Printenbäckerei Nobis mit Konditorei-Café noch mit Backwerk eingedeckt, dann geht es zurück zum Womo. Und nun auf in die Eifel!

  

An die Serpentinen bergauf und bergab müssen wir uns erst wieder etwas gewöhnen, aber am Ende des Tages landen wir wohlbehalten in Nideggen.

Auf dem Parkplatz Danzley dürfen auch Wohnmobile stehen (ohne Ver- und Entsorgung). Ein Spaziergang in den Ort und zur Burg (Wiki-Link & Bild) (acht Gehminuten; freier Zugang) ist auch noch drin.

5. Tag 20190502 Stecke: 3h52min 168km
5. Tag 20190502 Stecke: 3h52min 168km

Fünfter Tag:  Monschau – Oleftalsperre – Gerolstein – Prüm – Pronsfeld – St. Vith (B)

Als erster Zwischenhalt bietet sich  Monschau an.   Wir haben Glück und finden gleich oberhalb des Städtchens direkt an der B 258 (Burgring) einen Parkplatz am Straßenrand. Bis zur mittelalterlichen Burg, in deren Westflügel heute eine Jugendherberge beheimatet ist, sind es wenige Gehminuten. Im Sommer wird der Innenhof der Burg zur stimmungsvollen Kulisse für die Veranstaltungsreihe „Monschau Klassik“, aber wir haben ja noch Mai. Und so bleibt es bei einem kleinen Rundgang auf den Wehrgängen.

Oleftalsperre

Nächster Halt: Oleftalsperre. Unterhalb der Staumauer können auch Womos auf dem Parkplatz stehen (äußere Plätze). Idyllisch und ideal für eine Übernachtung, wenn man weder Ver- noch Entsorgung braucht.  Für uns geht die Fahrt weiter Richtung Gerolstein.

Und wofür ist Gerolstein bekannt? Richtig! Wasser! Und weil die Gerolsteiner Brunnen GmbH & Co. KG ein eigenes Besucherzentrum hat, steuern wir mal aufs Geratewohl dorthin.  Und was stellen wir fest? Nur eine Viertelstunde später  beginnt eine kostenlose öffentliche Werksführung (täglich wochentags um 15 Uhr//www.gerolsteiner.de/de/besucherzentrum/). Was für ein Glück! Im Mini-Werkskino gibt es eine Einführung mit Film, danach geht es eine Treppe hoch in den Probierraum mit Verkostung von Wasser und Mischgetränken. Erfrischend! Im Anschluss dürfen wir auf die Galerie und erhalten Einblick in die laufende Produktion. Bildschirme liefern weitere Informationen zu den jeweiligen Abläufen und Produktionsstrecken. Das ganze Programm dauert etwa ein Stunde, und wer will, kann im Besucherzentrum Souvenirs (natürlich „mit Stern“) erstehen.

Unsere nächste Station ist Prüm. Zunächst testen wir den im Reiseführer angegebenen Parkplatz in Innenstadt-Nähe (Montherméerstraße), leider wurde dort gerade eine Baustelle nebenan aufgemacht. Also testen wir Stellplatz-Tipp Nummer 2, den Wanderparkplatz am Explosionskrater (Kalvarienberg mit Kreuzweg). Der Spaziergang um den Krater herum dauert nicht lange, auch wenn der Explosionskrater einer der größten Deutschlands ist. Er stammt von der Explosionskatastrophe von 1949, bei der ein Munitionslager aus bis heute unbekannten Gründen explodierte und große Teile der Stadt zerstört wurden. Schon krass, sich vorzustellen, wie das gewesen sein muss. Heute ist hier Idylle pur.

Zum Übernachten ist es aber immer noch zu früh. In Pronsfeld am offiziellen Stellplatz nahe des Eisenbahn-Freilichtmuseums nutzen wir die Möglichkeit zur Ver- und Entsorgung. Allerdings kann man ohne 50-Cent-Stücke kein Wasser zapfen. Der Automat nimmt nix anderes. Man könnte hier – gegen Gebühr – sicher gut übernachten. Wohnmobile haben massig Platz und Stromversorgung.

Uns zieht es allerdings über die Grenze ins belgische Sankt Vith. So ein Dreiländereck (Luxemburg ist auch nicht weit) muss man einfach ausnutzen. Unseren Stellplatz für die Nacht finden wir auf dem Parkplatz „An den Weyern“ am Sportplatz. Es gibt eine Ver- und Entsorgungsstation, allerdings nicht ganz klar eingezeichnete Parkfelder für Womos. Aber egal. Es ist Platz genug. Für heute sagen wir: Gute Nacht!

6. Tag 2019-05-03 Strecke: 5h00min 241km
6. Tag 2019-05-03 Strecke: 5h00min 241km

Sechster Tag:  St.Vith (B) – Wallenborn – Rodemack (F)

Nicht weit weg vom Parkplatz entfernt liegt der kleine Stadtpark von Sankt Vith mit dem historischen Büchelturm. Kurze Info vorweg: Sankt Vith liegt im Osten der  Provinz Lüttich und im Süden  der Deutschsprachigen Gemeinschaft. Die Erläuterungsschilder im Stadtpark (Lehrpfad zu Geologie und Flora plus Stadthistorie)  sind entsprechend auch mit deutschen Texten versehen. Angelegt wurde der Stadtpark 2014 gemeinsam mit dem „Millionenberg“. Zusammen sollen sie eine Verbindung zwischen Sportzentrum und Stadtkern herstellen. Hier kann man noch ein bisschen Ruhe tanken, bevor es wieder auf die Fahrbahn geht.

Wir kurven noch ein kleines Stücken durch Ostbelgien, nehmen ein bisschen Luxemburg (Wemperhardt, Clervaux) mit und fahren über Meisburg (Vulkaneifel) ins Dörfchen Wallenborn. Dort wartet der Kaltwasssergeysir (auch „der Brubbel“ genannt) auf uns. Seit 2006, als der Geysir Andernach reaktiviert wurde, ist er zwar nicht mehr Kontinental-Europas einziger Geysir, aber er ist immer noch der einzige, der ohne technische Kontrolle und Hilfsmittel ausbricht. Die Basis für dieses Naturschauspiel bildet eine kohlensäurehaltige Quelle, wie es zu Hunderten in der Eifel gibt. Diese wollten die Wallenborner Anfang der 30er Jahre industriell nutzen und begannen zu bohren. Doch bei diesem Versuch flogen ihnen Erdbrocken und Wasser um die Ohren. Sie waren auf eine Kammer gestoßen, in der sich aufsteigendes CO2 sammelte und mit Wucht und Wasser an die Oberfläche austrat.

Seitdem sprudelt der „Brubbel“ Link1 / Link2 recht verlässlich alle 35 bis 40 Minuten in die Höhe (zwar nicht so hoch wie auf Island, aber dafür eben auch nicht so weit weg). Man zahlt am Kiosk (Familienbetrieb) einen geringen Eintritt (1,50 Euro pro Person) und ist dann ganz nah dran am Geschehen. Die Wartezeit kann man mit dem Lesen der Erklärtafeln überbrücken oder schon mal die günstigste Position zum Fotografieren suchen (um das Sprudelloch ist eine kleine Arena gebaut worden). Wenn sich die erwartungsvollen Touristen rund herum auf die kleinen Steinsäulen verteilen und andächtig auf das Loch starren, ist das manchmal schon ein Bild für die Götter (*Oh, heiliger Geysir – zeige dich…). Wir machen das Spektakel dreimal hintereinander mit, weil’s so schön ist. Zwischendurch ist noch ein kurzer Gang durch den Ort drin, der unter anderem mit einem kleinen Shop (regionale Produkte) und einer stillgelegten  alten Zapfsäule im Retro-Shabby-Look aufwartet.

Dann reißen wir uns los und rollen nach Meerfeld, machen dort einen kurzen Zwischenstopp nahe des gleichnamigen Maars. Es folgen Kurven, Kurven und nochmals Kurven, bis wir wieder aus der Eifel heraus und durch Trier hindurch sind.  Dabei geht es ein Stück entlang der Mosel wieder Richtung Luxemburg. Wir durchqueren Mondorf-les-Bains, passieren eine alte Grenzstation und sind – schwupps – zwar immer noch in Mondorf, aber nun im französischen Teil.

Unser Übernachtungsziel aber heißt Rodemack. Gegen 20.15 Uhr erreichen wir den Parkplatz am historischen Stadttor und finden am hinteren Rand einen passenden Stellplatz (kostenlos, ohne Ver- und Entsorgung). Und wie praktisch, dass heute Freitag ist. Dann steht nämlich der Burger Food Truck von „L’Atelier du Gourmet“ aus Luxemburg auf dem Platz (bis abends gegen 21 Uhr). Das Abendbrot ist gesichert!

Bei einsetzender Dämmerung satteln wir noch einen Verdauungsspaziergang rund um die illuminierte Stadtmauer drauf, dann noch einmal quer durch den komplett unter Denkmalschutz stehenden Ortskern und dann ruft das Womo samt Bett.

7. Tag 2019-05-04 Strecke: 1h03min 039km

Siebter Tag: Mondorf (Lux/F) – Sierck – Montenach – Thionville

Wie gut, dass wir am Abend schon durch Rodemack spaziert sind. Denn der Morgen beginnt mit Dauerregen. Also erst mal – liegen bleiben!

Gegen Mittag eisen wir uns los, steuern zum Globus-Baumarkt in Bettembourg (Luxemburg). Doch die Pflanz- und Selbstbau-Lust der Luxemburger macht uns einen Strich durch die Rechnung. Alles zugeparkt, lange Warteschlangen, nerviges Gekurve auf engstem Raum, rücksichtsloses Räume-eng-Machen, obwohl wir längst auf der „Fluchtroute“ vom viel zu kleinen Parkplatz sind. Also kein Campingzubehör-Shopping-Bummel! Stattdessen fahren wir wieder nach Mondorf-les-Bains, um uns dort ein wenig umzugucken.

Wir parken auf den ausgewiesenen Womo-Stellplätzen nahe des Thermalbades (es gibt eine kleine Ver- und Entsorgungsstation ist aber von einem Womo-Dauersteher – wie es scheint – blockiert. Immerhin werden wir Altpapier und Kartonagen los. Dann talpen wir los, irren ein wenig durch den weitläufigen Kurpark, finden dann aber doch in die Innenstadt. Dort fällt uns als erstes ein Baguette-Automat auf (24 Std. bereit; 1,10 Euro pro Baguette). Die sehen wir später in Frankreich noch einige Male. Das Baguette unterm Arm ist wohl doch kein Frankreich-Klischee. Aber jetzt wollen wir noch Fotos an der schon am Vortag durchquerten alten Grenzstation machen.

Auf dem Rückweg zum Womo kommen wir an einem grünen Platz vorbei, der dem wohl  berühmtesten Sohn der Stadt gewidmet ist:  John Grün. Er wurde 1868 in Mondorf-les-Bains geboren, wanderte mit 21 in die USA aus, und avancierte unter dem Künstlernamen Herkul Grün zum stärksten Mann der Welt. Das kann man auch an dem fantasievoll gestalteten Denkmal auf dem Platz ablesen.

Ein  Wolkenbruch treibt uns jetzt wirklich zurück zum Womo. Wir fahren weiter. Nach Sierck-les-Bains in Lothringen/Frankreich. Aber immer noch an der Mosel. Wir finden den offiziellen Womo-Stellplatz unter Platanen (nahe Bahnlinie und Fluss) und spazieren zur Burgruine Chateau des Ducs de Lorraine. Wer die kostenlos im Internet bestellbare Carte Lorraine vorzeigt, erhält ermäßigten Eintritt. Entlang der Burgmauer geht es einmal rund herum – mit mehreren Abzweigen in Türme, Folterkeller und Co. – eine künstlerische Begegnung mit der Weißen Dame inklusive. Schöner Ausblick vom höchsten Punkt hinunter auf die Mosel.

Man könnte hier übernachten, hätte aber wegen der Bäume keinen Sat-Empfang. (Wenn man die entsprechende Technik schon an Board hat, möchte man die Bequemlichkeit ja auch nutzen 🙂 ) Wir gehen anderweitig auf die Suche und fahren zunächst nach Montenach, stellen uns auf den kleinen Parkplatz am Fußweg zum Haus der Natur (Réserve naturelle de Montenach). Das hat schon geschlossen. Drum herum ist trotzdem einiges zu sehen, darunter ein Insektenhotel, in das aber Kohlmeisen eingezogen sind. Es fiept ganz doll. Verrückt.

Wir ziehen weiter. Letzter Versuch: Thionville. Um kurz vor 20 Uhr rollen wir auf den Parkplatz St. Francois, auf dem auch Lkws stehen dürfen. Drum herum ist viel Grün, dem Anschein nach auch ein Friedhof. Außerdem hält hier der Bus der Linie 28 zum Zentrum, wenn man Stadtbummeln möchte. Wir wollen  essen und schlafen. Bon nuit!

8. Tag 2019-05-05 Strecke: 1h40min 075km
8. Tag 2019-05-05 Strecke: 1h40min 075km

Achter Tag: Thionville – Hackenberg (Maginot-Linie) – Metz

Die heutigen Ziele „öffnen“ erst um 14 Uhr. Wir nutzen das zum Ausschlafen. Da wir aber entsorgen müssen, und die Möglichkeiten hier sehr begrenzt bis nicht vorhanden sind, drehen wir mittags noch eine Kurve nach Perl im Saarland zum dortigen Womo-Stellplatz am PerlBad in der Nähe des Deutsch-Luxemburgischen Schengen-Lyzeums. Das Stehen hier würde fünf Euro kosten. Aber wir entsorgen nur und fahren die 25 Kilometer zurück nach Frankreich. Ziel: Veckring/Hackenberg. Die Ouvrage du Hackenberg (Fort Hackenberg)  ist eine der größten Bunkeranlage der Maginot-Linie in Frankreich und diente als Prototyp für weitere Festungsanlagen dieser Verteidigungslinie.

Der Besuch ist absolut lohnenswert!!! Sonntags gibt es um 14.30 Uhr garantierte Führungen in deutscher Sprache. Mit dem Pass Lorraine kostet der Eintritt acht statt elf Euro. Wohnmobile haben auf einer grünen Anhöhe Platz. Einige französische „Kollegen“ haben dort offenbar vor, zu übernachten. Verboten scheint es nicht zu sein. Aber zurück zur Führung. Wir haben Glück und erwischen als Guide den Vize-Präsidenten der Association Amifort, die sich um den Erhalt der Anlage kümmert und selbst dazu forscht. Entsprechend ausführlich fiel die Führung aus. Der Mann konnte aber auch erzählen. Dazu gab es noch eine rasante Fahrt mit dem ehemaligen Munitionstransportzug. Und auch hoch in einen der ausfahrbaren Panzerdrehtürme ging es. Am Ende stellten wir fest, dass wir drei volle Stunden unterwegs waren. Hat man gar nicht gemerkt, so spannend war alles.

 

Im Womo stärken wir uns erst einmal mit Tee und Butterbroten. Dann streben wir der nächsten Station entgegen: Metz.

Um kurz nach 20.30 Uhr kommen wir auf dem offiziellen Stellplatz Allee de la Plage direkt an der Mosel an. Gleich nebenan gibt es auch einen  Campingplatz, aber wir bevorzugen ja das freie bzw. Stellplatz-Stehen. Nachdem wir all unser Schul-Französisch zusammengekratzt haben (später entdecken wir, dass es auch eine Deutsch-Taste gibt), entlocken wir dem Parkautomaten die Info, dass von 19 Uhr bis 9 Uhr morgens das Parken frei ist und es dann wohl ein spezielles Halbtages- bzw. Tagesticket zum Sonderpreis von zwei bzw. vier Euro gibt. Das allerdings – so reimen wir es uns mit Hilfe einer netten Womo-Alleinfahrerin aus Bremen, die (samt ihrer beiden Hunde) auch gerade angekommen ist, zusammen – kann man erst morgens ab 9 Uhr aufrufen und zahlen. Wir quatschen noch eine ganze Weile und tauschen Womo-Erfahrungen aus, bis es richtig dunkel ist.

Da der Platz als Zwischenstation auf dem Weg nach/von Südfrankreich sehr günstig gelegen und beliebt ist, kann man hier immer Leute zum Kaueln
( https://www.platt-wb.de/platt-hoch/?term=kaueln ) treffen und Tipps für die Weiterfahrt abgreifen, erfahren wir. Uns empfiehlt die nette Bremerin, die selbst gerade auf dem Weg von Korsika zurück in die Heimat ist, in Metz das Centre Pompidou zu besuchen und die zentrale (immer im Kreis, aber eben auch durch die kleineren Straße fahrende) City-Linie N83 zu benutzen. So bekäme man eine Rundfahrt für wenig Geld. Das wollen wir machen. Zuerst aber geht es erst einmal in die Koje!

 

09. Tag 2019-05-07 Strecke: 0 / 0km = "Stehtag" (das Womo hatte Pause)
09. Tag 2019-05-07 Strecke: 0 / 0km = „Stehtag“ (das Womo hatte Pause)

Neunter Tag: Metz

Schöne Überraschung gleich nach dem Aufstehen und Vorhänge-Wegschieben in Metz: Unsere Platz-Nachbarin aus Bremen war schon früh auf und hat uns vom Bäcker eine Tüte Croissants vor die Scheibenwischer gelegt (als Dank für den gestrigen Langzeit-Schnack). Sooooo lecker buttrig. Dazu eine heiße Schokolade, aber sonst ohne alles aufgeknabbert. Satt!!! Während die Bremerin uns und den Platz Punkt 9 Uhr verlässt, entlocken wir dem Automaten für vier Euro ein Tagesticket.

Dann spazieren wir Richtung Innenstadt – und wundern uns, wie viel Polizei (von jeder Sorte bis hin zum Zoll) unterwegs ist (zu Fuß und mit allerlei Fahrzeugen inklusive Motorradstaffel, mit Schutzwesten und dick bewaffnet). Wir trauen uns, zu fragen – und erfahren: Heute ist ein G7-Treffen in Metz. Daher sind die Umweltminister der sieben wichtigsten Industrienationen der westlichen Welt in der Stadt. Und alles wird streng bewacht und beobachtet – bis in die kleinsten Gassen hinein. Überall stehen mindestens zwei Polizisten mit Maschinenpistole. Aber die Stimmung bleibt trotzdem den ganzen Tag über entspannt. Gegen die Umwelt kann ja eigentlich auch keiner ernsthaft Terror machen wollen!

Wir laufen weiter zum Touristenbüro der Stadt, gleich neben der Kathedrale, decken uns mit Postkarten, Briefmarken und Infos (unter anderem der Info, dass wir wegen des G7-Treffens keine Chance auf einen Besuch des Centre Pompidous haben, weil der Bereich komplett abgesperrt ist) ein. Dann besichtigen wir die Kathedrale. Wunderschön. Vor allem die Fenster (ein paar sind von Chagall). Alles schön lichtdurchflutet. Kein Wunder, dass man die Kathedrale auch „Laterne Gottes“ nennt.

Da die Bimmelbahn, auf die wir gehofft haben, erst im Sommer fährt,  spazieren wir durch die Fußgängerzone Richtung Wasser und Parks. An der Mosel geht es zurück Richtung Moyen Pont und Temple Neuf. Zurück in der Fußgängerzone stärken wir uns mit einem extrem leckeren Burger beim „Kebap Burger“ (gleich neben McDonald’s). In der Boulangerie Dudot erliegen wir der bunten Vielfalt der unterschiedlich gefüllten Eclairs und weiteren Gebäckstücke in der Auslage. Ein  halber Käsekuchen, ein Eclair Pinache und ein Erdbeertörtchen müssen ebenso mit wie zwei Baguettes.

Dann kehren wir zum Wohnmobil zurück: zum Teetrinken und Postkartenschreiben. Nach der Pause spazieren wir erneut in die Innenstadt, mit dem festen Vorsatz, Bus zu fahren, was immer es auch kosten mag (die empfohlene City-Line N83). Haltestelle ist direkt an der Kathedrale. Doch der Busfahrer will unser Geld nicht. Wegen der G7-Treffens hat sich Metz nämlich selbst für zwei Tage zur Umwelthauptstadt ernannt, und in dieser Zeit ist das Benutzen des ÖPNVs gratis. Nach ein paar Runden „Stadtrundfahrt“ hüpfen wir am Bahnhof ab und schauen uns das sehenswerte Bauwerk (erbaut von 1905 bis 1908, vom Berliner Architekten Jürgen Kröger entworfen in neo-romanisch-wilhelminischen Stil, 2017 zum schönsten Bahnhof Frankreichs gewählt) von innen und außen an. Auch hier viel Polizei, bis an die Zähne bewaffnet.

Wir hupfen beim nächsten Bus wieder auf, hängen noch ein bisschen Shopping-Bummel an und kehren abends zum Womo zurück. Dort muss eins der Baguettes zusammen mit Rührei dran glauben.

Wenig später folgt der nächste Parkplatz-Schnack diesmal mit Neuankömmlingen aus Berlin, die den Nordwesten Frankreichs erkundet haben und nun über Metz und Lothringen zurück nach Deutschland wollen. Wir tauschen Tipps und Broschüren aus – und unterhalten uns noch lange, bis es fast schon wieder dunkel ist. So geht das eben zu bei Wohnmobilisten… Selbst wenn sie noch Neulinge sind.

10. Tag 2019-05-07 Strecke: 3h15min 140km
10. Tag 2019-05-07 Strecke: 3h15min 140km

Zehnter Tag: Uckange – Saarlouis (D) – Thionville

Heute holen wir uns unsere Morgen-Croissants selbst – und zwar hier: Bäckerei Aux Petits Choux, . Punkt 9 Uhr dann Abfahrt vom Platz. Eine gute halbe Stunde später Ankunft in Uckange. Dort heißt unser Ziel: U4. Dahinter verbirgt sich der letzte der vier Hochöfen des Hüttenwerkes von Uckange, gerettet dank seiner Aufnahme 2001 in die Liste der denkmalgeschützten Bauwerke und heute zu besichtigen, ergänzt um ein kleines Museum und einen Landschaftspark. Das Ganze öffnet allerdings erst um 10 Uhr. Auf den Museumsparkplatz kommen wir daher wegen der Höhenschranke leider (noch) nicht. Hatten dort in Ruhe frühstücken wollen. Wir weichen kurzerhand auf den Parkstreifen direkt an der Rue de Thionville (die nahe Durchgangssstraße) aus  – mit Blick auf einen See – und verzehren unsere Croissants eben dort. Eine erneut buttrige Offenbarung! Yam-yam!!!

Um 10 Uhr ist die Höhenschranke weggeklappt. Wir stellen uns auf den hinteren der beiden Parkbereiche, wo mehr Platz für uns ist. Dann spazieren wir zum Eingang, löhnen dort mit dem Pass Lorraine zwei statt drei Euro und suchen dann zuerst das kleine (noch etwas improvisierte) Ausstellungsgebäude auf, wo wir mehr über das ehemalige Hüttenwerk, die Stahlerzeugung überhaupt, die Stahlkrise und den lokalen Kampf um den Erhalt des Werkes erfahren. Im Anschluss folgen wir dem ebenfalls sehr informativen und anschaulichen Geschichtspfad (auch auf Deutsch)  rund um die Hochofen-Ruine. Einige Abzweige führen auch auf höhere Ebenen, so dass man wirklich einen umfassenden Einblick erhält.

Danach ist uns allerdings nach Garten, aber der Landschaftspark „Jardin des Traces“ (Garten der Spuren) ist ja zum Glück gleich nebenan. Sehenswerte grüne und blühende Anlagen mit viel Kunst und thematischer Anbindung an das Hüttenwerk. Toll! Und dazwischen schöne Gelegenheiten zum Sitzen und Entspannen. Hier kann man echt Zeit verbringen. Wir schaffen es erst nach knapp vier Stunden, uns von dem U4-Gelände loszueisen.

Da wir endlich mal unsere Gasflasche tauschen müssen, heißt unsere nächste Station Saarlouis (D). Beim Globus-Baumarkt (Schanzenstraße 20) gibt es einen 24-Stunden-Tauschautomat. Mit 17,95 Euro (Kartenzahlung) sind wir dabei. Und wo wir schon mal da sind, durchstöbern wir danach den Baumarkt und testen das rustikale Restaurant (wo man morgens offenbar auch ganz gut und günstig frühstücken kann).

Nach der Stärkung schauen wir kurz noch am kostenlosen Stellplatz (mit Entsorgung) von Saarlouis vorbei: Sport-Zentrum In den Fliesen, Saint-Nazairer-Allee. Der scheint okay und nicht weit von der City entfernt zu sein, ist uns aber schon zu sehr mit Fans des Wagenburg-Campings belegt. Also fahren wir wieder nach Frankreich, shoppen im großen Decathlon-Sportstore bei Yutz – und entscheiden uns, noch mal auf dem Lkw-Stellplatz im Grünen in Thionville zu übernachten.

 

11. Tag 2019-05-08 Strecke: 1h25min 055km
11. Tag 2019-05-08 Strecke: 1h25min 055km

Elfter Tag:  Longwy

Heute ist der 8. Mai und damit Feiertag in Frankreich (Ende des Zweiten Weltkriegs) – und wie es sich (natürlich nicht!) gehört, regnet es in Strömen!!! Das vermasselt uns unsere ursprüngliche Planung, mal den Walygator Parc auszuprobieren. Also lesen und basteln wir ein bisschen im Womo herum, brechen dann aber mittags auf, um erst im nahen Luxemburg (Rodange) preiswert zu tanken und dann mal nach Longwy zu gondeln und ein bisschen Weltkulturerbe zu schnuppern. Denn: Die Zitadelle von Longwy gehört seit 2008 zusammen mit anderen Festungen in ganz

Frankreich zum UNESCO-Weltkulturerbe der‚ Festungsanlagen von Vauban‘.

Wir stellen uns auf den Gratis-Stellplatz am kommunalen Stadion (Avenue de 8 Mai 1945 = wenn das nicht mal wie die Faust aufs Auge passt) und warten auf eine Regenpause, die aber nicht kommen will. Als es zumindest ein bisschen nachlässt, nutzen wir den Ver- und Entsorgungsautomaten (funktioniert mit Jetons), stellen uns auf die Keile, futtern ein spätes Mittagessen und gucken TV. Am frühen Abend hört der Regen dann doch mal auf und wir spazieren in die Innenstadt mit großem Marktplatz und Garnisonskirche (Église Saint-Dagobert). Und dann weiter zur Festung mit der Porte de France. Alles sehr beeindruckend und prima Kulisse für entspannte Spaziergänge. Die Info-Tafeln enthalten zwar auch deutsche Texte, sind aber leider vandalismus-geschädigt. Auf den letzten Metern entlädt sich ein Hagelschauer. Schluss-Sprint zum Womo! Gerade noch rechtzeitig, bevor es auch zu gewittern beginnt. Da kann man nur noch eine DVD einschieben und Tee trinken…

 

12. Tag 2019-05-09 Strecke: 4h40min 240km
12. Tag 2019-05-09 Strecke: 4h40min 240km

Zwölfter Tag:  Verdun – Pierre Percée

Dieser Tag beginnt etwas besser, obwohl es weiter regnerisch ist. Daher steuern wir Verdun an, nicht die Stadt, aber das Beinhaus „Ossuaire de Douaumont“ mit den riesigen Gräberfeldern davor zu besuchen, ist Pflicht, finden wir! Ebenso wie ein Besuch bei einem der verschwundenen Dörfer.

 

 

2019-05-09 – Umrundung um die riesige Fläche das Beinhaus Areals

Wir wählen Fleury-devant-Douaumont, wo nur noch kleine Stelen an die Bauten erinnern, die hier einmal gestanden haben. Die unzähligen Granatentrichter aus dem Ersten Weltkrieg sind inzwischen von Wald überwuchert. Idyllisch und schaurig zugleich!

Danach brauchen wir einen hellen Kontrast! Wir wenden uns wieder Verdun zu. Genau gesagt: der Manufaktur „Dragées Braquier“. Die Firma stellt seit 1783 die berühmten  „Dragées de Verdun“ her: Mandeln, die von einer süßen Couverture ummantelt sind. Die hat Goethe schon weggeknabbert! Und das können wir – nach allerlei Kostproben im Fabrikshop – so was von verstehen.

Im Reiseführer haben wir außerdem gelesen, dass die Produktion besichtigt werden kann. Wir fragen im Laden nach und werden einmal ganz außen herum um die Fabrik geschickt, während man uns für die Gratis-Führung per Audio-Guide (auf Deutsch) anmeldet. Am Eingang zur Schau-Produktionsstrecke empfängt uns schon eine nette Dame, die uns mit Kopfhörern, Guide und Bedien-Instruktionen ausstattet. Es gibt Bildschirme, auf denen Erklärfilmchen laufen. Den Ton dazu hört man über die Kopfhörer. Alles schön anschaulich und appetitanregend. Und in den „Schaukästen“ links und rechts des Ganges wird auch tatsächlich gearbeitet. Wir sehen: Da ist noch richtig viel Handarbeit dabei! Zwischendurch öffnet sich die eine oder andere Tür, und es strömt ein verführerischer Kakaogeruch heraus. Mmmmmh!

Zurück im Laden, kaufen wir noch ordentlich Mitbringsel zum Verzehren ein. Dann machen wir uns wieder auf den Weg. Die nächste Etappe wird etwas länger ausfallen, denn wir wollen zum Stausee „Lac de Pierre Percée“. Kurz vor Ladenschluss erwischen wir noch einen Intermarché-Markt in Blamont. Das spätere Abendbrot (Hamburger aus dem „Selbstbaukasten“ -sprich: Boeuf Hachée mit Gürkchen, weichen Brötchen und Soßen) ist also gesichert.

Um 19.40 Uhr trudeln wir auf dem Parkplatz ein – mit direktem Seeblick und Kanada-Landschaft drum herum. Zwei Womos stehen schon dort, aber es ist genug Platz, dass man sich nicht auf der Pelle hockt. Wir machen es uns gemütlich, braten die Hamburger, futtern zufrieden, saugen die See-Atmosphäre ein und gucken später noch Chelsea gegen Frankfurt samt Elfmeter-Finale. Das bleibt zwar ohne Happy End, aber wir fallen trotzdem happy in die Federn.

13. Tag 2019-05-10 Strecke: 4h15min 159km
13. Tag 2019-05-10 Strecke: 4h15min 159km

Dreizehnter Tag: Pierre-Percée – Straßburg – Kehl – Pforzheim

Merkwürdig pfeifende Geräusche wecken uns gegen 6.20 Uhr. Zwei Franzosen, die offenbar Frühaufsteher und Angler sind, pumpen ihre Watflöße auf. Wir schauen zu, wie sie sich auf den See begeben, über den dekorative Nebelschwaden hinwegziehen.

Weitere Angler treffen ein – mit unterschiedlichen Wasserfahrzeugen; vom Metall- bis zum Schlauchboot. So viel Passiv-Angeln macht hungrig. Dem begegnen wir mit einem Pfannkuchen-Frühstück frisch vom Herd. Wir genießen noch eine ganze Weile die See-Atmosphäre, bevor es am Mittag einmal um die Kurve zur Staumauer des Lac du Pierre-Percée geht.

Ziemlich imposant, aber auch ziemlich wenig Wasser im See, wie wir am trocken liegenden „Riesen-Überlauf-Abfluss“ erkennen. Nach einem ausgiebigen Spaziergang einmal quer über die Staumauer und zurück, rollen wir weiter. Durchs Elsass und hübsche kleine Dörfer. Unser nächstes Ziel aber ist richtig groß: Straßburg. Wir quälen uns durch den Großstadtverkehr, landen dafür aber trotzdem (dank Navi) relativ flott an der Adresse, an der sich der offizielle Womo-Stellplatz neben der Jugendherberge befinden sollte (Rue des Cavaliers; nahe des Jardin des deux Rives). Aber nichts zu finden, wir kurven dreimal in der Runde, bis wir erkennen, dass da wohl ein solcher Platz mal war, aber jetzt mit einem Tor versperrt ist und ein kleines Schild dran hängt: „Wegen Umbauarbeiten geschlossen“.

Wir versuchen unser Glück beim Reiterhof in der Nähe. Mit ein bisschen Erklären und Übersetzungshilfe einer deutsch sprechenden Lehrerin, bekommen wir die Ausnahme-Erlaubnis für eine Stunde Parken. Mehr brauchen wir auch nicht, um einen Gang zum und durch den schon erwähnten Garten der beiden Ufer zu unternehmen sowie einmal über die Fußgänger- und Fahrradbrücke über den Rhein ins deutsche Kehl zu spazieren (und natürlich wieder zurück). Zurück in Frankreich, nutzen wir noch schnell das große  – recht einfach gehaltene – Toilettenhaus des Gartens, kostenloser Zugang, bewacht und wohl daher erstaunlich sauber. Hinter der Zirkusschule flutschen wir aus dem Garten wieder heraus und entern rechtzeitig zur verabredeten Zeit das Wohnmobil.

Über Kehl, Rastatt und Ettlingen fahren wir zu unserer nächsten Übernachtungsstation: Pforzheim. Wir platzieren uns auf dem Gratis-Platz „Oststadt am Enzauenpark“ (Wildersinnstraße) in der Nähe des gleichnamigen Parks mit dem Gasometer. Dorthin wollen wir auch gleich noch einen Abendspaziergang machen, werden aber vorher ein wenig im Schnack aufgehalten. Ein Pforzheimer (ursprünglich aber Wuppertaler) Womo-Kurzzeit-Nachbar mit seinem Sparta-Ami-Busgeschoss fordert unsere Aufmerksamheit (Erfahrungsaustausch und Info über die am nächsten Tag gesperrte Innenstadt bis hin zum Bahnhof wegen diverser Demos von Rechten wie Linken plus einem Kinderfest. Was für eine Mischung!

Dann eisen wir uns los. Beim Gasometer lesen wir uns über die dortige Asisi-Panorama-Ausstellung („Great Barrier Reef“) schlau. Die wollen wir am nächsten Tag besuchen. Zum Abschluss des Tages stromern wir noch ein bisschen entlang der Enz durchs Grüne, dann geht’s zurück zum Womo. Zeit für Abendbrot & Co.

14. Tag 2019-05-11 Strecke: 2h55min 100km
14. Tag 2019-05-11 Strecke: 2h55min 100km

Vierzehnter Tag: Pforzheim – Steinheim an der Murr

Wie geplant, steht zunächst der Besuch des Gasometers an (11 Euro Eintritt). Hier hat der Panorama-Künstler Asisi das Great Barrier Reef im 360-Grad-Format „nachgebaut“ (zu sehen noch bis mindestens Ende 2019). Also auf zum „Trockentauchen“!

Wir bringen zwei Stunden in der Rundbild-Ausstellung zu, bei der es  eine fortlaufende automatische Tag-/ Nacht-Simulation gibt. Danach nutzen wir die Ver- und Entsorgungsstation hinter dem Heizkraftwerk gleich gegenüber. Allerdings funktioniert der dortige Frischwasser-Automat nicht.

Außerdem müssen wir langsam mal wieder Gas tauschen. Ist eben noch nicht so warm, dass wir nachts ohne Heizung auskommen. Wir suchen ein bisschen in Pforzheim herum, steuern dann aber lieber weiter nach Stuttgart-Zuffenhausen zum Dehner Center (wo es zwar arg eng auf dem Parkplatz ist, aber eben auch Gasflaschen gibt). Gut versorgt, fahren wir weiter nach Steinheim an der Murr. Dort lässt es sich ganz gut bei der Murrinsel (Parkplatz Badtorstraße) stehen – und übernachten.

15. Tag 2019-05-12 Strecke: 3h15min 257km
15. Tag 2019-05-12 Strecke: 3h15min 257km

Fünfzehnter Tag: Steinheim an der Murr – Völklinger Hütte

Heutiges Hauptziel – auf der Rückroute Richtung Norden – ist die Völklinger Hütte. Das ehemalige Eisenwerk  wurde 1986 stillgelegt. 1994 erhob die UNESCO die Roheisenerzeugung der Völklinger Hütte als Industriedenkmal in den Rang eines Weltkulturerbes der Menschheit. Das wollen wir uns näher ansehen. Dazu müssen wir wieder ins Saarland. Knapp dreieinhalb Stunden später sind wir da. Auf dem riesigen Parkplatz gibt es sogar gratis Wohnmobil-Stellplätze – in Gittergehegen (fehlt nur noch das Schild „Bitte nicht füttern! 🙂 ). Per Münzeinwurf gibt es Strom dazu. In einem Extra-Gebäude kann man Wasser zapfen (ein Euro für fünf Minuten) oder (auf der anderen Seite der Säule) den Fäkalientank entleeren und spülen.

Aber erst einmal geht es hinein ins Weltkulturerbe (Eintritt 17 Euro pro Person). Das Ganze ist ein Riesenerlebnis:  Tief hinein geht es in die dunklen Gänge der Möllerhalle. Die Multimedia-Einführung in der Sinteranlage nimmt die Besucher mit auf eine Zeitreise. Vom Dach der Erzhalle öffnet sich der Blick über die Stadt Völklingen und das aktive Werk der Saarstahl AG. An der Granulieranlage lädt der Picknickplatz zum Verweilen und zu einem Blick auf das idyllisch gestaltete Granulierbecken ein: Entspannung pur zwischen bunten Wasserpflanzen und trotzigem Stahl. Oder man steigt zur Gichtbühne in 27 Metern Höhe auf – hier wurden die Rohstoffe in die Hochöfen gefüllt. Wer noch höher hinaus will (und das wollen wir), erklimmt die Aussichtsplattform der Hochofengruppe. Hier bietet sich ein unvergleichlicher Rundblick. Wer nach dem Aufstieg etwas zitterig auf den Beinen ist, kann auf kleinen Rollbänken Platz nehmen, die auf einer halbrunden Schiene laufen, und die Aussicht im Sitzen genießen. Pfiffig!

Dazwischen stehen temporär auf der gesamten Anlage  „100 Arbeiter“, Figuren eines Skulpturenprojektes des Künstlers Ottmar Hörl. Die Figuren sind dem Völklinger Hüttenarbeiter mit Helm und Arbeitskleidung nachgebildet. Außerdem läuft gerade (noch bis 3. November 2019) die „5. UrbanArt Biennale® 2019 Unlimited“. Die Sonderausstellung präsentiert 100 Künstler mit 120 Werken aus 20 Ländern und vier Kontinenten.

Wir haben uns am Ende dreieinhalb Stunden in, an und auf der Hütte getummelt. Danach waren wir wieder reif fürs Womo samt Abendbrot. Aber ganz abgeschlossen war das Thema Hütte noch nicht. Denn als es dunkel war, musste noch ein Spaziergang mit Fotoapparat sein. Auch bei der Völklinger Hütte gilt: … und abends mit Beleuchtung!

Allerdings muss auch gesagt sein: Wer auf dem Parkplatz-Stellplatz der Hütte übernachtet, muss damit rechnen, dass tiefergelegte jugendliche Autonarren  dort Rennen fahren. Da wir eh Nachteulen sind, hat uns das aber weniger gestört, zumal die „Gang“ immerhin so rücksichtsvoll war, in etwas größerem Abstand zu rasen.

 

16. Tag 2019-05-13 Strecke: 0h40min 42km
16. Tag 2019-05-13 Strecke: 3h45min 256km

Sechzehnter Tag: Saarschleife – Tankstation in Rosport (Lux) bei Trier – Schaan – Schlossparkplatz Wickrath (Mönchengladbach)

Wir lassen uns heute mal wieder Zeit fürs Aufstehen und Frühstücken. Erst gegen Mittag rollen wir wieder auf die Piste. Zuerst nutzen wir die Entsorgungsstation in Mettlach (Bohnenstraße 2), dann fahren wir die Straße direkt an der Saar noch ein Stückchen weiter bis zum Parkplatz unten an der Saarschleife (Steinbach). Hier könnte man wahrscheinlich ganz gut über Nacht stehen. Aber wir sind ja quasi gerade erst losgefahren. Also kehren wir um und steuern Richtung Mettlach-Orscholz, um uns die Saarschleife von oben anzugucken.

Oben gibt es mehrere Parkplätze. Wir landen auf einem ganz nah am Cloef-Atrium, wo es lange Parkstreifen für Busse gibt, aber schon zwei Wohnmobile stehen. Und weil noch keine Hauptsaison ist, trauen wir uns auch, dort stehen zubleiben – nachdem wir ein entsprechendes Parkticket gezogen haben (zwei Stunden kosten 1,50 Euro). Dann schlendern wir zum Baumwipfelpfad (zehn Euro pro Person). [INFO: Dieser Parkautomat hat eine sogenannte „Brötchentaste“, wer hier nur kurz zur Toilette will, vorab die Tickets für den Baumwipfelpfad holen möchte, die Touri-Info plündern oder nach der Rückkehr einen kleinen Imbis einnehmen möchte, kann hier kostenlos für 10 Minuten ein Parkticket ausdrucken – dazu reicht einfach ein Druck auf die grüne OK-Taste am Automaten.]

1250 Meter schlängelt sich der barrierefreie Baumwipfelpfad durch Buchen, Eichen und Douglasien in Richtung Saarschleife. An didaktischen Stationen wird Wissenswertes über das Leben im Wald anschaulich vermittelt. Es gibt eine Mini-Wackelbrücke und – für etwas Mutigere – eine Röhrenrutsche, die ein kleines Stück parallel

(aber natürlich abwärts) zum Pfad verläuft, also

quasi freischwebend ist. Insgesamt aber schrauben wir uns

immer höher hinauf bis zum Aussichtsturm.

Ähnlich wie in der Kuppel des Berliner Reichstagsgebäudes geht es immer in der Runde immer höher bis ganz nach oben, nur dass hier nichts aus Glas, sondern alles ein Freiluftgebilde ist einschließlich der Aussichtsterrasse (mit Sitzbänken).

Der Turm selbst ist 42 Meter hoch, und der Blick reicht in das Tal der Saarschleife und auf die grünen Hügel des Naturparks Saar-Hunsrück, bei gutem Wetter sogar bis zu den Vogesen. „Ortsschilder“ am Geländer helfen beim Orientieren in der Landschaft.

Man mag sich gar nicht wieder von den grandiosen Ausblick trennen, aber wir müssen die Parkzeit im Auge behalten und wollen uns ja auch noch im Souvenir-Shop der Touri-Info im Cloef-Atrium umsehen. Also spazieren wir wieder abwärts und folgen dem weiteren Pfad Richtung Ausgang.

Die nächste Etappe führt uns ein letztes Mal nach Luxemburg. In Rosport kurz hinter Trier nutzen wir die Gelegenheit zum Tanken. Ohne Pause geht es dann weiter nach Nordrhein-Westfalen. Kurzer Zwischenstopp noch einmal bei der Verwandtschaft in Schaan (Mitbringsel überreichen), dann suchen wir uns einen Übernachtungsplatz. Die Wahl fällt diesmal auf den Parkplatz am Park des Schlosses Wickrath. Schön im Grünen gelegen. Leider – so müssen wir später feststellen – sind hier noch schlimmere Tiefergelegte unterwegs als an der Völklinger Hütte. Nicht nur, dass die kleine Picknick-Station samt Mülleimer (die eigentlich für übernachtenden Wohnmobilisten gedacht ist) von den Prolls komplett mit MacDonalds- und ähnlichem Fastfood-Dreck vermüllt wurde. Die Idioten liefern sich hier auf engem Raum direkt auf dem Weg zwischen den links und rechts parkenden Womos Rennen bis unter die kleine Unterführung, wo dann wegen des „schönen“ Halls natürlich noch mal extra quietschend in die Eisen gegangen oder aufgeheult wird. Ein echt armseliges Freizeitverhalten. Wir entscheiden uns, diesen Schwachsinn weitgehend zu ignorieren, damit die Raser die Lust am Posen verlieren. Leider gibt es aber offenbar auch in Zeiten der Emanzipation immer noch Mädels, die solche Typen anhimmeln. Deshalb dauert der Spuk dann doch länger.

17. Tag 2019-05-14 Strecke 4h26min 353km
17. Tag 2019-05-14 Strecke 4h26min 353km

Siebzehnter Tag: Schlosspark Wickrath (Mönchengladbach) – Wynen Gas – Schloss Dyck (Obstladen) – Wilhelmshaven

 

Heute morgen machen wir das, worauf wir gestern Abend wegen der Raser verzichtet haben: einen Spaziergang durch den Park zum Schloss. Alles sehr hübsch und idyllisch.

 

Abstecher zu Wynen Gas GmbH, 41747 Viersen 2019-05-14 Strecke 1h00min 044km
Abstecher zu Wynen Gas GmbH, 41747 Viersen 2019-05-14 Strecke 1h00min 044km

Danach machen wir einen Abstecher nach Viersen zur Firma Wynen-Gas und informieren uns über die Möglichkeiten, einen Gastank zu installieren (man kann ja nicht überall im Ausland deutsche Gasflaschen tauschen oder auffüllen lassen).

Angefüllt mit Informationen und einem auf unsere Bedürfnisse abgestimmten Angebot, fahren wir weiter.

Weil es so nah ist, noch mal zum Obstladen am Schloss Dyck. Der Apfelsaft ist einfach zu lecker. Da müssen noch ein paar Kartons mit an die Nordseeküste. Und die steuern wir jetzt an. Heimat, wir kommen!

geschwindigkeitsprofil
Geschwindigkeitsprofil